zum Sonderparteitag
: Die Zeit als Volkspartei ist für die CSU vorbei

Markus Söder will die CSU umkrempeln. Das muss er auch. Sonst droht der Partei der weitere Abstieg.
Von
Patrick Guyton
München.
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Patrick Guyton

privat

Das haben die Christsozialen gar nicht ausschließlich selbst verschuldet. Was früher als „Volkspartei“ bezeichnet wurde, existiert an vielen Orten und in vielen Ländern Europas nicht mehr. Parteien, die einst gesellschaftlich bindende Kräfte waren, wurden pulverisiert. Dieser Entwicklung kann sich auch die CSU nicht entziehen.

Jenes Bayern, das die Partei über Jahrzehnte mit Absolutheitsanspruch gestaltet hat, ist ihr entglitten. In den Städten haben sich die Bürger längst emanzipiert und vielerorts die Grünen zur stärksten Kraft gemacht. Doch auch auf dem Land gilt nicht mehr der Dreiklang aus Frühschoppen, Kirche, CSU. Gerade dort hat sich der Koalitionspartner Freie Wähler (FW) als bürgerliche Alternative etabliert.

Es ist bitter, das zu sagen — aber die größte Wählergruppe, die zuletzt nicht mehr für die CSU gestimmt hat, ist nicht zu Grünen, Freien Wählern oder AfD abgewandert. Sie ist verstorben. Die CSU ist eine alternde Partei, die auf den Wandel nicht eingegangen ist. „Laptop und Lederhose“ – dieser von Edmund Stoiber fleißig verwendete Slogan ist mittlerweile 20 Jahre alt und klingt genauso verstaubt. Und doch wird er in verschiedensten Modulationen auf jedem Parteitag wieder vorgetragen.

Der neue Vorsitzende und Ministerpräsident Markus Söder weiß das. Er beginnt damit, in der Partei neue Impulse zu setzen. Und er beweist, dass er wandelbar ist, auch in Bezug auf die AfD. Im vergangenen Jahr blinkte er nach rechts, nun bekämpft er die Partei massiv – und das ist anerkennenswert – als Gruppierung, die  nationalistisches, anti–europäisches und fremdenfeindliches Gedankengut verbreitet.

Die einzigartige CSU war einmal. Im Freistaat ist sie zu einer Partei unter mehreren geworden. Das ist gut, denn Wettbewerb belebt die Demokratie.