Union Berlin
: „Albtraum“ gegen Real Madrid – darum kamen nicht alle Fans ins Bernabeu-Stadion

Einige Fans des 1. FC Union Berlin verzichteten am Mittwoch trotz gültiger Eintrittskarte auf den Stadionbesuch bei Real Madrid. Die Vorfälle am Einlass sorgten für Frust in der Fanszene.
Von
Frank Noack,
Jan Lehmann
Madrid
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Vor dem Spiel von Union Berlin und Real Madrid hatten einige Anhänger aus Köpenick Ärger mit der spanischen Polizei. Aus Protest verzichteten nach Angaben des Fußball-Bundesligisten rund 300 Angehörige der organisierten Fan-Szene darauf, trotz Ticket ins Estadio Santiago Bernabéu zu gehen.

Diego Radamés/dpa

Der 1. FC Union Berlin verliert durch ein bitteres Gegentor in der Nachspielzeit bei Real Madrid im Bernabeu-Stadion. Und für einige Anhänger des Köpenicker Bundesligisten wird das Debüt in der Champions League nicht nur wegen des späten Gegentreffers durch Jude Bellingham (90.+4) in schlechter Erinnerung bleiben.

Schon während des Spiels im mit 75.000 Zuschauern gefüllten Bernabeu-Stadion hatte es Verwunderung über einen zeitweisen Stimmungsboykott der aktiven Fanszene des 1. FC Union Berlin gegeben. 4000 Union-Anhänger hatten die Tickets für den Gästeblock ergattert. Laut Vereinsangaben hatte es 15.000 Anfragen für Eintrittskarten für das erste Spiel der Köpenicker in der Champions League gegeben.

Update: Der 1. FC Union Berlin muss die Niederlage bei Real Madrid ziemlich teuer bezahlen. Es gibt einige angeschlagene Spieler und das nächste Spiel in der Bundesliga gegen 1899 Hoffenheim steht bevor. Hier gibt es alle aktuellen Informationen.

Horrende Preise auf dem Schwarzmarkt

Viele Unioner hatten die Mannschaft auch ohne Karten nach Madrid begleitet. Auf dem Schwarzmarkt wurden Tickets dann für horrende Preise um 400 Euro angeboten. Dass dann die Fanszene ausgerechnet in diesem historischen Spiel vorerst auf eine Unterstützung ihrer Mannschaft verzichtet hatte und 300 Anhänger trotz gültiger Tickets den Stadionbesuch sogar komplett absagten, kam überraschend.

Pressechef Christian Arbeit erklärte auf die Frage, warum einige Fans erst mit Verzögerung ins Stadion kamen: „Es hatte mit sehr gründlichen Einlasskontrollen zu tun. Und mit dem Wunsch, bestimmte Dinge, die bei uns ganz normal sind und zur Fußballkultur dazugehören, mit ins Stadion zu nehmen. Diese Dinge sind hier aber von der Polizei untersagt. Deshalb haben die Einlasskontrollen relativ lange gedauert.“

Lob für die Union-Fans von Kevin Behrens

Nach MOZ-Informationen handelte es sich dabei um Zaunfahnen, Banner und auch Trommeln. Deren Mitnahme ins Stadion scheiterte dem Vernehmen nach nicht am Sicherheitskonzept von Real Madrid sowie des europäischen Verbandes Uefa, sondern wurde durch die Polizei untersagt. In der Bundesliga seien diese Dinge erlaubt, hieß es.

Inwieweit es am Einlass zu Auseinandersetzungen kam, muss nun noch aufgearbeitet werden. Die spanische Zeitung „As“ formulierte: „Ein Traum, der für mehr als hundert Fans der Berliner zum Albtraum wurde.“

Via „X“ schrieb die „EiserneHilfe“, eine Solidargemeinschaft unter Union-Fans: „Allen Fans des @fcunion, die in #Madrid Schikanen erlebt und/oder Verletzungen jeder Art erlitten haben, bitten wir ein Protokoll anzufertigen und zum Arzt zu gehen.“ In einem weiteren Post ist die Rede von Polizeigewalt in einer Kneipe. Dabei sei es zu „gebrochenen Gliedmaßen bei einer Person“ gekommen.

Während des Spiels hatten viele Berliner Anhänger dennoch für ein lautstarkes Debüt ihres Vereins in der Königsklasse gesorgt. Zeitweise waren die „Eisern Union“-Sprechchöre deutlich lauter als „Hala Madrid“ zu vernehmen.

Union-Profi Kevin Behrens schwärmte: „Es war ein überragender Support. Als wir vom Hotel ins Stadion gefahren sind, haben wir viele Fans gesehen und das ,Eisern Union‘ gehört. Das ist einfach brutal geil. Das zeichnet den Verein und unsere Fans aus.“

Trainer Urs Fischer gab zu: „Ich konnte die Stimmung gar nicht genießen, weil ich während des Spiels im Tunnel war. Aber wenn man die Hymne hört, weißt du, dass du wirklich in der Champions League spielst. Und dann noch bei Real Madrid – viel mehr geht nicht.“

1. FC Union Berlin – die Fußball-Bundesliga

1. FC Union Berlin – der DFB-Pokal

1. FC Union Berlin – die Champions League

  • Mittwoch, 20. September 2023: Real Madrid – 1. FC Union Berlin 1:0 (0:0)
  • 1. FC Union Berlin – SC Braga; Dienstag, 3. Oktober 2023, 18:45 Uhr
  • 1. FC Union Berlin – SSC Neapel; Dienstag, 24. Oktober 2023, 21:00 Uhr
  • SSC Neapel – 1. FC Union Berlin; Mittwoch, 08.11.2023, 18:45 Uhr
  • SC Braga – 1. FC Union Berlin; Mittwoch, 29. November 2023, 21:00 Uhr
  • 1. FC Union Berlin – Real Madrid; Dienstag, 12. Dezember 2023, 21:00 Uhr

Neuzugänge beim 1. FC Union Berlin

Abgänge beim 1. FC Union Berlin

Sven Michel (32, FC Augsburg)

Paul Seguin (28, FC Schalke 04)

Jamie Leweling (22, VfB Stuttgart, Leihe)

Rick van Drongelen (24, Samsunspor, Türkei)

Levin Öztunali (27, Hamburger SV)

Kevin Möhwald (29, KAS Eupen, Belgien)

Tim Maciejewski (22, SV Sandhausen)

Morten Thorsby (27, Genua CFC, Italien, Leihe)

Tymoteusz Puchacz (24, 1. FC Kaiserslautern, Leihe)

Lennart Grill (24, VfL Osnabrück, Leihe)

Niko Gießelmann (31, vereinslos)

Timo Baumgartl (27, FC Schalke 04)

Milos Pantovic (27, KAS Eupen, Belgien)

Dominique Heintz (30, 1. FC Köln)

Tim Skarke (26, SV Darmstadt, Leihe)

Jordan Siebatcheu (27, Borussia Mönchengladbach, Leihe)

Malick Sanogo (19, 1. FC Nürnberg)