Union Berlin: Liegt ein Fluch über dem Olympiastadion? – Diskussion unter den Fans hält an

Fluch über dem Olympiastadion? Union Berlin hat am Dienstagabend in der Champions League gegen Sporting Braga mit 2:3 verloren.
Sebastian Christoph Gollnow/dpaEs war rot, es war laut, es war ein Rekord: Die Heimspiel-Premiere des 1. FC Union Berlin in der Champions League gegen Sporting Braga (2:3) wurde wie erwartet zu einer stimmungsvollen Angelegenheit. Mehr als 73 000 Zuschauer kamen ins Olympiastadion – noch nie gab es so viele Fans bei einem Spiel von Union Berlin.
Dass dieses Rekord-Spiel ausgerechnet im ungeliebten Stadion von Hertha BSC in Charlottenburg stattfand, schmerzte jedoch viele Anhänger der Köpenicker. Auch einen Tag nach dem Spiel wird in den Internetforen das Für und Wider des Umzuges ins Olympiastadion diskutiert. So mancher Union-Anhänger hätte die Königsklassen-Partien lieber im Stadion An der Alten Försterei gespielt – also der wirklichen Heimspiel-Heimat des Vereins.
Pfiffe im Olympiastadion
Als Stadionsprecher Christian Arbeit vor dem Anpfiff alle Zuschauer „im Olympiastadion“ begrüßte, gab es Pfiffe von den Rängen und gleich danach Rufe nach der Alten Försterei. Außerdem richtete sich eine Protestaktion mit Plakaten gegen das Kommerzdenken des europäischen Fußball-Verbandes. Auf einen zumindest gerüchteweise unter den Anhängern diskutierten Stimmungsboykott verzichtete die Fanszene.
Die Mehrheit ist zumindest froh darüber, dass aufgrund der deutlich größeren Kapazität des Olympiastadions so viele Fans bei der Champions-League-Premiere dabei sein konnten. Auch Trainer und Mannschaft waren angetan von der Stimmung am Dienstagabend. „Die Kulisse war fantastisch. Die Fans haben uns bis zum Schluss toll unterstützt. Über 70 000 Unioner in einem Stadion – das hat es noch nicht gegeben“, zeigte sich Urs Fischer beeindruckt. Stürmer Kevin Volland fasste seine Eindrücke so zusammen: „Sensationell! So etwas habe sich selten gehört und gesehen.“ Nach Auffassung von Robin Gosens hätte der stimmungsvolle Abend „die drei Punkte absolut verdient gehabt. Wir hätten den Fans gern einen Sieg geschenkt“.
Umbau in der Saison 2024/25
So aber blieb trotz der guten Stimmung bei allen Beteiligten auch tiefe Enttäuschung zurück. Das Olympiastadion dürfte angesichts des Last-Minute-K.o. gegen Braga bei den ohnehin skeptischen Union-Anhängern also nicht unbedingt weitere Pluspunkte gesammelt haben. So mancher fragte sich gar: Liegt womöglich ein Fluch über dem Olympiastadion? Wirklich erfolgreiche Spiele von Hertha BSC hat die große Betonschüssel in den vergangenen Jahren nur wenige erlebt. Inzwischen ist der Club in die 2. Liga gerutscht. Und auch Union Berlin ist nun also gescheitert, dem Olympiastadion wieder Erfolg einzuhauchen.
Sorge bereitet vielen Union-Fans auch der Ausblick auf die Saison 2024/25. Weil die Alte Försterei umgebaut wird und eine Kapazität von rund 37 700 Besucher erhalten soll, spielen die Eisernen die komplette Saison im Olympiastadion. Wie sich Verein und Fans dann ein ganzes Jahr lang mit der ungewohnten Heimspielstätte anfreunden können, muss sich erst noch zeigen. Der Tenor nach der Partie gegen Braga: Die Stimmung im ausverkauften Olympiastadion sei zwar klasse, aber irgendwie doch anders als in der Alten Försterei.
Die nächste Chance für einen Erfolg im Olympiastadion hat der 1. FC Union übrigens bereits am 24. Oktober, wenn der SSC Neapel zum nächsten Champions-League-Spiel in Berlin gastiert. Dann wird es wieder rot und laut werden – aber auch sicher gewöhnungsbedürftig bleiben.

