Union Berlin
: Champions League – das steckt hinter Fan-Protest gegen Braga

Rekordkulisse für den 1. FC Union Berlin in der Champions League – doch die Fans der Eisernen protestieren im Olympiastadion. Das steckt hinter der groß angelegten Aktion vor dem Spiel gegen Braga.
Von
Jan Lehmann,
Frank Noack
Berlin
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Die Fans des 1. FC Union Berlin protestieren vor dem Spiel in der Champions League gegen Sporting Braga mit einer großangelegten Aktion. Der Umzug ins Olympiastadion ist in der Fanszene weiterhin sehr umstritten.

Sebastian Christoph Gollnow/dpa

Der 1. FC Union Berlin erlebt eine historische Kulisse im Spiel der Champions League am Dienstagabend gegen Sporting Braga. Mehr als 73.000 Zuschauer sorgen im Olympiastadion bereits vor dem Anpfiff für eine begeisternde Atmosphäre. So viele Unions-Fans waren noch nie bei einem Spiel der Eisernen aus Köpenick.

Sportlich steckt der 1. FC Union Berlin weiter in der Krise – sechs Niederlagen in Folge tun weh. Die Gründe dafür sind vielschichtig.

Die Stimmung allerdings im Stadion war überragend. Allerdings gab es auch Misstöne vor dem Spiel: Als Stadionsprecher Christian Arbeit vor dem Anpfiff alle Zuschauer „im Olympiastadion“ begrüßte, gab es Pfiffe von den Rängen und gleich danach Rufe nach dem Stadion An der Alten Försterei.

Zum ersten Mal seit zwei Jahren leuchtete das Olympiastadion am Dienstagabend wieder im typischen Union-Rot. In der Saison 2021/22 hatten die Eisernen hier ihre Conference-League-Spiele ausgetragen. Trotzdem fremdelt so mancher Fan weiter mit der großen Schüssel in Charlottenburg.

Proteste gegen die Regeln der UEFA

Das war auch einer groß angelegten Protestaktion der Union-Fans zu erkennen – die richtete sich vor allem gegen den europäischen Fußballverband Uefa. Auf einem riesigen Banner entrollten die Union-Fans direkt vor dem Fanblock auf der Gegengerade: „You dont care about the sport – all you care about is money.“ Auf Deutsch: „Ihr kümmert Euch nicht um den Sport – alles, worum ihr Euch kümmert, ist Geld.“

Um das zu belegen, wurden viele großflächige Banner gezeigt, auf denen die Anforderungen der UEFA an ein Stadion für Champions-League-Spiele aufgezeigt wurden: Beispielsweise 8000 Sitzplätze, oder der Abstand zwischen Tribüne und Spielfeld von mindestens fünf Metern.

Auf einem Flugblatt, das unter den Union-Fans im Fanblock verteilt wurde, wurden die Hintergründe erläutert. Darauf heißt es: „Wir möchten heute aufzeigen, wie absurd diese Anforderungen sind und dass sie lediglich dafür da sind, den Wettbewerb „Champions League“ weiter aufzublasen, um noch mehr Geld aus dem Spiel herauszupressen.“

Kein Stimmungsboykott wie gegen Real Madrid

Auf einen zumindest gerüchteweise unter den Fans diskutierten Stimmungsboykott verzichtete die Fanszene – anders als beim Auswärtsspiel bei Real Madrid – am Dienstagabend. Von Beginn an wurde es richtig laut im Olympiastadion.

Der 1. FC Union selbst hatte sich frühzeitig dafür entschieden, im Olympiastadion zu spielen. Präsident Dirk Zingler hatte das den Vereinsmitgliedern in einem Brief mitgeteilt. Die Vereinsführung habe sich laut Zingler „nach Abwägung vieler guter Argumente entschieden, die Spiele der Champions League im Olympiastadion und die Spiele in der Youth League im Stadion An der Alten Försterei auszutragen“, heißt es in dem Brief.

Aufgrund der deutlichen größeren Kapazität im Olympiastadion wolle man möglichst „vielen Unionern die Möglichkeit geben, diese für uns außerordentlichen Spiele live erleben zu können“, begründet der Union-Präsident die Entscheidung.

Tickets für die Ostkurve unbeliebt

Am Dienstag erklärte Union-Geschäftsführer Oliver Ruhnert bei Bild-TV: „Für mich ist es unfassbar, dass über 70.000 Menschen im Olympiastadion unser Spiel gegen Sporting Braga schauen“, sagte Ruhnert bei Bild TV: „Ich kriege da ein bisschen Gänsehaut. Das ist Wahnsinn für Union.“

Die Tickets für das Spiel am Dienstagabend waren schnell vergriffen. Nur einige Karten gingen dem Vernehmen nach erst mit etwas Verspätung über den Ladentisch: Jene aus Ostkurve. Dort stehen üblicherweise die Ultras des Berliner Stadtrivalen Hertha BSC.

1. FC Union Berlin – die Fußball-Bundesliga

1. FC Union Berlin – der DFB-Pokal

1. FC Union Berlin – die Champions League

  • Mittwoch, 20. September 2023: Real Madrid – 1. FC Union Berlin 1:0 (0:0)
  • 1. FC Union Berlin – SC Braga; Dienstag, 3. Oktober 2023,
  • 1. FC Union Berlin – SSC Neapel; Dienstag, 24. Oktober 2023, 21:00 Uhr
  • SSC Neapel – 1. FC Union Berlin; Mittwoch, 08.11.2023, 18:45 Uhr
  • SC Braga – 1. FC Union Berlin; Mittwoch, 29. November 2023, 21:00 Uhr
  • 1. FC Union Berlin – Real Madrid; Dienstag, 12. Dezember 2023, 21:00 Uhr

Neuzugänge beim 1. FC Union Berlin

Abgänge beim 1. FC Union Berlin

Sven Michel (32, FC Augsburg)

Paul Seguin (28, FC Schalke 04)

Jamie Leweling (22, VfB Stuttgart, Leihe)

Rick van Drongelen (24, Samsunspor, Türkei)

Levin Öztunali (27, Hamburger SV)

Kevin Möhwald (29, KAS Eupen, Belgien)

Tim Maciejewski (22, SV Sandhausen)

Morten Thorsby (27, Genua CFC, Italien, Leihe)

Tymoteusz Puchacz (24, 1. FC Kaiserslautern, Leihe)

Lennart Grill (24, VfL Osnabrück, Leihe)

Niko Gießelmann (31, Greuther Fürth)

Timo Baumgartl (27, FC Schalke 04)

Milos Pantovic (27, KAS Eupen, Belgien)

Dominique Heintz (30, 1. FC Köln)

Tim Skarke (26, SV Darmstadt, Leihe)

Jordan Siebatcheu (27, Borussia Mönchengladbach, Leihe)

Malick Sanogo (19, 1. FC Nürnberg)