ArcelorMittal Eisenhüttenstadt
: Scharfe Kontrollen am Tor – klare Ansage aus 2021

Nervenaufreibend ist es bei ArcelorMittal Eisenhüttenstadt oft gewesen. Aber 2021 stellt das Stahlunternehmen vor besondere Herausforderungen. Der historische Adventskalender.
Von
Janet Neiser
Eisenhüttenstadt
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November 2021: 3G-Kontrollen am Werktor von ArcelorMittal Eisenhüttenstadt

Kontrollen am Werktor von ArcelorMittal Eisenhüttenstadt: Ab November 2021 mussten auch in dem Stahlunternehmen die sogenannten 3G-Regeln aufgrund der Corona-Pandemie umgesetzt werden.

Janet Neiser
  • ArcelorMittal Eisenhüttenstadt führte ab November 2021 strikte 3G-Regeln ein.
  • Der Hochofen 5A wird voraussichtlich 2025 abgeschaltet.
  • Transformation zur grünen Stahlproduktion mit Wasserstoff und DRI-Anlagen.
  • Im September 2021: ResponsibleSteel-Zertifizierung und 70. Geburtstag von Hochofen I.
  • ArcelorMittal spendete 50.000 Euro für Hochwasserkatastrophenhilfe.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Das Aus des Hochofens 5A in Eisenhüttenstadt ist plötzlich näher als jemals gedacht. 2025 oder 2026 werden genannt, als die Geschäftsführung der beiden deutschen Flachstahlstandorte von ArcelorMittal im Frühjahr 2021 erklärt, wie die Transformation der Stahlproduktion dort funktionieren soll.

Der Weg, den der weltweit größte Stahlkonzern in Bremen und Eisenhüttenstadt beschreiten will, um grünen Stahl zu produzieren, geht einher mit der Abkehr von der traditionellen Hochofenroute zur Roheisenherstellung. Diese Nachricht versetzt manch Eisenhüttenstädter in Schockstarre.

Benötigt werden stattdessen eine Anlage zur Direktreduktion des Eisenerzes. DRI-Anlage heißt das im Fachjargon und das steht für Direct Reduced Iron. Außerdem sind für die Dekarbonisierung Elektrolichtbogenöfen notwendig.

In Europa wird wahrscheinlich kein konventioneller Hochofen mehr neu zugestellt. Die Hochöfen, die jetzt produzieren, laufen weiter, so lange wie ihre Lebensdauer ist.

ArcelorMittal Eisenhüttenstadt – Corona-Krise dauert an

Schon damals sagt Reiner Blaschek, der CEO. Das Vorhaben funktioniere nur dann, wenn die Politik für die nötigen Rahmenbedingungen und faire Wettbewerbsbedingungen sorgt. Denn zu den hohen Investitionskosten – allein in Europa werden das für ArcelorMittal mehrere Milliarden Euro sein – kommen auch höhere Produktionskosten.

Das hat ArcelorMittal in Eisenhüttenstadt und Bremen vor (Stand Mai 2021)

Bremen: Mit Wasserstoff und Eisenschwamm zum Ziel
Am Standort Bremen plant ArcelorMittal, zunächst durch das Einspeisen von Erdgas und später von Wasserstoff in den Hochofen, die CO2-Emissionen zu reduzieren. Zur klimaneutralen Wasserstoff-produktion soll außerdem der Aufbau von Elektrolyse-Kapazitäten in Bremen beitragen.

In einer neuen Direktreduktionsanlage will ArcelorMittal mit dem Projekt DRIBE grünen DRI erzeugen, der in einem zu errichtenden Elektrolichtbogenofen klimaneutral zu Stahl verarbeitet werden soll. Die DRI-Anlage in Bremen wird den Standort Eisenhüttenstadt zu Beginn mitversorgen.

Eisenhüttenstadt: Technologiewechsel über Erdgas zu Wasserstoff
Am Standort Eisenhüttenstadt ist die Verwendung von Wasserstoff mit dem DRIBE-Projekt elementarer Bestandteil der Zukunftsstrategie, langfristig wird der Technologiewechsel zur Direktreduktion von Eisenerz mit Wasserstoff angestrebt.

Als Brückentechnologie wird zunächst Erdgas in den Hochofen eingeblasen, bis grüner Wasserstoff im benötigten Umfang und zu wettbewerbsfähigen Kosten zur Verfügung steht. Der Konzern plant eine innovative DRI-Anlage wie auch einen Elektrolichtbogenofen in Eisenhüttenstadt für die klimaneutrale Produktion.

Immerhin, die Auslastung geht wieder nach oben. „Nach einem schwierigen Krisenjahr 2020, als wir bis zum dritten Quartal massive Einbrüche und Kurzarbeit an beiden Standorten hatten, sehen wir in den letzten sechs Monaten kontinuierliche Verbesserung“, betont Blaschek. Im ersten Quartal 2021 habe man eine „gute Auslastung“ auf einem Niveau, das vergleichbar sei mit dem vor der Corona-Krise.

Die Corona-Krise ist noch längst nicht überwunden, die Zukunft der Stahlproduktion steht in den Sternen, dennoch fordern die Metaller im Osten mehr Geld. Der AMEH-Betriebsrat rechtfertigt dies. „Es ist wichtig, wenn unsere Beschäftigten das Geld, das sie verdienen oder erarbeiten, auch hier ausgeben. Wir brauchen die Gaststätten, die Kultureinrichtungen und die Geschäfte. Alles, was auch durch das Einkommen unserer Beschäftigten überleben kann, überlebt nicht, wenn wir Zurückhaltung üben. Wir sind mit einer sehr moderaten Forderung unterwegs, vor allem wenn wir sehen, wie die Stahlindustrie sich gerade wieder entwickelt. Die Auftragsbücher sind sehr, sehr voll, die Nachfrage ist hoch.“

ArcelorMittal Eisenhüttenstadt: Azubis auf dem Weg zur Weltspitze

Zwei Elektroniker-Azubis von ArcelorMittal Eisenhüttenstadt wollen derweil in die Weltspitze aufsteigen. Kai Schmidt und Stanley Paschke wollen in Dresden, wo der beste Berufsnachwuchs im Bereich Anlagenelektrik und Automatisierung gesucht wird, ein Ticket für die Weltmeisterschaft bei den WorldSkills 2022 lösen.

  • Dirk Vogeler, Betriebsratsvorsitzender von ArcelorMittal Eisenhüttenstadt

    Dirk Vogeler, Betriebsratsvorsitzender von ArcelorMittal Eisenhüttenstadt

    Ramona Behrend
  • März 2021: Warnstreik mit der IG Metall bei ArcelorMittal Eisenhüttenstadt. Es geht u.a. um vier Prozent mehr im Portemonnaie.

    März 2021: Warnstreik mit der IG Metall bei ArcelorMittal Eisenhüttenstadt. Es geht u.a. um vier Prozent mehr im Portemonnaie.

    Gerrit Freitag
  • Juni 2021: Annalena Baerbock, damals Parteivorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen zu Besuch bei ArcelorMittal Eisnehüttenstadt

    Juni 2021: Juni 2021: Annalena Baerbock, damals Parteivorsitzende und Kanzlerkandidatin von Bündnis 90/Die Grünen, zu Besuch bei ArcelorMittal Eisenhüttenstadt

    Gerrit Freitag
  • Juni 2021: Annalena Baerbock, damals Parteivorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen zu Besuch bei ArcelorMittal Eisnehüttenstadt

    Juni 2021: Juni 2021: Annalena Baerbock, damals Parteivorsitzende und Kanzlerkandidatin von Bündnis 90/Die Grünen, zu Besuch bei ArcelorMittal Eisenhüttenstadt

    Gerrit Freitag
  • Juni 2021: DRI in einer Verpackung, die Annalena Baerbock bei ihrem Besuch bei ArcelorMittal Eisenhüttenstadt geschenkt bekommt.

    Juni 2021: DRI in einer Verpackung, die Annalena Baerbock bei ihrem Besuch bei ArcelorMittal Eisenhüttenstadt geschenkt bekommt.

    Janet Neiser
  • Juni 2021: Impfaktion bei ArcelorMittal Eisenhüttenstadt - der betriebsmedizinische Dienst hat mit dem Impfen gegen Covid-19 begonnen.

    Juni 2021: Impfaktion bei ArcelorMittal Eisenhüttenstadt - der betriebsmedizinische Dienst hat mit dem Impfen gegen Covid-19 begonnen.

    Janet Neiser
  • Juni 2021: Azubis des berufsbildungszentrums von ArcelorMittal beteiligen sich an bundesweitem Wettbewerb im Berufsfeld Anlagentechnik. Stanley Paschke, l., und Kai Schmidt sind in Dresden dabei.

    Juni 2021: Azubis des berufsbildungszentrums von ArcelorMittal beteiligen sich an bundesweitem Wettbewerb im Berufsfeld Anlagentechnik. Stanley Paschke, l., und Kai Schmidt sind in Dresden dabei.

    Gerrit Freitag
  • Juli 2021: Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) besucht ArcelorMittal Eisenhüttenstadt und schaut sich u.a. das Warmwalzwerk an.

    Juli 2021: Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) besucht ArcelorMittal Eisenhüttenstadt und schaut sich u.a. das Warmwalzwerk an.

    Gerrit Freitag
  • September 2021: ArcelorMittal Eisenhüttenstadt hat das Zertifikat Responsible Steel erhalten.

    September 2021: ArcelorMittal Eisenhüttenstadt hat das Zertifikat Responsible Steel erhalten.

    Janet Neiser
  • Hochofen 5 von ArcelorMittal Eisenhüttenstadt im OKtober 2021

    Hochofen 5 von ArcelorMittal Eisenhüttenstadt im OKtober 2021

    Bernd Geller
  • November 2021: 3G-Kontrollen am Werktor von ArcelorMittal Eisenhüttenstadt

    November 2021: 3G-Kontrollen am Werktor von ArcelorMittal Eisenhüttenstadt

    Janet Neiser
  • November 2021: 3G-Kontrollen bei ArcelorMittal Eisenhüttenstadt

    November 2021: 3G-Kontrollen bei ArcelorMittal Eisenhüttenstadt

    Janet Neiser
  • November 2021: 3G-Kontrollen bei ArcelorMittal Eisenhüttenstadt

    November 2021: 3G-Kontrollen bei ArcelorMittal Eisenhüttenstadt

    Janet Neiser
  • Blick auf ArcelorMittal Eisenhüttenstadt im Jahr 2021

    Blick auf ArcelorMittal Eisenhüttenstadt im Jahr 2021

    Bernd Geller
  • ArcelorMittal Eisenhüttenstadt 2021: Arbeitsdirektor Michael Bach und Sprecher Herbert Nicolaus

    ArcelorMittal Eisenhüttenstadt 2021: Arbeitsdirektor Michael Bach und Sprecher Herbert Nicolaus

    Janet Neiser
  • ArcelorMittal Eisenhüttenstadt spendet an den Kinderhospizdienst Nora und die Obdachlosen-Wohnhilfe

    ArcelorMittal Eisenhüttenstadt spendet an den Kinderhospizdienst Nora und die Obdachlosen-Wohnhilfe

    Bernd Geller
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Wie das mit der grünen Stahlproduktion laufen soll, schaut sich die damalige Kanzlerkandidatin von Bündnis 90/Die Grünen in Eisenhüttenstadt im Juni an. Annalena Baerbock bekommt sogar einen  Staffelstab mit DRI-Pellets und der Aufschrift „Auf dem Weg zum grünen Stahl“ geschenkt.

Und obwohl Eisenhüttenstadt und auch das dortige Stahlunternehmen politisch wahrlich keine Grünen-Hochburg ist, spricht sie mit der Belegschaft und erklärt: „Wir müssen diesen Wandel so gestalten, dass es Sicherheit für alle Beschäftigen gibt. Dass dieser Standort gesichert wird, das ist mir das zentrale Anliegen“, betont sie. „Sie brauchen die Sicherheit, dass die Wasserstoffleitung steht, wenn ihr Hochofen ausgeht. Sie brauchen Sicherheit, wenn grüner Stahl teurer wird.“

Strikte Zugangsregeln bei ArcelorMittal Eisenhüttenstadt

Als Annalena Baerbock das Werk besucht, ist dieses nur noch wenige Monate entfernt von strikten Zugangsregeln. Denn ab November erlebt das Unternehmen etwa noch nie Dagewesenes: Der Gang zum Arbeitsplatz wird strikt geregelt – bundesweit. Zutritt hat nur noch, wer geimpft, genesen oder getestet ist. Hintergrund der sogenannten 3G-Regel, die sowohl für Büros als auch für Baustellen, Werkshallen und Kantinen gilt, ist die andauernde Corona-Pandemie.

Für ArcelorMittal in Eisenhüttenstadt ist es ein Kraftakt. Denn in dem Unternehmen passieren täglich mehrere Hunderte Mitarbeiter die Werkstore – in mehreren Schichten.

Ab dem 24. November gibt es zwei Wege ins Werk: einer geht durch das Tor 1, der andere durch das Tor 2, also die Schönfließer Wache. Die erste Variante dürfen die nutzen, die geimpft, genesen oder offiziell getestet sind.

Die zweite ist für alle anderen, die eben genau das nicht sind. Die müssen ins 3G-Kontrollzentrum, das noch vor dem Tor 2 zu durchlaufen ist. Dort werden sie auf Corona getestet, ansonsten dürfen sie nicht zum Arbeitsplatz – so verlangt es das bundesweite Infektionsschutzgesetz.

Bereits im Juni hat der betriebsmedizinische Dienst mit dem Impfen gegen Covid-19 begonnen.

Juni 2021: Annalena Baerbock, damals Parteivorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen zu Besuch bei ArcelorMittal Eisnehüttenstadt

Juni 2021: Annalena Baerbock, damals Parteivorsitzende und Kanzlerkandidatin von Bündnis 90/Die Grünen, zu Besuch bei ArcelorMittal Eisenhüttenstadt

Gerrit Freitag

ArcelorMittal: Auszeichnung, Geburtstag und Demo

Aber auch hinter und vor den verschlossenen Schranken ist 2021 jede Menge passiert: ArcelorMittal Eisenhüttenstadt wird im September zertifiziert, und zwar für Nachhaltigkeit in der Stahlbranche. ResponsibleSteel heißt das Gütesiegel. Ins Deutsche übersetzt könnte man sagen: Verantwortungsbewusste Stahlproduktion, und zwar vom Einsatz der Rohstoffe über die Herstellung bis hin zum Endkunden.

Am 19. September feiert der Hochofen I seinen 70. Geburtstag.  Jahren, am 19. September 1951, drängelten sich Menschenmassen – Hüttenwerker und Gäste von fern und nah – vor dem Hochofen I in der neuen sozialistischen Stadt, die noch nicht mal einen offiziellen Namen hatte. Im Jahr 2021 ist der Hochofen nur noch ein technisches Denkmal.

Im Oktober demonstrieren Tausende Stahl- und Metallarbeiter in Berlin für einen gerechten sozial-ökologischen Wandel der Stahlindustrie. Die IG Metall hatte zuvor zu Kundgebungen unter dem Motto „FairWandel“ aufgerufen. Auch aus Eisenhüttenstadt fahren mehrere Busse nach Berlin. Darin saßen rund 500 Menschen, vor allem Beschäftigte von ArcelorMittal Eisenhüttenstadt (AMEH).

ArcelorMittal Eisenhüttenstadt 2021: Preis und Spenden

Im November wird ArcelorMittal Eisenhüttenstadt mit dem Brandenburger Innovationspreis im Sektor Metall ausgezeichnet. „Innovationen aus Brandenburg für den Weltmarkt“ lautet das Motto des Preises. Mit Methoden der künstlichen Intelligenz (KI) und des Machine Learning (ML) wurden die Produktionsprozesse im Stahlwerksbereich so optimiert, dass eine Verbesserung der Oberflächenqualität für Hochwertgüten für die Automobilindustrie um bis zu 50 Prozent erreicht wurde, heißt es in der Begründung.

Und auch gespendet wird wieder: ArcelorMittal Germany Standorte spendet im Sommer 50.000 Euro zur Bewältigung der Hochwasserkatastrophe in Deutschland, bei der im Juli 2021 mehr als 180 Menschen gestorben waren. 10.000 Euro gehen an die Stadt Altena in Nordrhein-Westfalen, 40.000 Euro an die „Aktion Deutschland Hilft“.

Im Dezember gehen je 2500 Euro von ArcelorMittal Eisenhüttenstadt an den Ambulanten Kinderhospizdienst Nora und die Obdachlosenwohnhilfe.

Das neue Jahrtausend bei ArcelorMittal Eisenhüttenstadt – ein historischer Adventskalender

Das neue Jahrtausend zählt 24 Jahre, genauso viele Türen hat ein Adventskalender. Aus diesem Grund öffnen wir bis 24. Dezember jeden Tag das Fenster in ein altes Jahr, und zwar mit Blick auf ArcelorMittal Eisenhüttenstadt.

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