ArcelorMittal Eisenhüttenstadt: Eine ganz neue Krise – Bahn sorgt 2020 für Good News

Stahlaktionstag im Oktober 2020 in Eisenhüttenstadt. Mitarbeiter von ArcelorMittal ziehen durch die Stadt. Mit dabei ist auch Luca Hoffmann.
Frank Groneberg- ArcelorMittal Eisenhüttenstadt leidet unter Kurzarbeit und Produktionskürzungen wegen Covid-19.
- Brandenburgs Ministerpräsident Woidke besucht das Werk im Juni 2020.
- DB Cargo investiert in neue Waggons und Spezialbehälter, um Rohstoffe zu transportieren.
- Gewerkschaft befürchtet Personalabbau, trotz leichter Nachfrageerholung.
- Demonstration für klimaneutrale Stahlproduktion im Oktober 2020.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Die Corona-Pandemie hat die Stahlindustrie in eine weitere tiefe Krise gestürzt. Das Jahr 2020 steht ganz im Zeichen von Covid-19. Kurzarbeit ist nur eine Folge. Neben den Ängsten um die eigene Gesundheit kommen die um den Job hinzu.
Im März gibt der weltgrößte Stahlkonzern die erste Erklärung zum Coronavirus-Ausbruch heraus: „ArcelorMittal nimmt die mit dem Ausbruch des Coronavirus verbundenen Risiken sehr ernst. Bei allen globalen Aktivitäten befolgen wir die Ratschläge und Richtlinien der Regierung und der Weltgesundheitsorganisation, um die Mitarbeiter zu schützen und die Ausbreitung von Infektionen zu verhindern“, heißt es da.
In Deutschland sind die Standorte Bremen, Bottrop und Eisenhüttenstadt von Produktionskürzungen betroffen. Kurzarbeit wird sofort umgesetzt. In Bremen wird der Hochofen 3, der erst Anfang Januar wieder in Betrieb ging, erneut stillgelegt.
Produktion teilweise gestoppt – Kurzarbeit bei ArcelorMittal
Da geht fast unter, dass ArcelorMittal die Mitgliedsstaaten und die Mitglieder des Europäischen Parlaments gerade erst aufgefordert hat, die Einführung eines CO₂-Grenzausgleichs als Teil des eine Billion Euro schweren Green Deals der EU zu unterstützen, der zum Ziel hat, die gesamte Region bis 2050 CO₂-neutral zu gestalten.
Mit dem CO₂-Grenzausgleich würden bei der Einfuhr von Stahl in die EU die Kosten für CO₂, die die europäischen Produzenten zahlen, zum importierten Stahl hinzugerechnet. Durch diesen Ausgleich der Kosten wird ein fairer Markt geschaffen. Und das sei entscheidend, um Investitionen in eine Stahlproduktion mit geringeren Emissionen zu fördern.
Infolge des teilweisen Corona-Shutdowns fällt die Stahlproduktion deutlich. Wie an allen europäischen Standorten von ArcelorMittal wird auch in Eisenhüttenstadt die Produktion drastisch heruntergefahren, teilweise komplett gestoppt.
Dabei war die Stahlindustrie bereits vorher in einer wirtschaftlich schwierigen Lage: Nach wie vor drücken unfaire Importe in hohem Maße auf die Wettbewerbsfähigkeit. Nun kommen starke Produktionsrückgänge aufgrund der Pandemie hinzu. Ein Großteil der 2700 Mitarbeiter in Eisenhüttenstadt befindet sich Mitte des Jahres in Kurzarbeit.
Woidke im Werk in Eisenhüttenstadt
Im Juni 2020 macht sich Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke bei ArcelorMittal Eisenhüttenstadt (AMEH) ein Bild von der Arbeit unter Pandemiebedingungen. Er sagt: „Uns ist die derzeitige schwierige Situation der Unternehmen und Beschäftigten der Stahlindustrie sehr bewusst. Im Rahmen der Stahlallianz haben wir uns gemeinsam mit den anderen Stahl-Bundesländern bereits vor der Corona-Pandemie intensiv für faire Rahmenbedingungen am Markt eingesetzt.
Damit der Stahlstandort Eisenhüttenstadt auch langfristig im internationalen Wettbewerb bestehen kann, ist eine zukunftsorientierte Ausrichtung von ArcelorMittal wichtig. Das hat das Unternehmen im Blick, davon konnte ich mich heute überzeugen. Die Stichworte lauten Wasserstoff und Erneuerbare Energien.“
Reiner Blaschek, der Vorsitzende der Geschäftsführungen der ArcelorMittal-Werke in Eisenhüttenstadt und Bremen, rechnet damit, dass die schwerste Zeit im dritten Quartal kommt. Und als sei die Kurzarbeit bei ArcelorMittal Eisenhüttenstadt nicht schon genug, stehen im Juni das Roheisenwerk und das Stahlwerk aufgrund einer Reparatur des Hochofens mehrere Tage. Dieser wird zwar bald wieder angeblasen, köchelt aber auf niedrigem Niveau. Auch in anderen Bereichen ist die Produktion gedrosselt, bestimmte Anlagen produzieren gar nicht.
Schnelle Erholung nicht in Sicht
Blaschek sagt: „Der Stahlmarkt ist in fast allen Segmenten dramatisch eingebrochen. Dabei zeigen sich starke Unterschiede zwischen Auto- und Industriekunden. Der Produktionsstopp in der Automobilindustrie hat uns besonders hart getroffen [...] Erschwert wurde diese Situation noch durch die kurzfristige Schließung der Grenzen in Europa.“ Die wirtschaftlichen Folgen, die das Coronavirus ausgelöst hat, seien immens und weltweit. Man sollte daher nicht mit einer schnellen Erholung rechnen, so der CEO.
In der zweiten Jahreshälfte geht die Jobangst um. Die Gewerkschaft befürchtet, dass die Corona-Krise dazu genutzt wird, die Belegschaft zu minimieren. Ende September wird vor dem Werktor zu einem Aktionstag aufgerufen. Da hilft auch nicht, dass aktuell eine Erholung der Nachfrage zu beobachtet ist. „Auf Grund von Reparaturstillständen an anderen Standorten des Konzerns in Europa wird derzeit in Eisenhüttenstadt mehr produziert.“ Und die Geschäftsführung hat das Ziel, betriebsbedingte Kündigungen zu vermeiden.
Oktober 2020 – Demonstration durch Eisenhüttenstadt
Bei einer im Oktober folgenden Demonstration der Stahlarbeiter durch die Stadt geht es auch um die Transformation der Stahlproduktion: Dass die Landesregierung zur Stahlindustrie im Land steht, betont Brandenburgs Wirtschaftsminister Jörg Steinbach (SPD). „Ihr müsst hier bleiben, müsst hier produzieren“, ruft er den Metallern zu. Die Umstellung auf eine klimaneutrale Stahlproduktion werde „ohne Unterstützung und staatliche Beihilfen nicht gelingen“ – das wisse die Landesregierung. „Wir werden uns bemühen, dafür Geld aus der Europäischen Union hierher zu holen.“

Stahlaktionstag im Oktober 2020 in Eisenhüttenstadt. Mitarbeiter von ArcelorMittal ziehen durch die Stadt
Frank GronebergEnde des Jahres folgt mal wieder eine positive Nachricht: ArcelorMittal und die DB Cargo schließen im Oktober einen Zehnjahresvertrag über den Transport und den Umschlag von Rohstoffen unter Einsatz innovativer Technologie am Standort Eisenhüttenstadt. Dafür investiert der Logistikdienstleister in über 350 neue Waggons und 1400 Spezialbehälter.
Als weitere Neuerung errichtet DB Cargo in Zusammenarbeit mit der Firma Innofreight zwei teilautomatisierte Entladeanlagen inklusive Entstaubung in Eisenhüttenstadt und wird diese selbst betreiben.
Das neue Jahrtausend bei ArcelorMittal Eisenhüttenstadt – ein historischer Adventskalender
Das neue Jahrtausend zählt 24 Jahre, genauso viele Türen hat ein Adventskalender. Aus diesem Grund öffnen wir bis 24. Dezember jeden Tag das Fenster in ein altes Jahr, und zwar mit Blick auf ArcelorMittal Eisenhüttenstadt.
Hier geht es zu den bereits erschienenen Beiträgen:
- 2001 – Die Stahlwelt wird durchgeruckelt und EKO ist mittendrin
- 2002 – Rassismus als Grund für Kündigung
- 2003 – Massiver Stellenabbau und ZUG geplant
- 2004 – Boom in der Stahlbranche und ein Brand
- 2005 – Lohnverzicht und Millionen für Schulden-Stadt
- 2006 – Milliardär fliegt ein nach Mega-Fusion
- 2007 – Warum 2007 für EKO-Stahl-Mitarbeiter ein Fest war
- 2008 – Erst Formel 1, dann großer Absturz
- 2009 – Mit Kurzarbeit und Fitness durch die Krise
- 2010 – Preisschock – Rohstoffe enorm teuer
- 2011 – Warum eine Glocke den Stahlwerk-Namen trägt
- 2012 – Auto der Zukunft mit neuer Stahl-Sorte
- 2013 – Erfolgreiches Stahl-Jahr und ein Trauerfall
- 2014 – Strompreis bedroht Industrie – Stahl-Chef warnt
- 2015 – Hund schützt Hochofen und zwei Inder rocken Hütte
- 2016 – Ohne Stahl ist alles doof – Groß-Demo in Brüssel
- 2017 – Rekord am Hochofen und eine Auszeichnung
- 2018 – Heißer Tag für Botschafter aus Ukraine
- 2019 – Das kleine Gent in einem Boot mit Bremen
- 2020 – Eine ganz neue Krise – Bahn sorgt 2020 für Good News
- 2021 – Scharfe Kontrollen am Tor und klare Ansage
- 2022 – Schwerer Unfall am Hochofen und große Sorgen
- 2023 – Millionen-Investitionen in LED und Wasserstoff
- 2024 – Wichtige Botschaft von Mittal zum Finale im Jahr 2024















