Landtagswahl Sachsen-Anhalt
: Merz „zutiefst schockiert“ – Nach Sachsen-Anhalt „nicht zur Tagesordnung übergehen“

Die CDU muss eine krachende Niederlage bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt hinnehmen. Wie geht es jetzt weiter? Bundeskanzler Friedrich Merz äußerte sich am Montag zusammen mit dem CDU‑Spitzenkandidaten Sven Schulze in Berlin zu den Ergebnissen der Wahl.
Von
afp, dpa
Berlin
Jetzt in der App anhören
GERMANY-POLITICS-VOTE-STATE-SAXONY-ANHALT-CDU: German Chancellor and leader of Germany's Christian Democratic Union (CDU) Friedrich Merz reacts during a press conference after the party's leadership meeting in Berlin on September 7, 2026, one day after regional elections in the eastern federal state of Saxony-Anhalt. (Photo by RALF HIRSCHBERGER / AFP)

NIcht zufrieden: Bundeskanzler Friedrich Merz.

RALF HIRSCHBERGER/afp
  • CDU verliert in Sachsen-Anhalt deutlich, AfD gewinnt klar und verfehlt die absolute Mehrheit.
  • Merz zeigt sich „zutiefst schockiert“ und nennt das Ergebnis die schwerste Niederlage seit Jahren.
  • Konsequenzen angekündigt – zur Tagesordnung will die CDU nach der Wahl nicht übergehen.
  • Merz bekräftigt Reformkurs und warnt vor Risiken für Zukunft von Kindern und Enkelkindern.
  • Zahlen: AfD 43,8 Prozent, CDU 17,2 Prozent – CDU-Ergebnis halbiert.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

CDU-Chef und Kanzler Friedrich Merz (CDU) hat Konsequenzen nach der Niederlage seiner Partei bei der Wahl in Sachsen-Anhalt angekündigt. Er und die CDU seien „zutiefst schockiert“ über den hohen Wahlsieg der AfD, sagte Merz am Montag in Berlin. „Das ist die schwerste Wahlniederlage, die die CDU seit Jahren, seit Jahrzehnten auch eingefahren hat.“ Es sei klar, dass die CDU „nicht zur Tagesordnung übergehen“ könne. Das Wahlergebnis mache auch etwas mit ihm persönlich, sagte Merz. Es habe zudem Auswirkungen auch auf die internationale Lage und finde international Beachtung.

CDU-Spitzenkandidat Schulze kündigt Konsequenzen an

Auch Ministerpräsident Sven Schulze (CDU) hat Konsequenzen angekündigt. „Ich bin dort als Spitzenkandidat angetreten und werde daraus natürlich auch entsprechende Konsequenzen ziehen“, sagte Schulze nach Sitzungen der Spitzengremien seiner Partei in Berlin.

Schulze kündigte an, dem CDU-Landesvorstand am Abend einen Vorschlag für das weitere Verfahren zu unterbreiten. Der CDU-Spitzenkandidat sprach von einer schweren Niederlage. „Wir haben als CDU keinen Regierungsauftrag mehr, wir sind Opposition. Der Regierungsauftrag liegt jetzt bei der AfD“, sagte Schulze.

Merz will an Reformen festhalten

Merz bekräftigte in seiner Ansprache die Notwendigkeit grundlegender Reformen in Deutschland. Es gehe „um nicht mehr als die Zukunft unseres Landes und die Chancen unserer Kinder und Enkelkinder“. Dies „dürfen wir nicht verspielen“, betonte der CDU‑Vorsitzende. „Deswegen ist meine Entschlossenheit, den Reformkurs fortzusetzen, ungebrochen.“

Die Reformen müssten dabei aber den Menschen besser erklärt werden, sagte Merz. Er wisse, dass dies ein „Standardsatz“ sei, der häufig in der Politik verwendet werde. Er reiche aber nicht mehr. „Wir müssen versuchen, ich selbst auch, die Menschen auch in ihrer ganzen Emotionalität stärker zu erreichen“, betonte der Kanzler. „Wir wissen, dass viele Menschen Angst haben um ihre eigene Zukunft, um das wirtschaftliche Fundament, um ihre soziale Absicherung.“

Er wolle nun „alle Anstrengungen darauf richten, in der Koalition zusammen mit der SPD eine neue, bessere, (...) Erzählung, einen besseren Überbau zu ermöglichen, warum wir diese Reformen für notwendig und für richtig halten“, sagte Merz. Seine Partei werde darüber auch in den nächsten Tagen nochmals „intensiv“ diskutieren.

Er höre auch die Wortmeldungen aus der SPD. Natürlich müsse man über die Frage sprechen, wie man mit der Lebensbiografie langjährig Versicherter umgehe, die nun berechtigte Sorgen um die Frage hätten, ob sie nach 45 Jahren in die Rente gehen dürften oder nicht. „Das sind Fragen, die wir immer ernst genommen haben“, sagte Merz. „Das ist vielleicht nicht hinreichend deutlich genug zum Ausdruck gekommen.“ Der Kanzler betonte zugleich die grundsätzliche Richtigkeit der notwendigen Reformen.

Merz sagte weiter, auch das Thema Haushalt und Steuerreform werde noch einmal auf der Tagesordnung stehen. In der CDU/CSU-Fraktion gebe es den großen Wunsch, die Bürgerinnen und Bürger noch etwas umfangreicher zu entlasten. „Ich verschließe mich diesem Wunsch überhaupt nicht. Wir müssen nur gleichzeitig schauen, dass die Staatsfinanzen in Deutschland einigermaßen solide bleiben.“ Konkret geht es um eine geplante Reform der Einkommensteuer.

Die drei ostdeutschen CDU-Ministerpräsidenten Schulze, Michael Kretschmer (Sachsen) und Mario Voigt (Thüringen) hatten sich gemeinsam gegen die Pläne zur Abschaffung der abschlagsfreien Rente nach 45 Beitragsjahren gestellt. Weitere Regierungschefs der SPD schlossen sich an. Merz hatte den Vorstoß zurückgewiesen. Über Härtefälle bei der Frühverrentung müsse aber gesprochen werden.

CDU halbiert ihr Ergebnis

Die AfD hatte die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am Sonntag deutlich vor der regierenden CDU gewonnen, eine absolute Mehrheit aber verpasst. Die vom Landesverfassungsschutz als gesichert rechtsextremistisch eingestufte Partei konnte ihr Ergebnis auf 43,8 Prozent der Stimmen mehr als verdoppeln. Die Christdemokraten von Ministerpräsident Sven Schulze kamen demnach nur noch auf 17,2 Prozent. Ihr Wert wurde damit halbiert.

Angesichts einer möglichen AfD-geführten Regierung in Magdeburg sagte Merz, er wolle „allen Menschen in unserem Land versichern: Unsere Institutionen sind wehrhaft und stabil.“ Das Grundgesetz schütze und garantiere diese Ordnung, und „die von mir geführte Bundesregierung wird dafür sorgen, dass das Grundgesetz durchgesetzt wird“. Diese Botschaft geht auch „an unsere Freunde in Europa und in der ganzen Welt. Wir wissen, dass Deutschland aufgrund seiner Geschichte eine besondere Verantwortung trägt.“