Probefahrt: Der 7er BMW im Autotest

Mächtig gewaltig: Den 7er BMW ziert eine riesige Doppelniere.
Roberto WenkBei dieser Limousine steht offensichtlich alles im Zeichen der „7“ - als BMW 740d xDrive vertritt dieses Exemplar nicht nur die 7er-Baureihe, sondern auch die siebte Generation der bayrischen Oberklasse aus München. Und Oberklasse ist hier alles andere als übertrieben.
Motor
Der getestete 7er wurde vom einzigen im Antriebsprogramm verfügbaren Diesel angetrieben. Ein 286 PS starker 3.0-Liter-Reihensechszylinder, der dank 48-Volt-Mildhybridtechnik eine Systemleistung von 299 PS vorweist. Die 650 Newtonmeter an maximalem Drehmoment werden bereits ab 1500 Touren abgeliefert. Als Reihenmotor ist dieser Turbodiesel ein Garant für eine exzellente Laufruhe. Dass es sich um einen Selbstzünder handelt, hört man höchstens beim Kaltstart im tiefsten Winter - und selbst dann nur anfangs für wenige Sekunden.
Karosserie/Ausstattung
Der Oberklasse-Münchner ist riesig. 5,39 Meter an Fahrzeuglänge sind allein schon immens. Doch auch optisch setzt der 7er auf Größe. Die exorbitante Doppelniere an der Front ist allein Polarisierungsfaktor Nummer eins - entweder man liebt, oder hasst diese. Dennoch kann der Front mit ihrer Lichteinheit auf zwei Etagen eine klare Dominanz nicht streitig gemacht werden. Der Gesamteindruck pendelt zwischen staatstragend und monumental. Elegante Dynamik ist im BMW 5er definitiv mehr zu finden, hier herrscht eher eine Art mondäner Prunkbau.
Der Innenraum ist derweil vollkommen auf Luxus gebürstet. Allein die Materialien und deren Kombination respektive Verarbeitung sprechen hierfür Bände. Komfort in Reinkultur - und das nicht nur für Fahrer und Beifahrer. Denn dank Executive-Paket sitzt man hinten rechts quasi wie ein Staatsoberhaupt und kann per Knopfdruck seinen Sitz zum Relaxmobilar inklusive Beine-hoch-Modus umfunktionieren. Davor darf dann aber keiner sitzen, denn der Beifahrersitz wird komplett an die Instrumententafel gefahren. Den Gipfel des Entertainments stellt der 32.3-Zoll-Wide-Screen dar, der seinen Schlafmodus unter dem Glasdach per Knopfdruck auf den in der Türverkleidung sitzenden Displays im Smartphone-Design beendet und elektrisch ausklappt. Damit wird der Fond des BMW 740d zum Heimkino.
Dazu passt auch bestens das Bowers & Wilkins 4D-High-End-Soundsystem, mit dem nicht nur sämtliche Musikgenres in Vollendung zur Geltung kommen, sondern auch jeder Actionfilm mit akustischer Urgewalt das Kinofeeling befeuert. Dass die Limousine permanent breitbandig online ist und Netflix, YouTube und all die anderen Möglichkeiten des Online-Entertainments rund um die Uhr verfügbar sind, ist dabei wohl selbstverständlich.
Doch auch beim Thema Assistenzsysteme gibt es keinerlei Beanstandungen. Alles funktioniert bestens und ist auf dem topaktuellen technischen Level. Eine Augenweide ist derweil das Ambientelicht, welches ganze Flächen im Dekor illuminiert. Das Farb- und Lichtspektakel ist so facettenreich, dass es bei manchen Einstellmöglichkeiten schnell zu viel des Guten werden könnte. Selbst im Rhythmus der laufenden Musik kann diese Lichtorgel zucken - wenn man es mag.
Fahrverhalten
Was sofort auffällt: Der aktuelle 7er ist extrem leise. Die Dämmung ist so umfassend, dass das Niveau sehr nah an der Luxusklasse á la Rolls-Royce kratzt. Der BMW ist mit dem Diesel erstaunlich gut motorisiert. Sportlichkeit kommt aber trotz des hier verbauten M Sportpakets nicht wirklich auf. Auch wenn der Spurt aus dem Stand bis Tempo 100 nur 5,8 Sekunden fordert und erst bei 250 Sachen Schluss ist. Soll heißen: Der aktuelle 7er ist so nah an der S-Klasse wie keiner zuvor. Fans könnten hier aber auch die sonst stets abrufbare Portion Fahrdynamik vermissen. Aber Oberklasse steht ja für Luxus und nicht unbedingt für Sportlichkeit. Vielleicht war genau dies das neue Ziel der Bavaren, denn die S-Klasse verkaufte sich bislang immer besser als der 7er.
Ansonsten schaltet die Automatik ihre acht Stufen butterweich, die Lenkung zeigt sich als überaus präzise Schnittstelle und die Luftfederung klammert alles aus, was die Insassen untergrundtechnisch erschüttern möchte. Dank der Vierradlenkung erhält der Riese sogar ein Quantum Handlichkeit, die insbesondere beim Manövrieren durch enge Altstadtgefilde seine Vorteile hat.
Kurzum bleibt die BMW-typische „Freude am Fahren“ präsent, auch wenn es eine andere Art von Freude ist. Komfort ist kein schlechter Tausch gegen Dynamik - zumindest in der Oberklasse.
Wirtschaftlichkeit
Extrem beeindruckend war der BMW 740d xDrive dann beim Verbrauchstest. Der Diesel war bereits in der Vergangenheit eine Wucht. Doch das permanente Engagement der Optimierung trägt immer wieder neue Früchte. Im Drittelmix genehmigte sich diese über 2,2 Tonnen schwere Limousine lediglich 6,5 Liter auf 100 Kilometer. Das können manche Benziner aus der Golfklasse nicht vorweisen. Noch krasser fanden wir die unglaubliche Knausrigkeit auf unserer Sparrunde, auf der wir den Verbrauch auf sage und schreibe 3,0 Liter auf hochgerechnet 100 Kilometer senken konnten. Bei 74 Litern Tankinhalt darf jeder selbst ausrechnen, welche exorbitanten Reichweiten dabei möglich wären.
Bleibt noch der Kaufpreis, der - wenig verwundernd - im sechsstelligen Bereich beginnt. Der BMW 740d ist leistungstechnisch definitiv die Einstiegsmotorisierung und beginnt bei 117.000 Euro. Dass die vollelektrische Variante, als 455 PS starkes Einstiegsmodell BMW i7 eDrive50 sogar 1300 Euro günstiger ist, hat ziemlich sicher politische Gründe, um der E-Mobilität gerecht zu werden.
Fazit
Von einem smarten Diesel angetrieben, zeigte sich der BMW 740d xDrive als ausgesprochen souveräner Langstreckengleiter, der das Oberklasseniveau in jeder Hinsicht bestätigen kann. Im Vergleich zu den vollelektrischen Varianten als BMW i7 ist der Diesel der unangefochtene Sieger der Reichweite. Wer viel und weite Strecken unterwegs ist, hat hier den eindeutigen Vorteil. Auch kostentechnisch lässt der 740d nichts anbrennen und kann problemlos mit seinen E-Geschwistern mithalten.
Sein Fahrverhalten wurde mit der neusten Generation deutlich komfortabler, was auf Kosten der Dynamik realisiert wurde. Das wirkte aber in der Praxis alles andere als schlimm - ganz im Gegenteil. Sportfahrer werden sich eh nicht wirklich in der Riege der Oberklasselimousinen umschauen. So gesehen, scheint der neu eingeschlagene Weg der richtige zu sein.



