Union Berlin gegen Neapel
: Trotz Krise – Urs Fischer gibt Spaß-Befehl für Champions League

Union Berlin kämpft weiter gegen die sportliche Krise. Die nächste Chance für ein Erfolgserlebnis – am Dienstagabend in der Champions League gegen den SSC Neapel. Mannschaft und Fans erwartet ein krasser Gegensatz.
Von
Frank Noack
Berlin
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  • Das Lächeln fällt Trainer Urs Fischer in diesen Tagen nicht leicht. Mit Union Berlin trifft er am Dienstag in der Champions League auf den SSC Neapel.

    Das Lächeln fällt Trainer Urs Fischer in diesen Tagen nicht leicht. Mit Union Berlin trifft er am Dienstag in der Champions League auf den SSC Neapel.

    Matthias Koch
  • Rani Khedira (rechts) steht nach seinem Comeback in der Bundesliga gegen den VfB Stuttgart nun vor dem Debüt in der Champions League.

    Rani Khedira (rechts) steht nach seinem Comeback in der Bundesliga gegen den VfB Stuttgart nun vor dem Debüt in der Champions League.

    Andreas Gora/dpa
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Surreal – mit diesem Wort haben Verantwortliche und Spieler des 1. FC Union Berlin oft den sagenhaften Höhenflug in den vergangenen Jahren beschrieben. Und surreal ist im Grunde genommen auch das, was Mannschaft und Fans am Dienstagabend erwartet. Denn ausgerechnet in der größten sportlichen Krise seit dem Bundesliga-Aufstieg 2019 steht mit dem zweiten Heimspiel in der Champions League gegen den italienischen Meister SSC Neapel der nächste Fußball-Feiertag auf dem Programm (Beginn um 21 Uhr).

Das mit 72 062 Zuschauern ausverkaufte Olympiastadion wird erneut in Rot erstrahlen. Gut 3000 Fans reisen aus Italien an. „Wir gehen mit Zuversicht und einer positiven Einstellung in dieses Spiel, auch wenn die Leichtigkeit derzeit nicht da ist“, erklärte Union-Trainer Urs Fischer. Seine wichtigste Vorgabe an die Mannschaft: „Am Ende sollte Fußball auch Spaß machen. Für uns ist es die Chance, in die Spur zurückzufinden.“

Feiertag in der Königsklasse und Abstiegskampf in der Bundesliga, wo die Köpenicker auf Tabellenplatz 15 abgestützt sind – was für ein krasser Gegensatz. Der Kampf um den Klassenerhalt ist längst nicht mehr surreal, sondern ganz real. Und auch in der Champions League benötigen die Eisernen nach dem 0:1 bei Real Madrid und dem 2:3 gegen Sporting Braga endlich den ersten Sieg, um die Chance auf das Überwintern im internationalen Geschäft zu wahren.

Wie ernst die Lage nach vier Jahren des andauernden Höhenfluges plötzlich geworden und die branchenübliche Diskussion um die Zukunft von Trainer Urs Fischer längst in vollem Gange ist, haben natürlich auch die Fans registriert. Sie feierten die Mannschaft nach der 0:3-Niederlage gegen den VfB Stuttgart am Samstag so laut und so emotional wie schon lange nicht mehr. Beim Abschlusstraining am Montagvormittag auf dem Übungsgelände in Köpenick war die Stimmung bei den Spielern ebenfalls auffällig gut. „Wir spielen gegen einen hochinteressanten Gegner. Deshalb muss die Stimmung gut sein, auch wenn die Situation kompliziert ist“, erklärte Rani Khedira.

Der nach einer Verletzung wieder genesene Mittelfeld-Chef saß bei der Pressekonferenz überraschend neben Trainer Urs Fischer auf dem Podium, obwohl eigentlich Robin Gosens für diesen Medientermin avisiert war. Der Hintergrund: Gosens musste sich zu diesem Zeitpunkt auf der Massagebank behandeln lassen. Sein Einsatz am Dienstagabend gegen Neapel ist nicht sicher.

Umso wichtiger ist die Rückkehr von Spielern wie Khedira und Robin Knoche. Beide stehen nach ihrem Comeback gegen Stuttgart nun vor dem Einsatz in der Königsklasse. „Was passiert ist, das ist Vergangenheit. Wir wissen, wo wir den Hebel ansetzen müssen. Und dann werden wir auch wieder zu unserem Spiel zurückfinden und erfolgreich sein“, erklärte Rani Khedira mit dem Selbstbewusstsein eines Routiniers.

Lange Mängelliste bei Union Berlin

Um in die Erfolgsspur zurückzufinden, sind allerdings gleich mehrere Hebel nötig. Denn die Mängelliste der Eisernen ist lang. Hinten kassiert die Mannschaft zu viele Gegentore, vorm fehlt es an Durchschlagskraft und Effizient. Dazu kommen die Personalsorgen. Mit Josip Juranovic und Jerome Roussillon fallen zwei Außenverteidiger weiterhin aus. Fischer will am Dienstagabend zwar „kleine Dinge verändern“, aber „nicht in Aktionismus verfallen und alles über den Haufen werfen“.

Kommt das Champions-League-Heimspiel gegen den SSC Neapel angesichts der ganzen Sorgen trotzdem zur Unzeit, weil eigentlich der Kampf um den Klassenerhalt in der Bundesliga im Vordergrund steht? Die klare Antwort: Jein. Einerseits ist die Bundesliga-Partie am Samstag bei Werder Bremen sicher das wichtigere Spiel in dieser Woche. Andererseits können sich die Eisernen mit einem Erfolgserlebnis gegen Neapel den Rückenwind für das Bremen-Spiel holen.

Manager Oliver Ruhnert sieht es so: „Ich bin ehrlicherweise froh, dass es jetzt erst einmal gegen Neapel geht. Das ist ein Spiel, in dem man eigentlich nur gewinnen kann. Vielleicht braucht die Mannschaft jetzt genau so ein Spiel, denn das Selbstbewusstsein ist derzeit im Keller.“