Fußball Bundesliga
: Entsetzen bei Union Berlin – Diskussion um Elfmeter in Köln

Der 1. FC Union Berlin rutscht in der Fußball-Bundesliga auf den Relegationsrang, es droht sogar der direkte Abstieg. Ein Elfmeter in Köln erhitzt die Gemüter, ein Leistungsträger fällt im Endspiel aus.
Von
Jan Lehmann
Köln
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1. FC Köln — 1. FC Union Berlin

Niederlage in der Nachspielzeit: Durch das Gegentor zum 2:3 durch Damian Downs rutscht der 1. FC Union Berlin in der Bundesliga auf den Relegationsrang. Nun gibt es am letzten Spieltag ein Fernduell mit dem 1. FC Köln. Dabei haben die Unioner viele Sorgen vor dem Spiel gegen den SC Freiburg.

Federico Gambarini/dpa

Während die 5000 Fans der Eisernen auf der Heimreise im Sonderzug bereits die Fahrtroute für ein mögliches Relegationsspiel gegen den derzeitigen Zweitliga-Dritten Fortuna Düsseldorf diskutierten, müssen die Unioner sogar den direkten Absturz in die Zweitklassigkeit befürchten. Weil sich der FSV Mainz am Samstagabend überraschend deutlich mit 3:0 gegen eine Dortmunder B-Elf durchsetzte, rutschen die Köpenicker auf den Relegationsrang und haben nur drei Punkte Vorsprung vor dem 1. FC Köln.

Die Konstellation ist aus Berliner Sicht gefährlich: Sollte der 1. FC Union am kommenden Samstag im Heimspiel gegen den SC Freiburg verlieren und Köln zeitgleich beim 1. FC Heidenheim mit drei Toren Unterschied gewinnen, würde das den Abstieg nach fünf Jahren Fußball-Bundesliga bedeuten.

Für Köln ist diese Ausgangsposition ein Geschenk, wie es die Rheinländer nach den späten Toren durch Steffen Tigges (87.) und Damian Downs (90.+3) formulierten. Trainer Timo Schultz frohlockte: „Darauf haben wir in den vergangenen Wochen hingearbeitet. Dieses Spiel wollten wir haben.“

Stürmerfoul beim Elfmeterpfiff gegen Union Berlin?

Unions Interimstrainer Marco Grote indes musste erklärten, wieso seine Mannschaft nach der 2:0-Führung durch die Tore von Robin Knoche (15.) und Kevin Volland (19./Foulelfmeter) die damit fast schon abgestiegenen Kölner überhaupt wieder ins Spiel brachten. Man habe keinen Balldruck mehr bekommen, sei immer passiver geworden, so Grote. Dass der Energie-Schub, den er am Freitag mit einer bemerkenswerten Pressekonferenz der Mannschaft und den Fans verpasst hatte, bereits nach einer Halbzeit wieder verpufft sei, wollte er indes nicht gelten lassen.

Stattdessen suchte der Coach nach eigenen Angaben gleich dreimal das Gespräch mit Schiedsrichter Deniz Aytekin, um mit ihm über den Foulelfmeter in der 45. Minute zu diskutieren. Rani Khedira hatte im Strafraum den Kölner Timo Hübers geklammert, war dann aber selbst rüde weggeblockt worden. Bei „Sky“ sah TV-Experte Dietmar Hamann in dieser Szene ein Stürmerfoul.

Kölns Trainer Schultz indes fragte: „Muss ich einen Gegner im Sechszehner halten?“ Vermutlich nicht, Kölns Florian Kainz traf direkt vor der Pause zum Anschlusstor. Der Ex-Unioner Dominque Heintz formulierte bildlich: „Da hat uns der Fußballgott nochmal einen Strohhalm hingehalten und wir haben uns fest daran geklammert.“

Leistungsträger fehlt Union Berlin im letzten Bundesliga-Spiel

Bitter für Khedira: Er sah in dieser Szene auch noch seine fünfte Gelbe Karte und wird damit im entscheidenden Spiel gegen Freiburg gesperrt fehlen. Für die Unioner ist diese Niederlage auch deshalb ein schwerer Schlag, weil Grotes Ideen auf dem Spielfeld nur spärlich funktionierten. Später wurde viel darüber diskutiert, warum er beispielsweise den schnellen Yorbe Vertessen trotz des Spielstands nicht für die Kontersituationen brachte. Der stattdessen eingewechselte Chris Bedia konnte keinerlei Akzente setzen.

Grote sprach später von „Flickschusterei“, die er von der Außenlinie betreiben musste und begründete das mit dem Verletzungspech. Der angeschlagene Kevin Vogt war gar nicht erst mit nach Köln gereist. Khedira musste in der Halbzeit mit Wadenproblemen ausgewechselt werden, später fiel auch noch Jerome Roussillon verletzt aus.

Union gegen Freiburg: Klassenerhalt, Relegation oder Abstieg?

Christopher Trimmel hatte ebenfalls Probleme signalisiert. Der Kapitän versuchte in Worte zu fassen, was in der zweiten Halbzeit passiert ist: „Wir haben die wichtigen Duelle verloren und unsere Kontermöglichkeiten nicht gut genau ausgespielt. Aber wir hatten trotzdem vieles noch im Griff. Ich weiß nicht, warum man dann so wegbrechen kann.“  Der 37-Jährige schüttelte enttäuscht den Kopf: „Das Spiel passt zu der Saison. Wir waren nie konstant genug – es gab immer wieder Phasen, die nicht gut waren. Das war heute genauso.“

Nun haben die Berliner am Samstag gegen Freiburg ein echtes Endspiel um den Liga-Verbleib. Interimscoach Grote warf trotz der spürbaren Enttäuschung schon kurz nach Spielende wieder seine Motivationsmaschine an: „Das ist eine tolle Gruppe, sie hat Qualität. Es geht darum, sich jetzt wiederaufzurichten.“ Dafür haben er und sein Trainerteam jetzt nur wenig Zeit. Das erste Training ist voraussichtlich für Dienstag angesetzt.

Tabelle der Fußball-Bundesliga