Landtagswahl 2024 Brandenburg
: Obenauf sieht BVB/Freie Wähler als Gegenpol zur AfD

2021 forderte Rico Obenauf Gernot Schmidt heraus, wollte ihn als Landrat beerben. Das klappte nicht. Nun kandidiert der 45-Jährige für den Landtag, um für frischen Wind zu sorgen.
Von
Claudia Braun
Neuenhagen bei Berlin
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Landtagskandidat Rico Obenauf (BVB/Freie Wähler) vor der Rennbahn Hoppegarten, die er für einen attraktiven Anziehungspunkt in seinem Wahlkreis hält.

Landtagskandidat Rico Obenauf (BVB/Freie Wähler) vor der Rennbahn Hoppegarten, die er für einen wichtigen Anziehungspunkt in seinem Wahlkreis hält.

Claudia Braun

Spätestens seit Rico Obenauf vor drei Jahren zum Herausforderer von Märkisch-Oderlands Landrat Gernot Schmidt (SPD) wurde, ist er für viele kein Unbekannter mehr. Der Rechtsanwalt aus Neuenhagen bei Berlin, der es damals bis in die Stichwahl schaffte, erhielt vor allem in den Gemeinden im Speckgürtel viel Zuspruch. Sechs Wahlkreise konnte er gewinnen, was er als Zeichen wertet, dass viele Menschen nach 16 Jahren Amtszeit einen Neuanfang wollten – „und diese Wechselstimmung spüre ich noch immer“, fügt er an.

Obenauf, seit 2019 kommunalpolitisch aktiv, spricht sich klar dagegen aus, dass Politiker mehr als drei Wahlperioden lang ihre Ämter ausüben. „Irgendwann befinden sie sich in einem starren Korsett, in dem sie sich gar nicht mehr bewegen können“, drückt er es bildlich aus. Und etwas bewegen, das möchte er, demnächst am liebsten als Abgeordneter im Landtag Brandenburg.

Obenauf: Schulweg darf nicht vier Stunden pro Tag dauern

Dass sich der Jurist, geborener Wriezener und seit 2015 mit seiner Familie in Neuenhagen bei Berlin zu Hause, politisch engagiert, nahm seinen Anfang mit einem konkreten Problem. So bekam der Vater von zwei Kindern mit, dass keineswegs gesichert sei, dass sein Sohn nach der Grundschule das Gymnasium in seiner Heimatgemeinde besuchen könne. „Im Bekanntenkreis kenne ich einen Fall, wo der Schulweg vier Stunden beträgt“, sagt er. „Wie kann das sein?“, fragte er sich damals und sei zum Schluss gekommen, dass Gemeinde, Landkreis und Land mit unterschiedlichen Zahlen arbeiten würden, den Bedarf an Plätzen unterschätzt hätten.

Für ihn sei das die Initialzündung gewesen, politisch Verantwortung zu übernehmen und mehr Lebenswirklichkeit in die Entscheidungsgremien zu bringen. Zunächst auf lokaler Ebene: Anfangs in der Wählergruppe die Parteilosen, inzwischen für die Freie Mitte Mittelzentrum, sitzt er in der Gemeindevertretung, war unter anderem Vorsitzender des Bauausschusses. Seinen Arbeitsplatz hat der Jurist als Referent im Landtag. Klappt es mit der Wahl zum Abgeordneten, möchte er „den Finger in die Wunde“ legen, wie er es formuliert. Denn einige Dinge würden im Land falsch laufen, meint er.

Rotstift wird laut Obenauf bei Infrastruktur zu schnell angesetzt

Beispiel Infrastruktur: „Es wird viel zu schnell der Rotstift angesetzt“, ist er überzeugt. Aber Straßen, Brücken, öffentlicher Personennahverkehr, wie das Busnetz in MOL, Schulen, Datenleitungen – all das und mehr müsse instandgehalten werden, notfalls mit Krediten, fügt er hinzu. „Erst komme die Pflicht, dann die Kür“, sei seine Handlungsmaxime.

Dabei dürfe im Landtag gern in der Sache diskutiert und gestritten werden, sagt er, aber „mit Respekt und Anstand.“ Im Plenum vermisse er dies vor allem bei der AfD. „Wir sind der Gegenpol zur AfD“ ist er überzeugt und meint seine Partei Brandenburger Vereinigte Bürgerbewegungen/Freie Wähler, die sich selbst als „Kraft der gesunden Mitte“ beschreibt. Sie wollten das System nicht kaputt machen, sondern verbessern, teilt er einen weiteren verbalen Hieb gegen die Rechten aus.

Deshalb posiert Obenauf mit Orange auf dem Wahlplakat

Leider seien die Orangen in der breiten Bevölkerung nicht so bekannt, ist sein Eindruck. Deshalb posieren Rico Obenauf und seine Mitstreiter für den Wiedererkennungseffekt beispielsweise mit Orangen auf Wahlplakaten. Wählerinnen und Wähler mit Argumenten überzeugen, statt ihnen mit Regelungen und Vorschriften zu kommen – das hat er sich fest vorgenommen. Dass dies klappt, würde er selbst verkörpern.

Mit dem Engagement für die Bildungspolitik fing alles an: Auf seinen Wahlplakaten, hier in Hoppegarten, posiert Rico Obenauf mit Orange.

Mit dem Engagement für die Bildungspolitik fing alles an: Auf seinen Wahlplakaten, hier in Hoppegarten, posiert Rico Obenauf mit Orange.

Claudia Braun

Wärmepumpe, E-Auto und kein Fleisch

Als er eine Wahl für die Heizung in seinem Haus treffen musste, lud ihn der Heizungsbauer seines Vertrauens zu sich nach Hause ein: „Dort war es trotz Hochsommer angenehm kühl, ohne Klimaanlage, dank Wärmepumpe. Das überzeugte mich als noch keiner von dieser Art des Kühlens und Heizens sprach“, berichtet er. Ein vom Autohaus geliehener Stromer begeisterte ihn für die Elektromobilität, sodass er aufs E-Auto umstieg. Die Argumente seiner Tochter ließen den Neuenhagener, der in seiner Freizeit gärtnert und angelt, zum Pescetarier werden, der auf Fleisch verzichtet, aber Fisch isst. Die Botschaft hinter all dem: Veränderung ist möglich. Nirgendwo sei in Stein gemeißelt, dass die SPD für immer an der Spitze Brandenburgs bleiben müsse.

Landtagswahl 2024 – Kandidatinnen und Kandidaten im Wahlkreis 31

Zum Wahlkreis 31 gehören Hoppegarten, Neuenhagen bei Berlin, Erkner, Schöneiche und Woltersdorf. Neben Rico Obenauf (BVB/Freier Wähler) bewerben sich Faina Dombrowski (Bündnis 90/Die Grünen), Jörg Vogelsänger (SPD), André Schaller (CDU), Fritz Viertel (Linke), Rainer Galla (AfD), Thomas Löb (ÖDP) und Laura Jasmin Iden (FDP) für das Direktmandat. Gewählt wird am 22. September.