BER in Schönefeld: Zoff um Hoffmannkurve – Protest gegen Flugrouten für die Katz?

Während der Sitzung der Fluglärmkommission stellte die Deutsche Flugsicherung die Routenführung unter dem PBN-Verfahren vor. Die schwarze Linie ist die Ideallinie, die roten Linien zeigen die Toleranzbereiche, in denen von der Flugroute abgewichen werden dürfe. Zusätzlich würde sich die Hoffmannkurve für das satellitengestützte Flugverfahren um mehr als zwei Kilometer Richtung Osten verschieben. Anwohner in Zeuthen, Eichwalde und Schulzendorf könnten erhöhten Lärmbelastungen ausgesetzt sein.
Screenshot/Präsentation der Fluglärmkommission/Jana Scholz- Keine Änderung der Flugrouten am BER laut Landesregierung.
- Bürgermeister von Zeuthen, Eichwalde und Schulzendorf rufen zu Protesten auf.
- Minister Tabbert bestätigt: Keine Verschiebung der Hoffmannkurve.
- Marcel Hoffmann und betroffene Bürgermeister sind fassungslos.
- Die Deutsche Flugsicherung spricht von einer missverständlichen Kartendarstellung.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Die Einführung der satellitengestützten Navigation am Flughafen BER sorgt für einigen Wirbel. Noch vor wenigen Tagen war die Rede davon, dass für die bis zum Sommer 2030 umzusetzende EU-Richtlinie, auf eine satellitengestützte Navigation (PBN-Verfahren) umzusteigen, die Verlegung der Hoffmannkurve nötig sei. Damit verbunden würden die Gemeinden Zeuthen, Eichwalde und Schulzendorf jedoch unter weiterem Fluglärm leiden.
Kurzerhand riefen die Bürgermeister zu einem schnellen Protest der Bürger auf und hoffen dabei auf rege Beteiligung. Ziel ist es, der Fluglärmkommission und der Deutschen Flugsicherung tausende Protestbriefe an die Hand zu geben und von der Verschiebung der nicht ganz unumstrittenen Hoffmannkurve um mindestens zwei Kilometer Richtung Osten, abzusehen, bzw. in Sachen Systemumstellung keinen Schnellschuss zu starten.
Infrastrukturminister Tabbert: „Verschiebung findet nicht statt“
Nun schaltet sich jedoch die brandenburgische Landesregierung in den Fall ein. Auslöser dafür ist eine sogenannte „Kleine Anfrage“ der Abgeordneten Tina Fischer, Marcel Penquitt, Ludwig Scheetz und Ines Seiler (alle SPD-Fraktion) vom 9. Dezember 2024 in Bezug auf die Einführung der satellitengestützten Navigation am Flughafen BER.
Die Anfrage wurde einen Tag bevor die Fluglärmkommission zur 111. Sitzung am 10. Dezember zusammen kam und sich erneut mit dieser Thematik befasste, eingereicht. Die Einreicher fragten, welche Begründung der Landesregierung für die geplante Verschiebung des Abflugverfahrens und damit der Hoffmannkurve vorläge?
Knapp einen Monat später, am 6. Januar antwortete der Minister im Ministerium für Infrastruktur und Landesplanung, Detlef Tabbert, mit den Worten: „Nach Aussage der DFS findet keine Veränderung bzw. Verschiebung eines Abflugverfahrens im Flughafennahbereich durch die Einführung von PBN statt.“ Heißt das, die Gemeinden machen viel Lärm um nichts?
Fassungslosigkeit beim Erfinder der Hoffmannkurve
Nicht nur Marcel Hoffmann, der einst die Hoffmannkurve erfunden hatte, kann die Antwort seitens der Landesregierung nicht fassen. „Lässt unsere Landesregierung sich von der DFS für dumm verkaufen – oder ist sie es tatsächlich?“, kommentiert der Namensgeber die Aussage der Landesregierung mit scharfen Worten — und weiter: „Hat nicht dieselbe DFS in der Fluglärmkommission Folien mit einer Verschiebung der Kurve um über 2000 Metern nach Osten und des Flugerwartungsgebietes bis zur Eisenbahnlinie in Eichwalde, Zeuthen und Wildau gezeigt?“

Privatpilot Marcel Hoffmann zeigt Flugrouten zur Lärmentlastung, die er selbst entwickelt hat.
Bernd Settnik/dpaPhilipp Martens sagt, Aussagen sind unwahr
Auch Zeuthens Gemeindechef Philipp Martens ist über die Antwort aus dem Ministerium mehr als erschrocken. „Die Landesregierung gibt Aussagen der Deutschen Flugsicherung wieder, die aus meiner Sicht und der Sicht vieler Mitglieder der Fluglärmkommission unwahr sind. Zu den berechtigten Fragen der Abgeordneten wurden seitens der Landesregierung keine Ermittlungen angestellt oder eigene Erkenntnisse generiert. Das widerspricht eindeutig dem Geist des eigenen Koalitionsvertrages“, sagt der Bürgermeister gegenüber unserem Medienhaus.
Er bedauert auch, dass in der Antwort der Landesregierung nichts davon zu lesen sei, dass die Flughafengesellschaft ein maßgeblicher Akteur bei der Einhaltung der Flugrouten und der Einführung von Lärmminderungsmaßnahmen sei. Zudem sei das Land Brandenburg einer der Gesellschafter, welches erheblichen Einfluss, auch bei der Einführung des PBN-Verfahrens, ausüben könne.

Bürgermeister Philipp Martens bei der Präsentation des Logos zum 650. Jubiläum der Gemeinde Zeuthen. Unter dem Motto Wald-Wasser-Leben: 650 Jahre Miteinander in Zeuthen kämpft der Mann für den Erhalt der Lebensqualität in Zeuthen und gegen die mögliche zunehmende Verlärmung Zeuthens.
Jana ScholzBER-Flugrouten — wie geht es jetzt weiter?
In Sachen Flugrouten scheint man sich aktuell nicht einig zu sein. Während die Bürgermeister der Gemeinden Zeuthen, Eichwalde und Schulzendorf ihre Bewohner weiterhin zum Handeln auffordern und bitten, zahlreich an der Protest-Brief-Aktion teilzunehmen, verneint die brandenburgische Landesregierung also, dass die Hoffmannkurve überhaupt verlegt werden soll.
Auch die Deutsche Flugsicherung will von einer Verschiebung der Route „D06R-1Q-West“, wie die Hoffmannkurve richtig heißt, nie etwas gesagt haben.
Gegenüber unserem Medienhaus sagte DFS-Sprecher Stefan Jaekel: „Das Verfahren, also die Hoffmannkurve, wird nicht verändert bzw. verschoben. Nur in der Kartendarstellung ist die Linie weiter östlich, weil die dargestellte Kurve formal erst am Bahnende und nicht mitten in der Bahn beginnen kann, auch wenn die Flugzeuge unverändert früh abdrehen werden.“ In einfacheren Worten ergänzt Jaekel: „Es gibt für das gleichbleibende Flugverfahren nur eine andere Kartendarstellung.“
