Fahrrad fahren in Berlin-Spandau: Radwege in der Warteschleife – diese acht Projekte stocken

In Berlin-Spandau fehlt es gerade an hochfrequentierten Straßen an guten Fahrbahnen für Radfahrende. Falkenseer Chaussee, Magistratsweg, Nennhauser Damm sind nur einige der größeren Straßen, die dringend einen neuen Radweg benötigen.
Fabian Sommer/dpaWenn die ersten Frühlingsstrahlen dazu animieren, das Fahrrad aus dem Keller zu holen, kommt schon oft nach den ersten paar Metern die Enttäuschung: enge Wege, verwurzelte Oberflächen oder rasende Autofahrer, die zu wenig Abstand halten. Gerade an hochfrequentierten Straßen fehlt es in Berlin-Spandau an guten Fahrradwegen für Radfahrende.
„Wir wären gerne weiter mit den Radwegen“, sagt Bezirksstadtrat Thorsten Schatz. Den Grund des trägen Vorankommens sieht er vor allem darin, von landespolitischen Entscheidungen ausgebremst zu werden. Er berichtet diesem Nachrichtenportal, welche Radwege in Spandau die Sorgenkinder des Bezirks sind und wo vielleicht doch noch gebaut wird.
Baustellen in Berlin-Spandau: Kisselnallee
Am Friedhof in den Kisseln – zwischen der Radelandstraße und der Pionierstraße – sollte eigentlich schon 2023 gebaut werden. Die Problematik liege laut Schatz in der Kommunikation zwischen Bezirk und Wasserwerken.
Auf der einen Seite des potenziellen Radweges ist der Friedhof, auf der anderen Seite befinden sich sogenannte Versickerungsmulden. Diese seien für die Wasserbetriebe wichtig, weil das Areal ein Wasserschutzgebiet ist. Schatz sagt, die Planung ist fertig, die Finanzierung steht. Jetzt fehle nur noch das „Go“ der Wasserbetriebe.
Geplante Radwege in Spandau: Falkenseer Chaussee
Die Planung des Radweges auf der Falkenseer Chaussee, zwischen Wasserwerkstraße und Stadtrandstraße, hat 2018 begonnen. 2021 sollte der Bau eigentlich losgehen. „Doch dann wurde entschieden, dass die Strecke zu einer Radschnellverbindung werden soll.“
Für diese Verbindung zwischen Falkenseer Chaussee und Nonnendamm Allee würden die Zuständigkeiten nun bei der GB InfraVelo GmbH liegen – ein Tochterunternehmen der landeseigenen Grün GmbH, die das Land Berlin bei der Planung der Radinfrastruktur unterstützt. Der Projektstatus für diese Radschnellverbindung lautet: in Planung. „Wir hätten schon seit drei Jahren einen fertigen Radweg haben können“, bedauert Schatz.
Sollte 2019 gebaut werden: Brunsbütteler Damm
Auch die Strecke auf dem Brunsbütteler Damm – zwischen Magistratsweg und Nauener Straße – sollte schon 2019 gebaut werden. Dann pausierte die Planung jedoch bis 2022. Grund dafür war, dass die Straße für ein Pilotprojekt der BVG in Betracht gezogen wurde „Die damalige Staatssekretärin erklärte die Strecke als Pilotstrecke für sogenannte Streckenlader“, sagt Schatz. Diese Oberleitungsbusse kamen dann aber doch nicht. „Wir haben drei Jahre umsonst gewartet und jetzt fehlen die Mittel“, sagt der Bezirksstadtrat.
Stadtrat Spandau stoppte Radweg auf Magistratsweg
Auch auf dem Magistratsweg selbst wären ausgebaute Radwege wünschenswert. Die Verzögerung liegt dieses Mal beim Stadtrat selbst. „Den Bau habe ich gestoppt“, sagt Schatz. Nach der alten Planung müssten auf einer Strecke von knapp zwei Kilometern alle Parkplätze dem neuen Radweg weichen. Das halte Schatz für nicht tragbar. Ein neuer Kompromiss wird seitdem gesucht.
Radweg auf der Daumstraße ruht ebenfalls
Auch der Bau des Radwegabschnitts in der Daumstraße ruht 2024 weiterhin. Auf der Verbindungsstraße zur Wasserstadt fehlt laut Schatz zum einen die Abstimmung mit den Wasserwerken bezüglich der Entwässerung der Straße. Zum Anderen wird die Notwendigkeit eines Bussonderfahrstreifens diskutiert. „Wenn wir keine klaren Vorgaben haben, wie der Streckenweg aussehen soll, fangen wir nicht an zu bauen“, verweist Schatz auf einen Umstand, der laut des Stadtrats anhand des aktuellen Mobilitätsgesetzes nicht eindeutig geklärt werden kann.
Radweg der Sympathie seit neun Jahren geplant
Dieser Radweg, der Falkensee, Spandau und Brieselang verbindet, ist ein lange gehegtes Projekt. Seit gut neun Jahren steckt das Bezirksamt hier in der Planung. Kröten und Waschbären legen dem Bau Steine in den Weg. Während die Radstrecke von Falkensee aus gut ausgebaut und sogar beleuchtet ist, trifft man auf der Spandauer Seite auf unbefestigte Sandwege. Ein Gutachten der Naturschutzbehörde verhindert auf dem Teilstück, das durch Berlin läuft, den Ausbau. Doch seit kurzem komme wieder Bewegung in die Sache, verrät Schatz.
Radweg am Siemensdamm seit 2017 ein Thema
Auch der Radwege am Siemensdamm ist seit 2017 Thema im Bezirksamt. Doch dieser wird 2024 ebenfalls nicht fertig. Als Streckenabschnitt der Radschnellverbindung fällt er in die Zuständigkeit der InfraVelo GmbH. Da jedoch der Siemensdamm zukünftig stark bebaut wird, würde es nach Einschätzungen des Stadtrats eh keinen Sinn ergeben einen neuen Radweg zu bauen, wenn danach durch eine Großbaustelle die Wege wieder aufrissen werden.
Schönwalder Allee: Zehn Jahre seit Planungsstart
Mit gut zehn Jahren seit Planungsbeginn ist der Radweg auf der Schönwalder Allee einer der am längsten geplanten Wege. Der Plan war fertig, die Bauplanunterlage (BPU) erstellt. Doch diese wurde abgelehnt. Grund dafür war, dass die Prüfstelle die eingereichte BPU als „überaus problematisch und in der vorliegenden Form nicht genehmigungsfähig“ ansah, bestätigt die Pressestelle der Senatsverwaltung für Verkehr auf Nachfrage.
Bemängelt wurden die Eingriffe in die Fahrbahnkonstruktion sowie die vorgeschlagene Lösung für die Regenwasserableitung. „Anschließend konnten sich die beteiligten Akteure über einen längeren Zeitraum nicht auf eine Lösungsvariante einigen, die den Vorgaben der BPU-Prüfstelle, den Verkehrssicherheitsbelangen und den Vorgaben des Naturschutzes entsprach.“
Zur Einführung des Mobilitätsgesetzes lag also keine baureife Planung vor. Daher muss nun nach den neuen Richtlinien geplant werden. „Wir können die gesetzlich geforderten Breite nicht einhalten“, sagt Schatz. Die Finanzierung aus Landesmitteln falle damit aus und der Bezirk habe für den Ausbau kein Geld.
Seegefelder Straße: Bezirkskasse finanziert Radweg
Ähnlich lang, seit 2016, wird der Radweg auf der Seegefelder Straße – zwischen Zeppelinstraße und Viersener Straße – geplant. „Wir werden die Breiten nicht hinbekommen, die wir gesetzlich herstellen müssen“, sagt Schatz. Daher habe er nun sein grünes Licht gegeben, den Radweg aus der Bezirkskasse zu finanzieren.
Charlottenburger Chaussee: Neuer Radweg im Sommer
Ähnlich wie beim Radwege-Projekt in der Seegefelder Straße sieht es für die Fahrradstrecke an der Charlottenburger Chaussee aus. Vier Jahre wurde das Projekt geplant, bis es 2021 gestoppt wurde, weil unter anderem breitere Radwege die neue Norm waren. „Der Weg war sechs Jahre lang gesperrt“, sagt Schatz. Nach intensiver Rechtsprüfung habe er jetzt jedoch entschieden, dass aus Bezirksmitteln gebaut werden kann. Im Sommer 2024 soll der Radweg voraussichtlich schon fertig sein. Weitere Anschlussstellen an den Weg seien auch geplant.



