Eine scheinbar kleine Polizeimeldung ruft Entrüstung hervor. Am Dienstag hatte die Polizeidirektion Süd aus Cottbus eine Sachbeschädigung an der Gedenkstätte Jamlitz (Landkreis Dahme-Spreewald, Amt Lieberose/Oberspreewald) vermeldet. Demnach waren sie am späten Montagnachmittag darüber informiert worden, dass noch Unbekannte Schmierereien und Schriftzüge an mehreren Stelen der Gedenkstätte für das ehemalige KZ-Außenlager an jenem Ort aufgebracht worden waren. Im Zuge erster Ermittlungen wurden zudem weitere Schriftzüge an einer nahegelegenen Bushaltestelle festgestellt.

Verdacht der Volksverhetzung steht im Raum

Am Folgetag meldete die Polizei weiter, sie habe im Rahmen ihrer Ermittlungen drei Tatverdächtige der gemeinschädlichen Sachbeschädigungen an den Stelen der Gedenkstätte in Jamlitz feststellen können. Gegen die Männer im Alter von jeweils 20 Jahren und die Frau im Alter von 18 Jahren wurden Ermittlungsverfahren eingeleitet. Zudem werden Ermittlungen wegen des Verdachtes der Volksverhetzung aufgenommen. Auch auf telefonische Nachfrage aber wollte man sich in der Presseabteilung nicht konkret über den Inhalt der Schmierereien äußern. In jene wilde Krakelei und Schnörkel könne man etwas hineininterpretieren, aber das sei Spekulation, hieß es dort.

Entrüstung auf Landesebene

Am Donnerstag, 11. März, nun teilt das Land mehr Details mit. Auf mehreren Informationstafeln der Gedenkstätte, heißt es vom Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur, wurden antisemitische Schriftzüge aufgebracht. Anwohner informierten dann den Leiter der Gedenkstätte Dr. Andreas Weigelt, der im Auftrag der Kirchengemeinde Lieberose und Land eine Strafanzeige erstattete.
Kulturministerin Manja Schüle sieht in der Tat nicht nur einen Angriff auf die Erinnerung an die nationalsozialistischen Verbrechen, sondern „eine Schändung dieses besonderen Ortes“. Sie danke der Polizei, aber vor allem den Menschen vor Ort, die den Anschlag gemeldet und freiwillig mitgeholfen hätten, diese Schmierereien wieder zu entfernen. „Das macht deutlich: Die Jamlitzerinnen und Jamlitzer stellen sich gegen rechtsextreme Umtriebe und zeigen Mut und Herz. Sie stehen für Hoffnung und Versöhnung“, so Schüle.

Mehr Bildungsarbeit durch Integration in Stiftung

Auch Dr. Axel Drecoll, Direktor der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten, verurteilte den Anschlag: „Wir sind entsetzt über die abermalige Schändung dieses bedeutenden Tatortes der Schoa in Deutschland, wo die SS in einem zweitägigen Massaker im Februar 1945 mehr als 1300 KZ-Häftlinge ermordete.“ Die Tat zeige aber auch, wie wichtig diese Gedenkstätte und ihre historisch-politische Bildungsarbeit sind, die man in Zukunft durch die Integrationen der Gedenkstätte in die Stiftung weiter verstärken wolle.
Und die Antisemitismusbeauftragte der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO), Marion Gardei, spricht von einer „Schande, dass antisemitische Schmierereien in unserem Land wieder an der Tagesordnung sind. Trotzdem und gerade deshalb: Unsere Erinnerungsarbeit an diesem Ort wird weitergehen und gestärkt werden. Wir werden die Geschichte der durch die Nazis unschuldig Verfolgten nicht überschreiben lassen, sondern die Erinnerung an die ermordeten Jüdinnen und Juden für alle Zeiten wachhalten.“
Bei der Trägerschaft der Gedenkstätte arbeiten die EKBO, das Amt Lieberose und die Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten in Abstimmung mit dem Zentralrat der Juden in Deutschland zusammen. Das Land stellt für die Gedenkstätte in diesem Jahr 25.000 Euro bereit.

Geschichte der Gedenkstätte

Im sogenannten „Arbeitslager Lieberose“ mussten von 1943 bis 1945 rund 10.000 KZ-Häftlinge Zwangsarbeit leisten. Das Außenlager des KZ Sachsenhausen wurde im Laufe des Jahres 1944 zum größten Lager mit jüdischen Häftlingen auf dem Gebiet des Deutschen Reichs. Vom 2. bis zum 4. Februar 1945, unmittelbar vor der Räumung des Lagers, ermordete die SS 1.342 Häftlinge in den Krankenbaracken des KZ-Außenlagers Lieberose. Von den schätzungsweise 6.000 bis 10.000 als Juden verfolgten Häftlingen aus zwölf europäischen Ländern, vor allem aus Polen und Ungarn, überlebten weniger als 400 ehemalige Gefangene.
Die DDR errichtete eine vom historischen Ort entfernte Mahn- und Gedenkstätte, wo der vornehmlich jüdischen Opfer als ‘Antifaschisten‘ gedacht wurde. Die nach der deutschen Einheit errichtete Freiluftausstellung am historischen Ort des KZ-Außenlagers Jamlitz wurde 2018 um einen Gedenkort am authentischen Tatort, den Fundamenten der Krankenbaracken, ergänzt. Im vergangenen Jahr wurde die Freiluftausstellung entlang eines Steges, der die Verbindung zum Gedenkort schafft, um Biografien der Ermordeten erweitert.