Wildtier in Eisenhüttenstadt
: Tierheimchefin erlebt seltenes Wunder

Wildunfälle, verletzte Rehe und verwaiste Kitze fordern das Tierheim am See bei Eisenhüttenstadt. Jana Feister hilft oft, obwohl eigentlich Jagdpächter und Polizei zuerst gefragt sind.
Von
Hagen Bernard
Eisenhüttenstadt
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Tierheimleiterin Jana Feister mit Damhirsch Norbert: Er wurde als junges Kalb vor sieben Jahren aufgenommen.

Tierheimleiterin Jana Feister mit Damhirsch Norbert: Er wurde als junges Kalb vor sieben Jahren aufgenommen.

Hagen Bernard
  • Tierheimleiterin Jana Feister posiert mit Damhirsch Norbert.
  • Norbert kam als junges Kalb vor sieben Jahren ins Tierheim.
  • Das Tier lebt seitdem dort in Obhut.
  • Foto: Hagen Bernard.

Die Zusammenfassung wurde von einer generativen künstlichen Intelligenz erstellt.

Mit dem Herbst steigt auch wieder die Zahl der Wildunfälle. Immer wieder kommt es vor, dass Passanten verletzte Tiere am Straßenrand entdecken – lebend, verängstigt und hilflos. Dann landet der Notruf mitunter auch bei Jana Feister. Sie leitet das Tierheim am See an der Grenze zwischen Eisenhüttenstadt und der Gemeinde Vogelsang – und erlebt dort immer wieder bewegende Schicksale.

So wurde Mitte Oktober 2026 ein etwa einjähriger Rehbock ins Tierheim gebracht. Das Tier war angefahren worden. Eigentlich, erklärt Jana Feister, sei in solchen Fällen der Jagdpächter zuständig. Er entscheide, was mit dem Wildtier geschieht. „Aufgrund einer Fehlinformation hatte eine Person den verletzten Rehbock direkt zu uns gebracht“, sagt sie.

Ein Tierarzt schiente den linken Hinterlauf des jungen Tieres. Doch Jana Feister weiß: Nicht jedes angefahrene Wildtier kann gerettet werden. „Oft sterben die Tiere an inneren Verletzungen. In diesem Fall scheinen wir großes Glück zu haben.“ Der Rehbock liegt in einer abgedunkelten Pferdebox, kommt langsam zur Ruhe und scheint sich tatsächlich zu erholen. „So etwas ist ganz selten“, sagt sie.

Warum Rehe in Haltung so schwierig sind

Besonders freut Jana Feister, dass es in der Region eine gute Abstimmung mit den Jagdpächtern gibt. „Ich bin glücklich, dass Nico mit hoher Wahrscheinlichkeit überlebt.“ Seinen Namen bekam der Rehbock von den Kindern der Finderin.

Doch selbst wenn Nico gesund wird, bleibt eine schwierige Frage: Was passiert danach? „Wenn Wildtiere einmal in Freiheit gelebt haben, wollen sie sich auch wieder frei bewegen“, sagt Jana Feister. „Es bringt nichts, wenn ein Tier später nur noch am Zaun entlang springt.“

Gerade Rehe seien in der Haltung besonders anspruchsvoll. „Damwild kann man zufüttern, Rehe nicht so einfach“, erklärt sie. Rehe bräuchten große Flächen, auf denen sie Kräuter, Triebe und Knospen finden. „Von Heu allein würden sie verhungern.“

Während der Behandlung beim Tierarzt: das einjährige Reh Nico

Während der Behandlung beim Tierarzt: das einjährige Reh Nico. Es wird höchstwahrscheinlich durchkommen.

Jana Feister

Wie viel Hingabe die Pflege junger Wildtiere verlangt, zeigen zwei Rehkitze, die im späten Frühjahr innerhalb nur einer Woche ins Tierheim kamen. Beide waren erst wenige Tage alt und ohne ihre Mutter gefunden worden. Heute heißen sie Hanni und Maxi – und reagieren bereits auf ihre Namen.

„Es kann bei der Ernte passieren, dass eine Ricke ihr Junges nicht mehr annimmt, wenn es mit Maschinen oder Menschen in Berührung gekommen ist“, erklärt Jana Feister. Wochenlang fütterte sie die beiden Kitze alle zwei Stunden mit der Flasche und Ziegenmilch. „Am Anfang musste ich ihnen fast mit Gewalt etwas zu trinken geben. Sie wollten zunächst nicht und brauchten ewig.“

„Heute sind sie richtige Sturztrinker.“
Jana Feister
Die Tierheimleiterin über ihre beiden fünf Monate alten Rehe.

Inzwischen habe sich das vollkommen verändert: „Heute sind sie richtige Sturztrinker“, sagt Jana Feister fünf Monate später. Morgens bekommt jedes Kitz noch 400 Milliliter Milch, tagsüber suchen beide bereits selbst nach Futter. Abends kommen sie oft noch einmal vorbei und nehmen ein paar Schlucke.

Trotzdem sind Hanni und Maxi Menschen gegenüber bis heute vorsichtig. Ganz anders ist da Norbert, der vor sieben Jahren als Kalb ins Tierheim kam. Der rund 100 Kilogramm schwere Damhirsch ist selbst Fremden gegenüber erstaunlich zutraulich und benimmt sich, wie Jana Feister sagt, fast „wie ein gut erzogener Hund“. Sein Geweih ist allerdings nur schwach ausgeprägt, weil er kastriert wurde. „Ohne Kastration wäre er oft aggressiv geworden.“

Zieht zwei Rehkitze per Flasche groß: Jana Feister

Zieht zwei Rehkitze per Flasche groß: Tierheimleiterin Jana Feister

Hagen Bernard

Vor sieben Jahren zog Jana Feister bereits zwei Rehkitze erfolgreich auf. In den darauffolgenden Jahren habe es keinen Bedarf gegeben. In den vergangenen Jahren habe sich laut Jana Feister die Suche nach Kitzen in den Feldern vor der Ernte mittels Drohnen immer mehr bewährt. Die Jagdpächter würden die Kitze dann mit Handschuhen an den Feldrand legen, wo sie so gut wie immer durch das Muttertier wieder abgeholt würden.

Bei aller Tierliebe richtet Jana Feister aber auch einen wichtigen Appell an die Menschen: Wer ein verletztes oder vermeintlich verlassenes Wildtier findet, sollte zuerst die Polizei verständigen, die dann den Jagdpächter informiert.

Verletztes Wildtier? Polizei ist der erste Schritt

„Nur dieser darf über den Verbleib des Tieres entscheiden. Denn die Fortnahme eines Wildtieres ist auch mit Rettungsabsicht Wilderei und strafbar. Außerdem hat ein nach einem Unfall liegen gebliebenes Tier mit höchster Wahrscheinlichkeit auch innere Verletzungen und jeder Rettungsversuch würde nur ein unnötig qualvolles Ende für das Tier bedeuten.“

Dass in diesem Fall Rehbock Nico „nur“ mit einer Beinverletzung liegen blieb und zufällig eine Frau zum Unfallort kam, die ihn direkt von der Straße zog und ihn auf Grund der Fehlinformation auch noch mitnahm, ist laut Jana Feister für den Bock „Glück im Unglück“. „Natürlich helfen wir in Notfällen“, sagt Jana Feister. „Aber der erste Schritt sollte immer über die offiziellen Stellen gehen.“