Union Berlin in Madrid: Schmerzen und Stolz – diese Spieler sind angeschlagen

Alex Kral (Mitte) bekam einen schmerzhaften Schlag ab. Der Mittelfeldspieler von Union Berlin musste im Champions-League-Spiel gegen Real Madrid zweimal behandelt werden.
Eibner-Pressefoto/Joerg NiebergaWas für eine emotionale Champions-League-Premiere des 1. FC Union! Was für ein bitterer Last-Minute-K.-o. bei der 0:1-Niederlage gegen Real Madrid! Trainer Urs Fischer schaute anschließend stolz, aber auch pragmatisch auf die nächste Aufgabe in der Fußball-Bundesliga am Samstag gegen die TSG Hoffenheim (15.30 Uhr) voraus.
„Es tut weh, weil wir nichts in den Händen haben“, sagte Fischer mit Blick auf das Abstaubertor des Ex-Dortmunders Jude Bellingham in der Nachspielzeit: „Wir sind enttäuscht, weil eine Minute gefehlt hat, um einen Punkt aus Madrid mitzunehmen. Wir sind aber auch stolz auf die Leistung der Mannschaft. Wenn wir mit etwas Abstand draufschauen, dann wird uns auch dieses Spiel helfen. Mund abwischen und versuchen, die Lehren mitzunehmen.“
Die wichtigste Lehre lautete: Der 1. FC Union verpasste vor über 80 000 Zuschauern im Bernabeu-Stadion bei seinem Champions-League-Debüt nur knapp die große Sensation. Die Eisernen nervten mit ihrer aufopferungsvollen Abwehrarbeit den 14fachen-Gewinner der europäischen Königsklasse mehr als 90 Minuten lang sehr erfolgreich, auch wenn bei den zahlreichen Chancen der Gastgeber laut Fischer auch „das nötige Fußballglück“ dabei war.
Es stellt sich jedoch ebenfalls die Frage: Wie teuer haben die Köpenicker diese Fast-Sensation bezahlt? Wie gut können die Spieler die kraftraubende Partie wegstecken? Als die Mannschaft nach dem Schlusspfiff vor der Fankurve im Bernabeu-Stadion stand, wirkten die Spieler müde und natürlich enttäuscht. Selbst das Heben der Hände sowie das Beifall klatschen für die rund 4000 Anhänger fiel schwer. „Wir sind viel gelaufen, haben viel gearbeitet und alles reingeschmissen. Natürlich haben die Kräfte vielleicht ein bisschen nachgelassen“, räumte Stürmer Kevin Behrens ein.
Dazu kommen diverse Blessuren und Krämpfe, deren Auswirkungen auf das Hoffenheim-Spiel am Samstag sich derzeit noch nicht abschätzen lassen. Zumal wichtige Leistungsträger weiterhin im Kader fehlen. Genau wie der gesperrte Janik Haberer waren die verletzten Rani Khedira und Robin Knoche gegen Real Madrid nur als Zuschauer auf der Tribüne dabei. Khedira wird wohl erst im Oktober ins Team zurückkehren. Auch für Knoche reicht es gegen Hoffenheim noch nicht, sagte Fischer in Madrid.
Einen schmerzhaften Abend erlebte vor allem Alex Kral. Er bekam einen Schlag auf den Zeh und sorgte damit schon in der ersten Halbzeit für eine Schrecksekunde. Denn aktuell gibt es im defensiven Mittelfeld praktisch keine Alternative. Wenn nach Khedira auch noch Kral ausfallen sollte, hätte Fischer ein handfestes Problem in diesem Bereich. „Wir waren während des Spiels immer im Austausch, er hat den Daumen nach oben gezeigt. Durch das Adrenalin vergisst man die Schmerzen“, erklärte der Union-Trainer. Alex Kral musste während des Spiels zweimal behandelt werden, kämpfte sich aber durch diese schmerzhaften 90 Minuten. Und auch am Samstag wird der Tscheche wieder dringend gebraucht.
Starkes Debüt von Leonardo Bonucci
Leonardo Bonucci hatte ebenfalls viel Kraft auf dem Rasen des Bernabeu-Stadions gelassen. Der Neuzugang kam wegen der Verletzung von Robin Knoche recht kurzfristig zu seinem Debüt im Trikot der Eisernen. Der Europameister aus Italien dirigierte seine Mitspieler, ordnete die Defensive und blockte mit viel Übersicht und letztem Einsatz den einen oder anderen Schuss ab – so lange die Kräfte reichten.
Nach 80 Minuten war der Tank dann leer. Mitten in der heißen Schlussphase mussten die Eisernen ihre Dreierkette neu ordnen – Paul Jaeckel ersetzte Bonucci, Danilho Doekhi rückte ins Zentrum. „Wir wussten, dass es wahrscheinlich nicht für 90 Minuten reichen wird. Es gab das Zeichen von Leo, dass die Muskulatur zugemacht hat. Aber, was er bis in der Spieleröffnung und beim Antizipieren von Situationen dahin gezeigt hat – das war sehr gut“, lobte Trainer Urs Fischer.
Ob die Kraft von Leonardo Bonucci schon wieder für zwei Spiele pro Woche reicht, wird sich jetzt zeigen. Der 36-jährige Italien kam erst vor drei Wochen nach Berlin-Köpenick. Und er hatte keine reguläre Sommervorbereitung, weil sein Ex-Verein Juventus Turin nicht mehr auf ihn setzte. „Wir werden uns austauschen, wie er sich fühlt. Wir hoffen, dass wir ihn fit bekommen“, meinte Fischer. In jedem Fall hat Bonucci in Madrid auf Anhieb bewiesen, dass er mit seiner Erfahrung aus 121 Länderspielen eine wichtige Stütze der Defensive ist.
Union Berlin spielt gegen Hoffenheim
Doch die Zeit bis zum Bundesliga-Spiel am Samstag ist knapp. Nicht einmal drei komplette Tage liegen zwischen Madrid und Hoffenheim. Nach der Rückkehr der Mannschaft nach Berlin am Donnerstagmittag wird es deshalb in erster Linie darum gehen, die müden Muskeln sowie alle Blessuren einigermaßen in den Griff zu bekommen. Auch für Lucas Tousart und Sheraldo Becker – beide sind nach ihren Verletzungen gerade erst wieder fit geworden und spielten in Madrid rund 80 Minuten.
„Es gilt jetzt, bestmöglich zur regenerieren und dann wieder elf Spieler auf den Platz zu bekommen, die alles geben“, kündigte Fischer an. Und es gibt ja auch noch eine gute Nachricht: Der in Madrid wegen einer Sperre fehlende Janik Haberer konnte seine Kräfte schonen und dürfte damit ein heißer Kandidat für die Startelf gegen Hoffenheim sein.
1. FC Union Berlin – die Fußball-Bundesliga
- 16. September 2023: VfL Wolfsburg – Union Berlin 2:1 (2:1)
- 3. September 2023: Union Berlin – RB Leipzig 0:3 (0:0)
- 26. August 2023: SV Darmstadt – Union Berlin 1:4 (1:3)
- 20. August 2023: Union Berlin – FSV Mainz 4:1 (2:0)
1. FC Union Berlin – der DFB-Pokal
- 1. Runde, 13. August 2023: FC-Astoria Walldorf – Union Berlin 0:4 (0:3)
- 2. Runde: Die Auslosung findet am 1. Oktober 2023 im Fußballmuseum in Dortmund statt.
1. FC Union Berlin – die Champions League
- Mittwoch, 20. September 2023: Real Madrid – 1. FC Union Berlin 1:0 (0:0)
- 1. FC Union Berlin – SC Braga; Dienstag, 3. Oktober 2023, 18:45 Uhr
- 1. FC Union Berlin – SSC Neapel; Dienstag, 24. Oktober 2023, 21:00 Uhr
- SSC Neapel – 1. FC Union Berlin; Mittwoch, 08.11.2023, 18:45 Uhr
- SC Braga – 1. FC Union Berlin; Mittwoch, 29. November 2023, 21:00 Uhr
- 1. FC Union Berlin – Real Madrid; Dienstag, 12. Dezember 2023, 21:00 Uhr
Neuzugänge beim 1. FC Union Berlin
- Robin Gosens (29, Inter Mailand)
- Kevin Volland (31, AS Monaco)
- Lucas Tousart (26, Hertha BSC)
- Mikkel Kaufmann (22, FC Kopenhagen)
- Benedict Hollerbach (22, SV Wehen Wiesbaden)
- Alexander Schwolow (31, Hertha BSC)
- Brenden Aaronson (22, Leeds United, Leihe)
- David Fofana (20, FC Chelsea, Leihe)
- Alex Kral (25, Spartak Moskau, Leihe)
Abgänge beim 1. FC Union Berlin
Sven Michel (32, FC Augsburg)
Paul Seguin (28, FC Schalke 04)
Jamie Leweling (22, VfB Stuttgart, Leihe)
Rick van Drongelen (24, Samsunspor, Türkei)
Levin Öztunali (27, Hamburger SV)
Kevin Möhwald (29, KAS Eupen, Belgien)
Tim Maciejewski (22, SV Sandhausen)
Morten Thorsby (27, Genua CFC, Italien, Leihe)
Tymoteusz Puchacz (24, 1. FC Kaiserslautern, Leihe)
Lennart Grill (24, VfL Osnabrück, Leihe)
Niko Gießelmann (31, vereinslos)
Timo Baumgartl (27, FC Schalke 04)
Milos Pantovic (27, KAS Eupen, Belgien)
Dominique Heintz (30, 1. FC Köln)
Tim Skarke (26, SV Darmstadt, Leihe)
Jordan Siebatcheu (27, Borussia Mönchengladbach, Leihe)
Malick Sanogo (19, 1. FC Nürnberg)

