Holocaust
: Respektlos: AfD-Chef Gauland schläft bei Gedenkstunde?

Der Bundestag gedenkt der Holocaust-Opfer. Israels Präsident Rivlin mahnt zum Kampf gegen Hass. Und Gauland? Scheint eingeschlafen.
Von
Jana Reimann-Grohs
Berlin
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Aus der ersten Abgeordnetenreihe: AfD-Fraktionsvorsitzender Alexander Gauland (m.) stützt seinen Kopf mit geschlossenen Augen ab, als der israelische Staatspräsident Reuven Rivlin (r. unten) zur Gedenkstunde für die Opfer des Nationalsozialismus im Deutschen Bundestag spricht. Neben ihm sitzt die zweite Fraktionsführerin Alice Weidel.

Jana Reimann-Grohs/MOZ

Jene angekündigte Freude stand Weidel dann aber nicht mehr unbedingt ins Gesicht geschrieben, als das israelische Staatsoberhaupt Reuven Rivlin zur Holocaust-Gedenkstunde in den Bundestag kam. Sie klatschte zur einleitenden Musik des jüdischen Komponisten Szymon Laks, beschäftigte sich bei der darauffolgenden Rede von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier aber sichtbar mit ihrem Handy. Der Auftritt Rivlins sei als Zeichen der Versöhnung zu deuten, betonte Steinmeier und versicherte gleichzeitig: Deutschland werde nicht vergessen und stehe an der Seite Israels.

Im israelischen  Yad Vashem und auf dem Gelände von Ausch­witz wurde der Befreiung des Vernichtungslagers von den Nationalsozialisten vor 75 Jahren bereits gedacht. Seit 25 Jahren gebe die Gedenkstunde im Bundestag nun dem Mitfühlen Raum, sagte Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble. Es gebe „kein heilsames Schweigen über Auschwitz“ oder die Verbrechen der Nationalsozia­listen.

Wenn im Bundestag der Opfer des Holocaust gedacht wird, sind die Parteien stets in Anteilnahme vereint. Ein von einigen befürchteter Eklat blieb auch am Mittwoch aus. Aber so ganz entscheiden konnte sich die AfD-Fraktion nicht: Mal klatschte sie mit Alice Weidel und Alexander Gauland an der Spitze geschlossen und mal nicht. Das Führungsduo lümmelte mehr in erster Reihe als gespannt zuzuhören.

Gar kein Applaus kam von Weidel und Gauland, als Steinmeier mahnte, Demokratie und Rechtsstaat zu schützen. „Die bösen Geister der Vergangenheit zeigen sich heute in neuem Gewand“, warnte er. Ihr völkisches und autoritäres Denken seien keine bessere Antwort auf die offenen Fragen unserer Zeit. Zudem müssten neue Formen des Gedenkens für eine junge Generation gefunden werden für eine zukünftige Erinnerungskultur.

Während Gauland da noch mit gesenktem Haupt unter dem Tisch Papiere las, hielt er bei den Worten Rivlins die Augen geschlossen und stützte seinen Kopf ab. Es machte den Anschein, als würde er schlafen. Deutschland sei ein Leuchtturm für die Demokratie und trage Verantwortung für liberale Werte, appellierte Rivlin. Während Europa von Antisemitismus heimgesucht werde, sollten die Deutschen auch in den kommenden Jahrzehnten Hass und Hetze bekämpfen sowie ein Motor für Toleranz werden.