zum Erfolg der Grünen
: Die politische Marke

Politik gerät zum Marketing. Image und Figuren zählen, Widersprüche stören. Die derzeit beste Marke sind die Grünen.
Von
Guido Bohsem
Berlin
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Guido Bohsem

Thomas Koehler

So sehr sie sich auch mühen, sie werden es nicht schaffen. Jede gute Marke entwickelt ihr Image über Jahre oder Jahrzehnte, so lange jedenfalls, bis den Konsumenten schon bei der Erwähnung sofort auch Botschaft, Bilder und Personen einfallen. In der Politik hat das im Augenblick keiner besser drauf als die Grünen, selbst die AfD kommt da nicht mit.

SPD und Linke müssen einsehen, dass ihr Kernthema „soziale Gerechtigkeit“ nach zehn Jahren Aufschwung nicht zündet, vor allem nicht, wenn man wie die Sozialdemokraten in den zwei Jahrzehnten fast ununterbrochen an der Regierung war. Die FDP war zwischendurch mal eine neue Marke, mitsamt Cowboy in Unterhemd. Doch auch Christian Lindner alleine reicht nicht aus, um dauerhafte Begeisterung auszulösen. Das kann inzwischen nur noch Angela Merkel — und die CDU erlebt gerade, wie schwer es ist, sich von ihrer Ikone zu lösen und eine andere aufzubauen.

Den Grünen gelingt das alles, weil sie sich mit ihrem zentralen Thema gerade im Mainstream befinden. Klimaschutz mag für viele Bundesbürger eine neue Idee sein, die Grünen haben für jeden Aspekt davon schon mindestens zwei Konzepte erarbeitet und wieder verworfen. Die neuen Führungsfiguren Annalena Baerbock und Robert Habeck beherrschen das aktuell wichtigste Thema im Schlaf. Ihnen nutzt zudem der Luxus der langen Opposition. Außerhalb der Regierung kriegt man zwar weniger gewuppt, kann aber widerspruchsfreier formulieren und so das Image besser schärfen. Denn Widersprüche schaden der Marke und irritieren deren Anhänger, die allzu häufig nichts Genaueres mehr wissen wollen, sondern einfach vertrauen — beim Waschen wie beim Wählen.

Was früher hingegen mal ein politischer Erfolg war, geht heute häufig als Niederlage nach Hause, als Verrat an der eigenen Position. Beim Migrationspaket etwa wiegt für viele SPD-­Abgeordnete der Erfolg bei der Einwanderung weniger als das Zugeständnis bei der Ausweisung. Die Konzertierte Aktion in der Pflege wurde — auch von vielen klassischen Medien — vor allem aus taktischer Perspektive beurteilt. Es handelt sich demnach nicht um Politiker, die Missstände zu beheben versuchen, sondern um Politiker, die über die Schwäche des Regierungsbündnisses hinwegtäuschen wollen.

Falls es demnächst zu einer Regierung unter Führung oder Beteiligung der Grünen kommt, werden sie genau dies zu meistern haben. Sie müssen Erfolge laut feiern und Kompromisse demütig ertragen. Alles andere wird die Marke Grün beschädigen und auch diese Partei der Verachtung preisgeben.