Tierheim Märkisch Buchholz: Hund Prinz allein – nach dem Tod des Herrchens braucht er Halt

Märkisch Buchholz: Tierpflegerin Nancy Seifert mit Schäferhund Prinz. Der Maulkorb ist im Umgang mit dem Hund Pflicht im Tierheim.
Jens OlbrichRespekteinflößend sieht Schäferhund Prinz auf jeden Fall aus. Das unterstreicht auch der Maulkorb, den er immer tragen muss, wenn er mit Menschen zusammenkommt. Ein Rüpel? Vielleicht, auch wenn die Bezeichnung ihn eventuell eher verharmlosend beschildert.
Gut 50 Kilogramm wiegt Prinz, Tierpflegerin Nancy Seifert beschreibt ihn mit den Worten: „Prinz ist wirklich ein hübscher, schwarzer Schäferhund. Also vorne herum, wo alles noch ganz ist, ist er wirklich hübsch. Aber hinten, an der Hüfte, da sieht man, okay, typisch Schäferhund.“ Prinz sei im Oktober letzten Jahres ins Tierheim Märkisch Buchholz gekommen, entnimmt Tierpflegerin Manuela Budich Prinz‘ Unterlagen. Seine Besitzerin, eine ältere Dame, sei überfordert gewesen.
Schäferhund aus Märkisch Buchholz ist ein Wachhund
„Prinz war vorher auch mehr so ein Herrchenhund“, erklärt Budich. Der Schäferhund hätte vorwiegend draußen in Hof und Garten als Wachhund gelebt, nie irgendwie etwas großartig Anderes kennengelernt, Grenzen gesetzt bekommen. „Prinz konnte halt mehr oder weniger frei entscheiden, was er tut.“ Nachdem Herrchen dann jedoch verstorben sei, sei Frauchen nicht mehr so richtig mit ihm zurechtgekommen.
Benachbarte Freunde der Besitzerin hätten sich dann des Prinzen angenommen, mit ihm ein gutes Maulkorb-Training gemacht, seien mit ihm spazieren gegangen, sogar Autofahren geübt. Alles sei soweit gut gewesen. Bis der Schäferhund dem Nachbarn eines Tages in die Arme biss. Scheinbar grundlos, unmotiviert. Der Mann hätte Prinz nur einfach so den Rücken gestreichelt, als dieser sich herumdrehte und ihn biss. Seitdem hätten die Nachbarn logischerweise Respekt, sagten: „Wir können das nicht mehr.“
Hund Prinz wurde im Tierheim Märkisch Buchholz untersucht
Die Besitzerin des Hundes hätte es körperlich und finanziell nicht geschafft, ihm gerecht zu werden. Daraufhin sei Prinz ins Tierheim gekommen. Und nach anfänglichen Problemen der Eingewöhnung gelang es auch, den wilden Schäferhund medizinisch zu untersuchen. Herausgekommen sei nach Auskunft von Tierpflegerin Manuela Budich eine geringgradige Hüftdysplasie. „Nicht akut, eben für einen Schäferhund in seinem Alter nicht unüblich.“ Immerhin sei Prinz bereits acht Jahre alt.
Des Weiteren sei bei der Untersuchung herausgekommen, dass Schäferhund Prinz unter Kryptorchismus leidet, einseitig unvollständigem Hodenabstieg in den Hodensack. Ein Leistenhoden eingeklemmt und sicherlich schmerzhaft. War der Biss daher tatsächlich unmotiviert? Oder könnte es sein, dass der Hund gerade, von Schmerzen geplagt, einfach nicht für Streicheleinheiten aufgelegt war? Immerhin werden Pferde beim Rodeo in den USA auch mit einem eng angelegten Riemen an den Genitalien dazu gebracht, im richtigen Moment zu einem Bucking Horse, zu einem bockenden Pferd zu mutieren.

Gemütlich geht es auch, zumindest für Tierpflegerin Nancy Seifert. Schäferhund Prinz zieht es auch gern weiter in das Wäldchen um das Tierheim Märkisch Buchholz.
Jens OlbrichTrotzdem, Prinz hat zugebissen. Ein Stigma. Zumal hätte es laut Auskunft von Manuelas Budichs Unterlagen schon einmal zuvor einen Beißvorfall gegeben. Mit frei laufenden Hunden. Die waren irgendwie spazieren. Der Besitzer der frei laufenden Hunde sei dazwischen gegangen und dadurch auch verletzt worden. Prinz drohe daher, finde er keinen hundeerfahrenen Halter, ein Gutachten. „Und, wenn ein Gutachten gemacht wird, die Aggressivität wirklich bestätigt wird, steht eventuell auch eine Euthanasie im Raum“, erklärt Budich. „Wenn die Gefährlichkeit einfach mal zu hoch ist.“
Momentan sei noch kein Gutachten erstellt. Tierpflegerin Nancy Seifert bestätigt auch, dass Prinz seit der Kastration erheblich friedlicher sei, er sich freue, wenn sie mit dem Maulkorb kommen würde – denn dann ginge es raus. Seine Muskeln, die in der langen Eingewöhnungsphase im Tierheim Märkisch Buchholz erheblich zurückgegangen seien, müssten durch Bewegung wiederaufgebaut werden. „Prinz hat halt nie wirklich lächeln gelernt. Es ist aber, denke ich mal, alles machbar bei ihm. Weil er möchte auch, weiß bloß nicht, wohin mit seiner Energie.“ Motivation durch Futter und Häppchen für ein Training seien auf jeden Fall gewährleistet. „Man muss ein bisschen auf seine Finger aufpassen, weil er sehr hektisch ist.“
Spendenkonto und Kontakt Märkisch Buchholz
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Eine längere Kennenlernphase sei auf jeden Fall nötig, bestätigt Manuela Budich. „Wir sehen zu, dass es bei Hund und Mensch von beiden Seiten passt“, erläutert die Tierpflegerin. Wenn der Hund von Anfang an zeigen würde, „den mag ich nicht, mit dem komme ich nicht klar, dann sagen wir, okay, das hat wenig Sinn“. Dann bräuchten sie es erst gar nicht erst zu versuchen. Gesucht werden daher hundeerfahrene Leute, bei denen auch die Chemie zu Prinz stimme.


