Ukraine Hilfe aus Beeskow: Engagement in Kiew – Steffen Kukral und die heilende Kraft der Pferde
2021, im Frühjahr, entbrannte der bereits 2013/2014 begonnene Konflikt um die Ukraine erneut. Im Ergebnis dessen begann Russland an der Grenze zur Ukraine mit einem Truppenaufmarsch. Zum vermeintlichen Schutz der aus seiner Sicht bedrohten russischen Staatsbürger begann Putin am 24. Februar 2022 den Krieg gegen die Ukraine. Seither herrscht dort unmenschliches – und für alle nicht betroffenen zudem unvorstellbares – Leid.
Unmittelbar dabei war bereits zweimal ein Mann aus Beeskow, Steffen Kukral, der im Ortsteil Krügersdorf mit seiner Frau, der promovierten Biologin Angela Breme, die Coaching Ranch betreibt. Die Menschen in Beeskow und Umgebung kennen ihn als einen, der etwas mit Pferden und Menschen macht und auch den „verrückten“ Sport Tentpegging betreibt. Dabei versuchen Reiter in gestrecktem Galopp, mit einer Lanze ein kleines Holzplättchen am Boden zu treffen.
Mit Pferden etwas für Menschen machen
Weit über die Grenzen des Landkreises schätzen Pferdeleute Kukrals Händchen in Sachen Horsemanship, was schlicht Pferde-Menschen-Kunst bedeutet, und für sehr faire Kommunikation zwischen Mensch und Pferd und auch artgerechte Haltung steht. Dafür braucht es sehr viel Einfühlungsvermögen. Aucch große Unternehmen wenden sich an Steffen Kukral, wenn es beispielsweise um Team-Building-Seminare geht.
Was also hat Steffen Kukral bewogen, nach Kiew zu reisen? „Schon vor der ersten Reise habe ich viel Zeit mit dem Krieg verbracht, über Social Media und auch Fernsehen“, sagt er nachdenklich. Und dann habe er eine Reportage gesehen, wie „Anna“ mit Pferden etwas für Menschen macht. „Das hat mich fasziniert und nicht mehr losgelassen.“ Am 1. Juni war er das erste Mal vor Ort, in einer kleinen Reithalle, im Hippodrom in Kiew.
Was soll ich mit dem Pferd machen?
„Für Soldaten, die auf Fronturlaub aus Bachmut kamen, gab ‚Anna‘, die mit vollständigem Namen Anna Burago heißt, Psychotherapeutin sowie Präsidentin der ‚Vereinigung der Hippotherapeuten‘ der Ukraine ist, Seminare“. Es sei erstaunlich gewesen, wie sich die Seminarteilnehmer im Laufe dieser drei, vier Stunden verändert hätten. „Zuerst hat man deutlich gesehen, wie die Frage ‚Was soll ich mit dem Pferd machen?‘ im Raum stand“, erzählt er.
Kurze Zeit später sei die Situation eine gänzlich andere gewesen. „Die Soldaten haben sich auf den Partner Pferd ein- und dabei losgelassen, den Focus auf das Tier verlegt und waren nahezu erleichtert, obwohl sie wussten, dass sie wieder zurückmüssen.“ Das sei überhaupt der härteste Moment für ihn gewesen, wenn die Soldaten am Nachmittag ins Auto gestiegen sind, um zurückzufahren.

Die Soldaten waren oft wenige Tage zuvor noch an der Front und müssen bald wieder zurück. Pferde geben ihnen eine kurze Zeit der Entspannung von dem Erlebten.
Anna BuragoMenschen spüren, dass sie nicht vergessen sind
Erklärtes Ziel sei es, wenn alles vorbei ist, diese Therapie zur Verarbeitung der Traumata einzusetzen, und langfristige Projekt auch für behinderte Soldaten anzubieten. „Bei den derzeitigen Soldatenseminaren ist auch das Verteidigungsministerium der Ukraine eingebunden.“ Alle, die in Kiew dabei gewesen seien, etwa zehn, zwölf Leute vor Ort, hätten ehrenamtlich zusätzliche Angebote geschaffen.

Erinnerungsfoto nach dem Seminar, mit dabei Steffen Kukral (vorn r.) und neben ihm „Anna“. Bislang ist die Zeit mit Pferden nur eine kurze Erholungsphase im Fronturlaub. Ziel ist es, langfristig auch Versehrte und Soldaten mit posttraumatischen Störungen zu behandeln. Ein Problem, das auf die Ukraine in den kommenden Jahren immer stärker zukommen wird, je länger der Krieg dauert.
Valeria Baschtannik„Der Krieg muss gestoppt werden, sonst hört das Leid nicht auf“, sagt Kukral unvermittelt. Er selbst hat eine App auf dem Handy, zu seiner inneren Beruhigung. „Wenn kein Alarm ausgelöst wird, weiß ich, dass es in Kiew ruhig ist.“ Es sei spektakulär, fremde Menschen würden dich ansprechen und sagen: „Oh toll, dass du da bist.“ Und sie würden spüren, dass sie nicht vergessen sind.
Und wie sieht es mit der Verständigung aus? „Ein Mix aus Englisch und ein bisschen Spanisch, das hat gut funktioniert.“ Auch habe ihm bei der Vorbereitung der Aktion der Künstler Rostyslav Voronko aus Beeskow geholfen. voronko, der aus der Ukraine stammt, habe als Übersetzer bei den ersten Telefonaten mit Anna zur Vorbereitung der Reise fungiert.
Können viel voneinander lernen
Derzeit sei man dabei, ein Spendenkonto zu organisieren, damit auch andere die Projekte unterstützen können. Über die Ranch hätten sie bereits eine Rampe finanziert, die Behindertenwerkstätten in Fürstenwalde einen Lift, um auch versehrten Menschen eine Pferdetherapie zu ermöglichen.
Er sei jetzt zweimal in Kiew gewesen und werde sicher wieder hinfahren. „Das Lächeln auf den Gesichtern und das blinde Verstehen untereinander. Wir können viel voneinander lernen“, betont er. Und diese Ausstrahlung. „Die Menschen lassen sich Leben nicht kaputt machen, gehen am Flussufer spazieren und in Restaurants.“ Reiter aus Donezk hätten ihre Pferde eingepackt, um in Kiew bei einem Turnier zu starten.
„Das ist faszinierend.“ Für sich hätte er die Erfahrung mitgenommen, wie gut Pferde Menschen öffnen können. Das sei kein esoterischer Kram. „Die Bewegung und die Psyche kommen in Balance, weil der Mensch sich auf etwas Anderes konzentrieren muss.“
Coaching Ranch
Steffen Kukral, Dorfstraße 21, 15848 Beeskow, Telefon: 0151 67514395 (WhatsApp), E-Mail: kukral@gmx.de






