Champions League
: Union Berlin verliert in Madrid in letzter Sekunde – Boykott der Fans

Union Berlin verliert in der Nachspielzeit bei Real Madrid. Die Berliner Fans erleben einen historischen Tag im Bernabeu-Stadion. Am Einlass gab es aber Ärger – und auf den Rängen einen Boykott.
Von
Frank Noack
Madrid
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  • Kevin Behrens hatte für Union Berlin die erste Chance des Spiels. Dann hatte es der Angreifer allerdings schwer, sich gegen Real Madrid durchzusetzen.

    Kevin Behrens hatte für Union Berlin die erste Chance des Spiels. Dann hatte es der Angreifer allerdings schwer, sich gegen Real Madrid durchzusetzen.

    Manu Fernandez/dpa
  • Union-Torhüter Frederik Rönnow geriet in der zweiten Halbzeit immer mehr ins Blickfeld – der Druck von Real Madrid wurde größer.

    Union-Torhüter Frederik Rönnow geriet in der zweiten Halbzeit immer mehr ins Blickfeld – der Druck von Real Madrid wurde größer.

    Manu Fernandez/dpa
  • 4000 Fans von Union Berlin waren im Gästeblock dabei, um ihre Mannschaft beim Debüt in der Champions League zu unterstützen. Anfangs gab es allerdings einen Stimmungsboykott der aktiven Fanszene. Am Einlass hatte es Probleme gegeben.

    4000 Fans von Union Berlin waren im Gästeblock dabei, um ihre Mannschaft beim Debüt in der Champions League zu unterstützen. Anfangs gab es allerdings einen Stimmungsboykott der aktiven Fanszene. Am Einlass hatte es Probleme gegeben.

    Matthias Koch
  • Sheraldo Becker führte den 1. FC Union Berlin als Kapitän ins erste Spiel der Vereinsgeschichte in der Champions League. Am Mittwoch wehrten der Union-Angreifer und seine Teamkollegen gegen die Weltstars von Real Madrid.

    Sheraldo Becker führte den 1. FC Union Berlin als Kapitän ins erste Spiel der Vereinsgeschichte in der Champions League. Am Mittwoch wehrten der Union-Angreifer und seine Teamkollegen gegen die Weltstars von Real Madrid.

    Matthias Koch
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Der 1. FC Union Berlin hat ein bemerkenswertes Debüt in der Champions League erlebt – aber in letzter Sekunde einen möglichen Punktgewinn gegen Real Madrid aus den Händen gegeben. Am Mittwochabend verlor die Mannschaft von Trainer Urs Fischer beim Rekordgewinner mit 0:1 (0:0). Jude Bellingham erzielte das späte Siegtor (90.+4) für die lange Zeit deutlich überlegenen Gastgeber.

Torhüter Frederik Rönnow war der beste Unioner und konstatierte nach dem Spiel: „Jetzt bin ich ein bisschen traurig. Aber wir können auch stolz sein.“

In der Gruppe C spielten am späten Mittwochabend noch die beiden anderen Union-Gegner Sporting Braga und SSC Neapel gegeneinander.

Jude Bellingham jubelte erleichtert nach seinem Siegtreffer für Real Madrid in der vierten Minute der Nachspielzeit.

Manu Fernandez/dpa

Bonucci in der Startelf von Union Berlin

Der ganze Tag in Madrid war für die Fans von Union Berlin schon ein riesiges Erlebnis gewesen – zwischenzeitlich tauchten sie die Altstadt von Madrid in Köpenicker Rot. Am Abend im Bernabeu-Stadion schlug der eiserne Puls dann ganz hoch – wohl auch bei vielen Union-Profis. Geschäftsführer Oliver Ruhnert betonte bei DAZN vor dem Spiel: „Es sind 75.000 Zuschauer im Stadion. Es ist Champions League, die Hymne wird gespielt. Für viele Spiele ist das neu. Das komplett auszublenden, wird nicht gelingen. Deshalb müssen wir schnell reinkommen in Spiel.“

Dafür hatte Trainer Urs Fischer mit Leonardo Bonucci den italienischen Europameister erstmals in der Startelf aufgeboten – der Last-Minute-Neuzugang ersetzte den verletzten Robin Knoche. Trainer Fischer erklärte, warum er sich für den 36-Jährigen entschieden hatte: „Es ist wichtig, dass wir auch Erfahrung auf dem Platz haben.“ Er machte seinem Team Mut: „Man sollte nicht zu viel staunen. Heute musst du dir einiges zutrauen“, so Fischer.

Kroos bei Real Madrid auf der Bank

Es dauerte nur 41 Sekunden, ehe Union dann im Bernabeu das erste Zeichen setzte: Lucas Tousart – auch er gab sein Startelf-Debüt bei Union – holte sich für ein taktische Foul die Gelbe Karte. Und bereits in dritten Minute die erste Chance für die Eisernen: Sheraldo Becker legte quer auf Kevin Behrens, der im Fünf-Meter-Raum nicht richtig an den Ball kam.

Ein mutiges Hallo von Union Berlin beim ersten Auftritt in der Königsklasse. Danach kam Real mit mehr Nachdruck ins Spiel. Angesichts des bevorstehenden Stadtderbys am Sonntag gegen Atletico Madrid hatte Carlo Ancelotti im Team ein bisschen rotiert. So saß beispielsweise Toni Kroos nur auf der Ersatzbank. Sein Bruder Felix war als ehemaliger Union-Spieler mit der Berliner Delegation nach Madrid gereist.

Union musste sich nun dem Offensivspiel der „Königlichen“ erwehren – dabei war der Ex-Dortmunder Jude Bellingham der auffälligste Real-Spieler.

Boykott der Fans von Union Berlin

Allerdings: Die ganz großen Chancen erspielten sich die Gastgeber vorerst nicht. Union hingegen bekam nach einer knappen halben Stunde zusätzliche Unterstützung. Die aktive Fanszene der Berliner hatte anfangs noch geschwiegen, weil es nach einem friedlichen Fußballfest in der Innenstadt am Einlass zum Stadion offenbar Probleme wegen einer Zaunfahne gegeben hatte. Als die Fangruppierungen dann mit ihrer Unterstützung begannen, wurde es richtig laut im umgebauten Bernabeu.

Knapp 4000 Tickets waren für den Gästeblock verkauft worden – die Berliner waren in der dritten und vierten Etage hinter dem Tor platziert. Zudem gab es noch eine auffällige rote Zuschaueransammlung hinter der Eckfahne. Dort hatten sich offenbar Berliner Fans mit Eintrittskarten aus dem Heimbereich versorgt. Ein starker Berliner Auftritt des zwischenzeitlichen Boykotts. „Eisern Union“-Schlachtrufe erfüllten die Arena, die für 900 Millionen Euro umgebaut wurde.

Torhüter Rönnow und der Pfosten retten

Der Bau ist noch nicht ganz abgeschlossen, im Dezember soll es die feierliche Eröffnung geben. Am Mittwoch wurden vor dem Spiel noch am Stadion die Bauzäune hin- und hergeschoben. Während der 90 Minuten sollten dann die beiden Berliner Ketten in der Abwehr und im Mittelfeld das eigene Tor ähnlich flexibel abschirmen. In der ersten Halbzeit gelang das gut, allerdings gab es für die Berliner offensiv nur wenig Entlastung.

Nach dem Wechsel hatte Robin Gosens zwar erneut den ersten Abschluss für Union (48.), dann aber drehte Real angeführt von Altstar Luka Modric richtig auf. Union-Keeper Frederik Rönnow rettete gegen Rodrygo (51.), beim Nachschuss half ihm der Torpfosten.

Viel Glück für Union Berlin – und dann Pech

In der 63. Minute lenkte Rönnow dann einen Kopfball von Joselu an den Pfosten und geriet somit immer mehr ins Blickfeld.

In der 63. Minute lenkte Rönnow dann einen Kopfball von Joselu an den Pfosten und geriet immer mehr ins Blickfeld. Er rettete gegen Modric (68.) und musste später zusehen, wie Joselu nur haarscharf am Pfosten vorbeizielte (82.).

Union hatte in der Schlussphase lange Zeit Debütanten-Glück. Real Madrid verzweifelte an der Chancenverwertung – bis zur vierten Minute der Nachspielzeit: Bellingham machte die Berliner Hoffnung auf einen königlichen Punkt zunichte – der Ball flipperte nach einer kurz ausgeführten Ecke durch den Strafraum dem Torschützen direkt vor die Füße. Das Ende war bitter, aber das Erlebnis Bernabeu ist dem 1. FC Union und seinen Fans trotzdem nicht mehr zu nehmen.

Stimmen zum Spiel Real Madrid gegen Union Berlin

Urs Fischer (Trainer Union Berlin): „Wir sind natürlich enttäuscht, weil eine Minute gefehlt hat, um einen Punkt aus Madrid mitzunehmen. Wir sind aber auch stolz auf die Leistung der Mannschaft. Wir haben alles aufgewendet, was möglich ist. Wir hatten natürlich auch das nötige Fußballglück. Aber am Schluss ist Fußball immer gerecht. Real ist der verdiente Sieger.“

Frederik Rönnow (Union Berlin): „Es ist ganz bitter für die ganze Mannschaft. Ich finde, wir haben eine sehr starke Leistung gebracht. Wir waren phasenweise sehr gut dran, hatten aber auch zu einfache Ballverluste. Aber so ein Gegentor ist ein bisschen traurig. Das sind bittere Gefühle. Wir haben mit Mut und Selbstvertrauen gespielt, aber natürlich braucht man auch ein bisschen Glück.“

Kevin Behrens (Union Berlin): „Wir sind natürlich extrem enttäuscht, dass wir hier so ein gutes Spiel gemacht und am Ende verloren haben. Aber wir sind auch irgendwie stolz, dass wir so mithalten konnten – auch wenn wir jetzt nicht die großen Chancen hatten. Insgesamt als Mannschaft hätten wir nach der Balleroberung mehr Ruhe haben müssen, eine einfachere und klarere Lösung finden. Das ist uns leider im Kollektiv leider nicht gelungen. Das müssen wir uns ankreiden.“

1. FC Union Berlin – die Fußball-Bundesliga

1. FC Union Berlin – der DFB-Pokal

1. FC Union Berlin – die Champions League

  • Mittwoch, 20. September 2023: Real Madrid – 1. FC Union Berlin 1:0 (0:0)
  • 1. FC Union Berlin – SC Braga; Dienstag, 3. Oktober 2023, 18:45 Uhr
  • 1. FC Union Berlin – SSC Neapel; Dienstag, 24. Oktober 2023, 21:00 Uhr
  • SSC Neapel – 1. FC Union Berlin; Mittwoch, 08.11.2023, 18:45 Uhr
  • SC Braga – 1. FC Union Berlin; Mittwoch, 29. November 2023, 21:00 Uhr
  • 1. FC Union Berlin – Real Madrid; Dienstag, 12. Dezember 2023, 21:00 Uhr

Neuzugänge beim 1. FC Union Berlin

Abgänge beim 1. FC Union Berlin

  • Sven Michel (32, FC Augsburg)
  • Paul Seguin (28, FC Schalke 04)
  • Jamie Leweling (22, VfB Stuttgart, Leihe)
  • Rick van Drongelen (24, Samsunspor, Türkei)
  • Levin Öztunali (27, Hamburger SV)
  • Kevin Möhwald (29, KAS Eupen, Belgien)
  • Tim Maciejewski (22, SV Sandhausen)
  • Morten Thorsby (27, Genua CFC, Italien, Leihe)
  • Tymoteusz Puchacz (24, 1. FC Kaiserslautern, Leihe)
  • Lennart Grill (24, VfL Osnabrück, Leihe)
  • Niko Gießelmann (31, vereinslos)
  • Timo Baumgartl (27, FC Schalke 04)
  • Milos Pantovic (27, KAS Eupen, Belgien)
  • Dominique Heintz (30, 1. FC Köln)
  • Tim Skarke (26, SV Darmstadt, Leihe)
  • Jordan Siebatcheu (27, Borussia Mönchengladbach, Leihe)
  • Malick Sanogo (19, 1. FC Nürnberg)