Landtagswahl Brandenburg 2024
: Grünen-Kandidat Sebastian Gellert nimmt es mit Frauenriege auf

Die Grünen schicken den Werneuchener Sebastian Gellert zur Landtagswahl ins Rennen um das Direktmandat im Wahlkreis 15. Wie er sich trotz des Umfragetiefs seiner Partei durchsetzen will.
Von
Britta Gallrein
Werneuchen
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Der Werneuchener Sebastian Gellert tritt für die Grünen als Direktkandidat für die Landtagswahl im Wahlbezirk 15 an

Tom Schweers

Es wird nichts aus einem Wahlkreis nur mit Bewerberinnen zur Landtagswahl im kommenden Jahr. Neben Sabine Buder (BVB/Freie Wähler), Annett Klingsporn (SPD), Ulrike Mauersberger (CDU) und Lena Kotré (AfD) geht mit Sebastian Gellert bei der Landtagswahl 2024 ein männlicher Kandidat im Wahlkreis 15 an den Start. Und der weiß: Er wird es zwischen dem starken Frauen-Quartett nicht leicht haben.

„Es ist eine Herausforderung, gegen diese Kandidatinnen anzutreten“, räumt der 47-Jährige auch ein. „Alle haben richtig was vorzuweisen. Sabine Buder hat schon viel Erfahrung in Sachen Wahlkampf, Ulrike Mauersberger macht seit Jahren gute Arbeit im Landeselternbeirat.“ Dennoch freut er sich auf den Wahlkampf. „Ich bin keiner, der kneift. Ich freue mich auf viele gute Diskussionen.“

Sebastian Gellert von den Grünen hat viel vorzuweisen

Der gelernte Parkettleger hat oft genug bewiesen, dass er ein Macher ist. Einst als sachkundiger Bürger für die CDU/FDP-Fraktion in Werneuchen in die Kommunalpolitik gekommen, wurde er später auf der offenen Liste für die Wählerinitiative Werneuchen in die Stadtverordnetenversammlung gewählt. Etliche Vorlagen tragen seine Handschrift. Sozialarbeiter in der Grundschule, Mitfahrerbänke, der kommunale Wärmeplan oder die Wassergeld-Hilferichtlinie sind umgesetzte Beschlüsse, die auf ihn zurückgehen.

2019 schloss sich Gellert den Grünen an. „Wenn man politisch etwas bewegen will in unserem System, muss man einer Partei angehören“, ist er überzeugt. Die Grünen sind „seine“ Partei, sagt Gellert. Auch wenn er kein „typischer Grüner“ sei, sich eher als „Linker“ als als „Realo“ sehe. Aber vor allem das Thema Energiepolitik hat es ihm angetan.

„Wir schaffen es nicht, die Leute mitzunehmen“

Dass seine Partei in der Wählergunst stark gesunken ist, weil sie so sehr als Verbotspartei wahrgenommen wird, ärgert Gellert, der mit Frau und den drei Söhnen auf einem Bauernhof im Werneuchener Stadtteil Weesow lebt. „Wir schaffen es gerade nicht, die Leute richtig mitzunehmen mit dem, was wir sagen wollen“, kritisiert er. „Wir sollten den Menschen klarmachen: Da kommt keiner, der euch die Gasheizung abdreht. Sondern da kommt einer, der euch sagt, wie ihr euch mit Wärmequellen ausstatten könnt, die ihr auch in Zukunft noch bezahlen könnt.“

Man müsse den Menschen die anstehenden Zumutungen erklären und ihnen gleichzeitig vermitteln, dass sie damit nicht alleine gelassen würden und es neben der Unvermeidlichkeit der Veränderung eine lebenswerte Zukunft gebe, so Gellert. „Wir müssen sie einladen, diesen Weg der Transformation gemeinsam mit uns zu gehen und zu gestalten.“

Bürger sollen vom Ausbau der erneuerbaren Energien mehr profitieren

Erneuerbare Energien sind Gellerts Steckenpferd. Bürger müssten viel mehr durch den Ausbau erneuerbarer Energien partizipieren können, findet er. „Derzeit produzieren wir in Brandenburg den günstigsten Strom, bezahlen aber am meisten dafür. Das darf nicht sein“, findet Gellert, der sich für Änderung der Leitungsentgeltgesetze ausspricht.

Neben seiner Arbeit als Stadtverordneter ist der Landtagskandidat, der als einziger Bewerber mit 24 Stimmen von 27 Wahlberechtigten gewählt wurde, auch Ortsvorsteher in seinem Heimatort Weesow. Dort haben die Grünen – vermutlich beispielhaft für Brandenburg – eine Zwei-Drittel-Mehrheit erreicht. Daneben ist er Co-Sprecher des Kreisverbandes seiner Partei.

Bleibt da noch Zeit für eine Kandidatur als Landtagskandidat? Ja, sagt Gellert, der das Image seiner Partei in seinem Wahlkreis bereinigen will. „Wir müssen den Menschen zuhören und ihre berechtigten Ängste wahr- und ernstnehmen. Das können unsere politischen Mitbewerber besser als wir“, räumt er ein. Und das will er ändern.

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