Partnerschaft bei Wriezen
: Frankreich-Delegation in Prötzel und Bliesdorf – warum?

In der Oderregion bei Wriezen wird bald eine Delegation aus Frankreich zu Gast sein. Was Anlass für den Besuch ist, um welche Themen es geht und welche Idee im Hintergrund steht.
Von
Thomas Berger
Prötzel
Jetzt in der App anhören

Vor ziemlich genau einem Jahr fand der Auftaktbesuch einer Gruppe aus Prötzel und Bliesdorf in der Provence statt – jetzt werden die Franzosen zum weiteren Austausch im Großraum Wriezen erwartet.

Reiner Labitzke
  • Französische Delegation besucht Wriezen vom 19. bis 26. Januar.
  • Anlass: 62. Jahrestag des Élysée-Vertrags.
  • Austausch zu Klimawandel, erneuerbaren Energien und ländlichem Leben geplant.
  • Empfang durch Bundestagsabgeordnete Simona Koß und diverse lokale Aktivitäten.
  • Ziel: Intensivierung der deutsch-französischen Beziehungen und Zusammenarbeit.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Vorfreude und Erwartungen sind schon groß, aber auch die Emsigkeit der Verantwortlichen bei den letzten Vorbereitungen. Eine Woche lang, vom 19. bis 26. Januar, wird eine achtköpfige Gruppe aus der französischen Provence in Wriezen und Umgebung zu Gast sein. Es ist der Gegenbesuch für eine Reise, die Projektbeteiligte aus Prötzel und Wriezen vor ziemlich genau einem Jahr zur Auftaktvisite nach Frankreich führte – und nächster Schritt für wahrscheinlich in nächster Zeit intensivierte Kontakte. Nicht zufällig liegt die aktuelle Begegnung im Umfeld des 22. Januar – das Datum ist der 62. Jahrestag des 1963 unterzeichneten Élysée-Vertrags.

Damals setzen der französische Staatspräsident Charles de Gaulle als Initiator und der deutsche Bundeskanzler Konrad Adenauer (CDU) ihre Unterschriften unter das Abkommen, das nach dem Ersten und Zweiten Weltkrieg als Grundlage der neuen deutsch-französischen Freundschaft und Zusammenarbeit bildete, die heute auch wiederholt gewürdigter tragender Pfeiler des europäischen Miteinanders in der EU ist. Unmittelbar am Jahrestag empfängt die regionale SPD-Bundestagsabgeordnete Simona Koß (SPD), die zugleich Bürgermeisterin der Gemeinde Prötzel ist, die französischen Gäste samt lokaler Begleitung im Deutschen Bundestag.

Private Kontakte der Ortsvorsteherin von Harnekop als Ursprung

Der insgesamt einwöchige Aufenthalt, bei dem dieser Abstecher in die Bundeshauptstadt nur einer von vielen Programmpunkten ist, hat eine Vorgeschichte. Schon länger hat Carola Damaszek, Ortsvorsteherin von Harnekop und Prötzeler Gemeindevertreterin, seit etwa einem Jahrzehnt private Kontakte in die Provence. Irgendwann entstand die Idee, daraus mehr zu machen. Fast zeitgleich zum jetzt bevorstehenden Gegenbesuch weilte im Januar 2024 eine kleine Gruppe Interessierter aus dem Amt Barnim-Oderbruch zu ersten Erkundungen und Auftaktgesprächen in der französischen Region.

Mit dabei unter anderem Reiner Labitzke, der Bürgermeister von Bliesdorf, der jetzt neben Carola Damaszek der zweite Organisator ist. „Bliesdorf liegt im Oderbruch, Prötzel am Rande der Märkischen Schweiz“, und mit dem Ortsteil Vevais seiner Gemeinde gibt es nicht nur im französischen Namen sogar direkte Berührungspunkte, ordnet er ein. Rund ein Dutzend der Neusiedlerfamilien nach Anlage des kleinen Oderbruchdorfes zur Zeit des Alten Fritz waren hugenottische Glaubensflüchtlinge aus Neuchâtel in der Westschweiz, zwei Familien stammten wohl sogar direkt aus Frankreich.

Dörfer in beiden Regionen „ticken“ sehr ähnlich

Die Harnekoper Ortsvorsteherin und der Bliesdorfer Bürgermeister schwärmen vom vielfältigen Programm, das sie und die anderen vor einem Jahr erlebten. Deutlich wurde dabei schon: Das föderalistisch gestaltete Deutschland und das westliche Nachbarland mit seinen sehr zentralistischen Strukturen in der Verwaltung mögen sich in diesem Punkt stark unterscheiden. Was Lebensweise, Probleme und Herausforderungen im ländlichen Raum sowie Lösungsansätze dafür betrifft, „ticken“ die Dörfer der Region Carpentras ein Stück nordöstlich der Großstadt Avignon aber sehr ähnlich. Zum Beispiel, so Carola Damaszek, gibt es dort mit Mont Ventoux einen Naturpark.

„Auf Augenhöhe in den Austausch treten“, wie es Reiner Labitzke beschreibt – das ist unter diesen Umständen gut machbar. Ihn hatte Anfang 2024 in Frankreich vor allem „die Ursprünglichkeit, das bodenständig-spontane Miteinander“ bei den Partnern begeistert. Aber auch die Vielfalt im gesellschaftlichen Leben der kleinen Orte wie Frauensportverein, Fußball sowie Musikschule und einer Art ländliches Kulturhaus.

Herausforderungen des Klimawandels als Kernthema

Zu denen, die nun als Gäste nach Märkisch-Oderland kommen, gehören ein Landwirt, der auch Vorsitzender des Vereins der Oldtimer-Traktoren-Freunde in Bedoin ist, die Leiterin der Zirkus-Schule und eine Grundschullehrerin. Mehrere Delegationsmitglieder gehören dem Vorstand des Dorfkulturvereins an, mindestens zwei sitzen auch im Gemeinderat, bringen also kommunalpolitische Erfahrungen mit.

Am Sonntagabend (19. Januar) wird die Gruppe in Berlin-Ostbahnhof erwartet. Gleich Montagvormittag soll es am Folgetag eine Gesprächsrunde bei Barnim-Oderbruchs neuem Amtsdirektor Frank Fiedler geben, der großes Interesse am Projekt zeigt und in die Vorbereitungen eingebunden war. „Neue Praktiken und Erfahrungen in der Region beim Wasserhaushalt und bei der Entwicklung erneuerbarer Energien“ ist das Thema, das beim Gespräch mit ihm im Fokus steht.

Wie lässt sich mit den Folgen des Klimawandels umgehen? Dieser zentralen Fragestellung widmet sich auch der etwa dreistündige Austausch, der am Freitag (24. Januar) im Naturpark Märkische Schweiz geplant ist – neben einer Gesprächsrunde mit der Naturwacht soll es auch einen Abstecher nach Dahmsdorf geben, wo es etwa um Landwirtschaft im Wandel, Wasserhaushalt in der Landschaft sowie Konflikte um Solarparks im Schutzgebiet gehen wird.

Abstecher auch zur Grundschule Prötzel

Auch der Landwirt Konstantin Behnen und sein Vater Andreas, Prädikows Ortsvorsteher, empfangen die Gruppe am Dienstagnachmittag bei sich auf Gut Prädikow. Zuvor geht es vormittags am selben Tag an der Grundschule Prötzel um Einblicke ins regionale Bildungswesen – und eventuell auch künftigen Schüleraustausch. Abstecher zur Europabrücke Neurüdnitz-Siekierki, ins Chamisso-Museum Kunersdorf und zum Oderlandmuseum Altranft sowie ein Austausch mit Bliesdorfer Gemeindevertretern und weiteren lokal Aktiven in Vevais-Friedrichslust runden das Programm ab.