Union Berlin: Bonucci mit starkem Debüt – Rätsel um Fitnesszustand des Stars
Seit Mittwochabend steht Leonardo Bonucci endlich in der offiziellen Spielstatistik des 1. FC Union Berlin. Der neue Star der Eisernen aus Köpenick feierte in der Champions-League-Partie bei Real Madrid (0:1) sein Debüt, auch wenn die Kraft des 36 Jahre alten Italieners noch nicht für die kompletten 90 Minuten reichte. Das bittere Gegentor in der Nachspielzeit durch Jude Bellingham erlebte Bonucci von der Bank aus.
Und dort wäre unter normalen Umständen sicher auch sein Platz, wenn der Union Berlin am Samstag in der Fußball-Bundesliga auf die TSG Hoffenheim trifft (15.30 Uhr, Stadion An der Alten Försterei). Denn so sehr die Stärken von Leonardo Bonucci gleich auf Anhieb sichtbar waren – so groß ist auch das Fragezeichen hinter seinem aktuellen Fitnesszustand. Ist der Europameister von 2021 nicht einmal 72 Stunden nach dem Kraftakt im Bernabeu-Stadion schon wieder bereit für die nächste Herausforderung in der Bundesliga?
Auch Trainer Urs Fischer konnte diese Frage unmittelbar nach dem Abpfiff in Madrid nicht beantworten. „Es gab ein Zeichen von Leo, dass die Muskulatur zugemacht hat. Wir wussten, dass es wahrscheinlich nicht für 90 Minuten reichen wird“, sagte Fischer. Neben dem Kräfteverschleiß in Madrid kommt hinzu, dass Bonucci vor drei Wochen praktisch ohne Sommervorbereitung nach Köpenick kam und sich dementsprechend die Spielfitness erst noch erarbeiten muss.
Dabei erlebten die Union-Fans am Mittwochabend im Bernabeu-Stadion durchaus schon den typischen Bonucci. Das bedeutet: Der Italiener löste viele knifflige Situationen mit Auge und mit seiner Erfahrung aus 121 Länderspielen. Der Schnellste und Laufstärkste war er noch nie. Und das wird sich im reifen Fußballalter auch nicht mehr ändern. Aber seine Ruhe und Übersicht in der Spieleröffnung taten den Gästen bei ihrer Premiere in der Königsklasse gut.
Allein die Anwesenheit von Bonucci in der furchteinflößenden Riesen-Schüssel des Bernabeu ließ bei so manchem Mitspieler die Brust ein Stück breiter werden. „Er hat die gewünschte Erfahrung in die letzte Kette hereingebracht. Danilho Doekhi und Diogo Leite sind zwei noch sehr junge Verteidiger. Weil Robin Knoche nicht zur Verfügung stand, war es der Moment, ihn ins kalte Wasser zu werfen“, erklärte Trainer Urs Fischer.
Lob für Leonardo Bonucci
Auch von den Mitspielern gab es viel Lob für den Neuzugang mit der größten Champions-League-Erfahrung im Team. „Wenn du nicht weißt, wohin mit dem Ball – er hat immer eine Lösung. Das Gefühl gibt er auch an die Mitspieler weiter. Er hat eine Topleistung gebracht“, befand Frederik Rönnow. Der Torhüter bildete gemeinsam mit Bonucci die eiserne Leuchtturm-Fraktion inmitten des Dauerdrucks von Real Madrid. Beide hatten großen Anteil daran, dass die Partie zumindest vom Ergebnis her so lange offenblieb. Stürmer Kevin Behrens meinte: „Was Leo für eine Ruhe ausstrahlt, ist schon beeindruckend. Ein Top-Typ mit Top-Qualität. Er hat versucht, das Aufbauspiel an sich zu reißen und sehr viel kommuniziert. Er hat ein sehr gutes Spiel gemacht und wird uns auf jeden Fall weiterhelfen.“
In der Tat dirigierte Bonucci lautstark seine Mitspieler und schob sie auf dem Rasen wie Schachfiguren hin und her. Kurzum: Die Lücke, die durch das Fehlen des ansonsten in der Defensive omnipräsenten Robin Knoche kurzfristig entstanden war, fiel letztlich überschaubar aus.
Das Problem am starken Comeback von Leonardo Bonucci ist, dass Union Berlin in der aktuellen Situation eigentlich Woche für Woche eine solche Qualität im Zentrum der Dreierkette benötigt. Klar, Madrid war ein Highlight-Spiel. Aber auch der Bundesliga-Alltag ist und bleibt anspruchsvoll. Immerhin bedeutete das 0:1 bei Real Madrid schon die dritte Pflichtspiel-Niederlage in Folge. In Madrid gab es zwar zu Recht viel Lob für die Mannschaft – gegen Hoffenheim müssen nun aber wieder mal Punkte her.
Weil Robin Knoche weiterhin ausfällt, ist also am Samstag schon wieder einen Leonardo Bonucci in Topform gefragt. „Wir werden uns austauschen, wie er sich fühlt. Wir hoffen, dass wir ihn fit bekommen“, kündigte Trainer Urs Fischer mit Blick auf das mögliche Heimdebüt des namhaften Neuzugangs im Stadion An der Alten Försterei an. Ein solches Heimspiel mit dem 1. FC Union fehlt Bonucci derzeit ohnehin noch in seiner persönlichen Statistik.



