Nach-Wende: Wie Geschäftsleute am Unternehmen Helenesee bei Frankfurt (Oder) scheiterten
Das Wasser blieb klar, der Strand weiß, der Wald ringsum grün – ein Paradies für Badende, Taucher, Segler, Camper . . . Doch wie nun damit umgehen? Unter neuen gesellschaftlichen und ökonomischen Bedingungen? Diese Fragen bewegten Stadtverordnete und Stadtverwaltung sehr schnell. Zunächst galt es, die Saison 1990 vorzubereiten. Mit einigen Unbekannten: Welcher Besucherstrom war angesichts neuer Reisefreiheiten zu erwarten? Und wie wirken sich marktwirtschaftliche Aspekte aus? Zudem musste der künftige Status der bislang städtischen und volkseigenen Einrichtung geklärt werden. Schnell war von einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung die Rede.
Zunächst aber wurde der Bestand erfasst. In einer Vorlage für den Rat der Stadt vom April 1990 werden unter anderem aufgezählt: 334 betriebliche Bungalows, Finn- und Campinghütten, 143 weitere Bungalows, Finn- und Campinghütten der Verwaltung der Erholungseinrichtungen, davon je 16 für Taucher und Segler, außerdem weitere 47 Bungalows am Weststrand, 83 Wohnwagenstellflächen, 480 Dauerzeltstellen, 604 Zeitzeltplätze und 100 Zeltplätze für ausländischen Tourismus. Außerdem wird aufgeführt, dass elektrische und Wasser- sowie Abwasseranlagen zwar einsatzbereit, aber erneuerungsbedürftig seien. Serviceleistungen, Einzelhandel, Müllentsorgung, Wasserrettung etc. sollten nach diesem Papier für die aktuelle Saison gesichert sein. 100 000 Mark wollte die Stadt für sportliche und kulturelle Betreuung bereitstellen.
Zur Geschichte des Helenesees:
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Die Zahl der Vertragspartner sank
Doch immer mehr Betriebe gaben ihre Ferieneinrichtungen auf, verkauften ihre Bungalows und Campingwagen an private Nutzer. Aus mehreren großen wurden Hunderte kleine Vertragspartner. Zuschüsse der Betriebe für das Erholungsgelände fielen weg. Die halbe Million Mark Gewinn, die die Helene bislang der Stadt einbrachte, war nun kaum noch zu erwarten. Und so kamen schnell Gerüchte auf, die Kommune würde die Helene wohl verkaufen. "Das ist eine Ente“, erklärte Wirtschaftsdezernent Klaus Franke im Oktober 1990. Richtig sei aber, dass die Stadt einen Pächter suche. Dieser sollte in den kommenden drei Jahren Investitionen in Höhe von sieben Millionen DM leisten.
Damit könnten die Erholungseinrichtungen etwa europäischen Standard erreichen. Außerdem sollten an den Pachtvertrag Bedingungen wie akzeptable Preise, die Weiterbeschäftigung von Mitarbeitern und die weitere Existenz von Taucher-, Segler- und Surfklubs geknüpft sein. Noch im Dezember 1990 beschlossen die Stadtverordneten mit 30 Ja-Stimmen, die Helene an den Westberliner Hotelier Helmuth Penz zu verpachten. Kritiker gab es vor allem in den Reihen der Linken, die fragten, ob nicht eine stadteigene GmbH der bessere Weg gewesen wäre. Die hätte für die notwendige Sanierung Kredite aufnehmen können. Gewinne wären bei der Stadt geblieben. Karl-Ludwig Klitzing, Stadtverordneter für das Neue Forum, sagte dagegen hoffnungsvoll: „Lassen wir uns diese Perle putzen“.
Streit statt Erneuerung
Doch selbst die größten Optimisten wurden bald enttäuscht, denn statt Meldungen über Investitionen am See, Reparaturen, Sanierung oder Modernisierung gab es in den folgenden Jahren vor allem solche über Streit mit Campern oder um Grundstücksfragen. Und auch, dass Wirtschaftsdezernent Klaus Franke und Helmuth Penz sich offenbar aus der Westberliner Bauszene kannten, gab der Verpachtung des Sees zumindest ein „Geschmäckle“. Freude löste 1994 allenfalls die Nachricht aus, dass die Eintrittspreise stabil bleiben. Und ja, es entstanden auch neue Sanitäranlagen, erste neue Bungalows und es wurde hier und da geputzt. Allerdings kündigte noch Ende 1994 der langjährige Direktor des Freizeitparks Manfred Fischer seinen Abschied an. Zu den Gründen hielt er sich bedeckt, sagte nur, dass es Entscheidungen der Geschäftsführung gab, die ohne sein Wissen getroffen worden seien.
Randale bereiten Sorgen
Nach dem Zwischenspiel eines Berliners wurde Michael Treptow Direktor am See. Der leidenschaftliche Motorradfan holte zum Beispiel ein Bikertreffen an den See, fand einen guten Draht zu ansässigen Vereinen. Neptunfeste und Misswahlen sorgten in jenen Jahren für gute Stimmung am See, Randale von vor allem rechtsradikalen Jugendlichen aber auch für viel Ärger und Sorgen. Und die großen Investitionen blieben weiter aus. Pläne für ein Sporthotel legte Generalpächter Helmuth Penz schon 1996 auf Eis, was bald auch Gerüchte über seinen Rückzug vom See nährte. Erst recht, als im Februar 1997 private Eigentümer Ansprüche auf Teile des von der Stadt an Penz verpachteten Geländes anmeldeten. Vor allem ging es dabei um Ländereien des Ex-Rittergutbesitzers Siegfried Simon in Lossow. Statt bisher 170 Hektar konnte sich die Stadt nun nur noch des Besitzes von 75 Hektar Land an der Helene sicher sein. Von Entschädigung der Erben war bald die Rede.
Kosten verursachte zu dieser Zeit auch die dringend notwendige Sanierung von Uferbereichen am See, an denen es wegen der Bergbauvergangenheit zu Abrutschen kam. Schließlich hieß es 1999: „Für acht Millionen gibt Penz den Helenesee zurück“. Die Stadt stimmt im jahrelangen Streit um den See dem Ausstieg des Generalpächters zu – gegen eine entsprechende Entschädigung. Der Betrieb des Freizeitparks indes wird ausgeschrieben. Doch auch das läuft um die Jahrtausendwende nicht ohne Gerangel. Beauftragt wird mit der Ausschreibung die Domus Consult, zu der ausgerechnet Penz über gute Kontakte verfügen soll. Mehrere Frankfurter Unternehmer steigen als Helenesee AG in den Ring, wollen aber fast wieder aussteigen, weil der von Domus vorbereitete Vertragsentwurf Bedingungen vorsieht, die, so Mitgesellschafter Bernd Horn, die AG schon bald in den Ruin treiben würden. Doch die Wogen werden geglättet, Ende 2000 übernimmt die Unternehmergruppe den Campingpark und soll ihn „wieder in ruhiges Fahrwasser“ geleiten, hofft nicht nur OB Wolfgang Pohl. Vorstandsvorsitzender der AG ist damals übrigens der ehemalige Direktor Manfred Fischer. Doch glücklich ist das Agieren der AG nicht, bald steigen erste Aktionäre aus. Bemühen um Kredite scheitern, Rechnungen und Pachten werden nicht beglichen. 2005 ist vom „Millionengrab Helene“ die Rede, wird auf ausländische Investoren gehofft.
Zwischenzeitlich gibt es mit dem von Frankfurtern gebauten Mini-U-Boot Nemo zumindest einige positive Schlagzeilen. Das Gefährt ist wie Hubschrauberrettungsvorführungen ein Hingucker bei den Neujahrstauchaktionen. Immer schöner wird auch das ehemalige GST-Gelände, auf dem die pewobe das Eurocamp betreibt und neben Ferienfreizeiten auch Treffen von Jugendlichen aus Frankfurts Partnerstädten ausrichtet. 2010 hofft AG-Chef Stefan Voss noch auf neue Investoren aus Holland, die 800 Bungalows, Seebühne und Erlebnisbad errichten wollen. Geworden ist auch daraus nichts. Im April 2012 steigt der Frankfurter Eventmanager Daniel Grabow in das Geschehen am See ein.




