Bürgermeisterwahl Beeskow 2023: Hörich und Czaplinski gehen in die Stichwahl
Beeskow hat gewählt – und muss ein zweites Mal an die Urne. Das ist das Ergebnis der Bürgermeisterwahlen 2023. Gut 6800 Wahlberechtigte waren aufgerufen, ein neues Stadtoberhaupt zu wählen, nachdem Amtsinhaber Frank Steffen (SPD) zum Landrat von Oder-Spree gewählt wurde und am 1. August seinen neuen Job antrat.
Zur Wahl standen Karolin Ring (Einzelbewerberin), Petra Albrecht-Schulz (parteilos, für die Wählervereinigung Beeskow und Ortsteile im Blick), Sven Wiebicke (SPD), Ralf Hörich (Einzelbewerber) sowie Robert Czaplinski (CDU).
Die meisten Stimmen bei der Bürgermeisterwahl holte Ralf Hörich (Einzelbewerber), gefolgt von Robert Czaplinski (CDU). Hörich kam auf 29 Prozent, Czaplinski auf 28 Prozent. Nach dem vorläufigen Ergebnis sind die anderen drei Bewerber aus dem Rennen. Karolin Ring schaffte 19 Prozent, Sven Wiebicke 13 Prozent, Petra Albrecht-Schulz 11 Prozent.
Der Erstplatzierte reagierte am Sonntagabend überrascht, denn er erfuhr erst von dieser Zeitung von dem Ergebnis. „Ich habe damit gerechnet, in die Stichwahl zu kommen, aber mit einem anderen Herausforderer“, sagte Ralf Hörich. Einerseits freue er sich, andererseits verstehe er die Wähler nicht, denn Robert Czaplinski lebe erst seit zwei Jahren in der Kreisstadt. Hörich sagte, er habe ein starkes Team hinter sich – will aber nun erst einmal an die Ostsee fahren. „Das mache ich um diese Jahreszeit immer mit meiner Mutter und meiner Schwiegermutter.“
Wahlberechtigt waren 6873 Menschen. Die Wahl wurde nötig, weil der bisherige Amtsinhaber Frank Steffen (SPD) Anfang August das Amt des Landrats von Oder-Spree antrat. Gut 115 Wahlhelferinnen und Wahlhelfer sollen für einen reibungslosen Ablauf sorgen.
Wahlleitung fasst Ergebnisse zusammen
+++18.52 Uhr: Die Wahllokale haben ihre Daten an die Wahlleitung übermittelt. Die Wahlbehörde fasst gerade die Ergebnisse zusammen und rechnet gegen 19.20 Uhr mit einem Resultat.
Wahllokale schließen, Stimmen werden gezählt
+++18.30 Uhr: Drei Briefwahllokale gibt es in der Grundschule an der Stadtmauer. Die Wahlhelfer teilen sich die Arbeit: Einige öffnen die rosafarbenen Briefe. Die anderen sortieren die Stimmzettel nach Kandidaten. Das alles passiert unter den wachsamen Augen zweier älterer Männer, die sich auf Nachfrage von moz.de als Wahlbeobachter ausgeben.
+++18.20 Uhr: Mit dem Schlag der Turmuhr der Beeskower Marienkirche schließen die Wahllokale. Acht Wahlhelferinnen und Wahlhelfer im Wahllokal Rathaus öffnen mit einem Taschenmesser und einem Schlüssel die Wahlurne aus Kunststoff. 424 Wahlzettel landen auf den zusammengeschobenen Tischen. Darunter sind auch ungültige. Ein Wahlberechtigter bzw. eine Wahlberechtigte hinterließ eine Nachricht: „Es fehlt die AfD“.
Bürgermeisterwahl Beeskow: das sagen Wahlberechtigte
+++17.10 Uhr: Die Wahlberechtigten in der Kreisstadt haben es offenbar nicht leicht gehabt, sich zu entscheiden. „Früher hatten wir mit Frank Steffen jemanden, den wir kannten und wo wir wussten, was uns erwartet“, sagt eine Wählerin nach der Wahl mit Blick auf den früheren Beeskower Bürgermeister. „Dieses Mal war es nicht einfach, weil man die Kandidaten kaum kannte.“ Daher habe sie sich für einen „Schuss ins Blaue“ entschieden. Ihr Partner findet, dass jedoch ausreichend Möglichkeiten bestanden haben, sich über die fünf Bürgermeisterkandidaten zu informieren. „Das Angebot war da, wer es nicht genutzt hat, ist selber schuld.“
Zwei Rentner, die den Sonntagnachmittag auf dem Markt saßen, verzichteten darauf, wählen zu gehen. „Ich wähle nur noch den Bundestag“, sagt einer von ihnen. Sein Nachbar geht nicht wählen, weil er sich als Anwohner des Marktes von der Stadtverwaltung nicht ernst genommen fühlt. „Sei es der Lärm der Langen Nacht oder der schlechte bauliche Zustand – die verantwortliche Mitarbeiterin in der Stadtverwaltung bleibt ja die gleiche.“
Wahlbeteiligung steigt seit dem Nachmittag
+++16.30 Uhr: Das schöne Spätsommer-Wetter lockt zahlreiche Wahlberechtigte heraus. Viele Bänke auf dem Marktplatz sind besetzt, etliche Passanten gönnen sich nach der Wahl ein Eis und genießen die Sonne. Aus dem Wahllokal im Trauraum des Rathauses heißt es, dass von den 1107 Wahlberechtigten bis 16.15 Uhr 400 ihre Stimme abgegeben haben.
Manipulation bei Briefwahl? Das sagt die Wahlleiterin
+++14.30 Uhr: Die von der Vereinigung „Beeskow und Ortsteile im Blick“ am Wahltag angestoßene Diskussion um mögliche Manipulationen bei der Briefwahl erhält neue Nahrung. Bürgermeisterkandidatin Petra Albrecht-Schulz schreibt bei Facebook unter anderem: „wir werden heute die Wahl beobachten“.
Ein möglicher Betrug ist nach Ansicht von Beeskows Wahlleiterin Franziska Lampe nicht möglich. „Jeder, der Zweifel hat, kann zur öffentlichen Auszählung der Briefwahlstimmen in eines der Briefwahllokale kommen“, sagt sie gegenüber moz.de Dort werden die eingegangenen Unterlagen in zwei Schritten bearbeitet: Zunächst sichten die Wahlvorstände die äußeren Umschläge, auf denen eine Nummer enthalten ist, die einem oder einer Wahlberechtigten zugeordnet werden kann. Allerdings ist dies nur in der Wahlbehörde möglich. Der äußere Umschlag enthält wiederum den ebenfalls kuvertieren Stimmzettel.

Blick auf die in einem von drei Briefwahllokalen eingegagenen Unterlagen.
Marcel GädingBereits bei der Landratswahl im Mai wurden Stimmen zu einem möglichen Briefwahlbetrug laut, zahlreiche Verdächtigungen wurden in sozialen Netzwerken platziert. Eine Überprüfung gab es daraufhin aber nicht, weil niemand der Beschwerdeführer bei der Wahlbehörde Widerspruch einlegte. „Wir haben seitdem davon nichts mehr gehört“, sagt Franziska Lampe.
Bürgermeisterwahl verläuft bislang ohne Vorkommnisse
+++13.30 Uhr: Bis zum Mittag verlief die Bürgermeisterwahl in Beeskow ohne nennenswerte Vorkommnisse, wie Wahlleiterin Franziska Lampe gegenüber moz.de sagt. Lediglich im Wahllokal am Spreepark sowie in Neuendorf waren die Wahlvorstände gefragt, weil dort Wahlplakate zu nah an den Wahllokalen befestigt waren.
Fahrradhändler aus Beeskow stößt Diskussion um Wahlbetrug an
+++12.00 Uhr: Der Inhaber eines Fahrradladens an der Breite Straße in Beeskow nutzt seine Schaufenster, um auf einen möglichen Wahlbetrug hinzuweisen. „Wird wieder per Briefwahl entschieden? Werden sich die SPD-Stimmen wieder wundersam vermehren?“ steht dort als Mutmaßung geschrieben. Dabei wird offenbar auf die vergangene Landratswahl angespielt, als der damalige Beeskower Bürgermeister und jetzige Landrat Frank Steffen (SPD) in der Stichwahl nur knapp seinen Herausforderer Rainer Galla (AfD) besiegte – ausschlaggebend waren die Briefwahlstimmen. Schnell mehrten sich Stimmen, dass die Briefwahl manipuliert gewesen sein soll.

Der Betreiber eines Fahrradgeschäfts in der Beeskower Innenstadt nutzt sein Schaufenster, um die Briefwahl infrage zu stellen.
Marcel GädingEr zolle dem Akteur Hochachtung, schreibt der Stadtverordnete Marco Engel (Beeskow und Ortsteile im Blick), in dem er sich offenbar auf die Seite der Mutmaßer stellt. Gleichzeitig löst er bei Facebook entsprechende Reaktionen von Nutzerinnen und Nutzern aus, welche die Briefwahl als möglichen Wahlbetrug sehen: „Es steht das geschrieben was die meisten denken. Die DDR lässt grüßen“, schreibt ein Nutzer. „Das haben die Echsen doch schon längst für uns entschieden!“, kommentiert ein anderer. In einem Beitrag ist sogar von einer Fake-Wahl die Rede.
Interesse an Briefwahl ist groß
+++11.10 Uhr: Per Brief zu wählen, liegt offenbar im Trend – auch im Beeskower Ortsteil Kohlsdorf. Dort haben 23 von 111 Wählerinnen und Wähler die Unterlagen vorab angefordert, wie der Wahlvorstand gegenüber moz.de sagte. Bis kurz nach 11 Uhr waren hingegen 34 Einwohner persönlich im Dorfgemeinschaftshaus, um ihre Stimme vor Ort abzugeben. „Die meisten kommen in der Regel am Nachmittag“, sagte eine Wahlhelferin.
Wahllokale in Beeskow öffnen um 8 Uhr
+++7.00 Uhr: In einer Stunde öffnen in Beeskow und den sieben Ortsteilen die Wahllokale. Es stehen 6900 Stimmzettel bereit. Vorsorglich wurden 100 Exemplare mehr gedruckt, falls in einem Wahllokal Stimmzettel fehlen. Bis 18 Uhr können im Rathausbriefkasten zudem Briefwahlunterlagen eingeworfen werden. Diese werden dann in einem der drei Briefwahllokale öffentlich ausgezählt, die eigens eingerichtet worden sind.



