Union Berlin
: Darum gibt es kein Foto mit Zingler und Lustrinelli

Bei einem Talk-Abend in Köpenick spricht Union-Präsident Dirk Zingler über sein Verhältnis zum neuen Trainer Mauro Lustrinelli – und er verrät auch eine „aberwitzige“ Anekdote zu Urs Fischer.
Von
Steven Wiesner
Berlin
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Dirk Zingler, Präsident vom 1. FC Union Berlin, und Trainer Mauro Lustrinelli

Dirk Zingler (l.), Präsident vom Fußball-Bundesligisten 1. FC Union Berlin, hat bei einem Talk-Abend über Trainer Mauro Lustrinelli (r.) gesprochen. Und er musste sich dabei auch die Frage gefallen lassen, ob er den neuen Chefcoach nicht mögen würde.

Matthias Koch
  • Zingler erklärt im „Rot-Weißen Salon“, warum es kein Foto mit Trainer Lustrinelli gibt.
  • Er hält bewusst Distanz zu Trainern, zuständig sei Geschäftsführer Profifußball Horst Heldt.
  • Zu Urs Fischer: Erst nach dem Trennungsgespräch wechselten beide vom Sie zum Du.
  • Diese Distanz soll Entscheidungen erleichtern – danach wurde das Verhältnis zu Fischer enger.
  • Zu Lustrinelli sagt Zingler: Er verändert den Fußball, eine Trennung steht nicht zur Debatte.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Dirk Zingler in Plauderlaune. So manche Anekdote gab der Präsident von Fußball-Bundesligist Union Berlin am Dienstagabend im Union-Talk „Rot-Weißer Salon“ im Altstadttheater Köpenick aus seiner nunmehr 22-jährigen Amtszeit preis – unter anderem erklärte Zingler dabei auch, wieso er ganz bewusst auf Distanz zu seinen Trainern geht.

In dem launigen Podiumsinterview behauptete Journalist und Moderator Matze Koch (und zudem Schreiber der Eisern-Kolumne „Koch aus Köpenick“ für MOZ.de), dass er in seiner Fotodatenbank kein einziges gemeinsames Bild von Zingler und dem im Juli installierten Männer-Cheftrainer Mauro Lustrinelli gefunden habe. Auch bei bekannten Foto-Agenturen gebe es kein Bildmaterial. „Mögen Sie den Trainer nicht, Herr Zingler?“, fragte Koch neckisch.

„Doch, wir mögen uns. Das glaube ich sagen zu dürfen“, antwortete der Union-Präsident lachend, schob aber noch eine pragmatische Erklärung hinterher. „Ich will mich da ganz bewusst zurücknehmen.“ Der direkte Vorgesetzte des Trainers sei Profifußball-Geschäftsführer Horst Heldt, „und ich bin der Vorgesetzte von Horst Heldt. Sie finden also Fotos von Horst Heldt und mir, aber nicht von Lustrinelli und mir.“

Zingler hat Fischer bei Union Berlin erst nach der Trennung geduzt

Das habe nichts mit dem Schweizer zu tun, der im Sommer vom dortigen Meister FC Thun nach Berlin in die Bundesliga kam, sondern mit der Hierarchie und Konstellation im Klub. Auch mit Lustrinellis Vorgängern habe es sich ähnlich verhalten, ordnete Dirk Zingler ein – im Übrigen selbst mit Erfolgstrainer Urs Fischer, der Union von der 2. Bundesliga bis in die Champions League geführt hatte.

„Auch aus den ersten Jahren mit Urs Fischer werden Sie nicht so viele Fotos sehen“, sagte Zingler. „Ich habe Urs Fischer sogar bis zum Augenblick des Gespräches, wo wir entschieden haben, dass wir uns trennen, gesiezt. Erst eine Sekunde danach, als wir entschieden haben, dass wir nicht mehr zusammenarbeiten, haben wir angefangen uns zu duzen.“

1.BL 1. FC Union - Mainz 05 2025/26: Fußball, Herren, Saison 2025/2026, 1. Bundesliga (16. Spieltag), 1. FC Union Berlin - 1. FSV Mainz 05, v. l. Trainer Urs Fischer (Mainz 05) und Präsident Dirk Zingler (1. FC Union) vor dem Spiel, 10.01.2026, Foto: Matthias Koch

„Das ist aberwitzig, aber danach war unser Verhältnis viel enger als vorher“: Urs Fischer war mehr als fünf Jahre Trainer an der Alten Försterei und der erfolgreichste Union-Trainer der Neuzeit. Präsident Dirk Zingler (r., hier beim Wiedersehen gegen Mainz) hat den Schweizer trotzdem erst nach der gemeinsamen Trennung geduzt.

Matthias Koch

Fischer, ebenfalls Schweizer und aktuell Trainer von Ligakonkurrent Mainz 05, war 2018 zu den Eisernen gekommen und fünf Jahre später im November 2023 nach einer Serie von 14 Pflichtspielen ohne Sieg verabschiedet worden.

Zingler: „Ich halte ganz bewusst eine Distanz zu Menschen, über die ich möglicherweise irgendwann schwierige Entscheidungen treffen muss. Ich kann nicht auf Kumpel machen, und dann verliert er dreimal und dann hole ich ihn ins Zimmer, um ihm zu sagen: ‚Wir müssen dich leider entlassen‘“.

Zingler stärkt Trainer Lustrinelli bei Union Berlin den Rücken

Diese „gesunde Distanz“ halte der Funktionär für wichtig. „Und diese persönliche Distanz war mit Urs vorbei in der Sekunde, als wir uns getrennt haben. Das ist aberwitzig, aber danach war unser Verhältnis viel enger als vorher.“

Auch bei Mauro Lustrinelli sahen Fans und Medien nach dem schwachen Start in die Saison bereits eine Trennung kommen. Nicht nur ob des ersten Liga-Erfolges über Aufsteiger Elversberg am vergangenen Wochenende aber räumte Dirk Zingler die Spekulationen nun erneut ab: „Wir haben ihn verpflichtet, mit dem Wunsch und der Aufgabe, unseren Fußball zu verändern. Das macht er jetzt.“

In Köpenick würden sie ihre Mitarbeiter solange schützen, „solange wie wir glauben, dass es noch funktioniert“, so Zingler. „Wenn wir nicht mehr daran glauben, dann treffen wir auch Entscheidungen. Aber bei Mauro Lustrinelli sind wir noch ganz weit davon entfernt.“ Auch ohne gemeinsames Foto.