2. Weltkrieg in Halbe
: Einbettung von Toten auf Waldfriedhof – ohne Russland?

80 Jahre nach der Kesselschlacht von Halbe werden immer noch Tote geborgen. Sind Vertreter aus Russland zur Einbettung eingeladen? Wurden die Sicherheitsvorkehrungen erhöht?
Von
Maria Häußler
Halbe
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Bundeswehrsoldaten nehmen am 23.08.2016 auf dem Soldatenfriedhof in Halbe in Brandenburg an der Einbettung von 71 deutschen gefallenen Soldaten des Zweiten Weltkriegs durch den Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V.teil. Foto: Wolfgang Kumm/dpa ++ +++ dpa-Bildfunk +++

Gedenken auf Waldfriedhof: Die Kesselschlacht von Halbe Ende April 1945 war Teil der Schlacht um Berlin. Bis heute werden menschliche Überreste gefunden. Auch in diesem Jahr kommt es wieder zur Einbettung durch den Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge.

Wolfgang Kumm/dpa (Archiv)
  • Bei der Kesselschlacht von Halbe 1945 starben über 60.000 Menschen, 24.000 ruhen auf dem Waldfriedhof.
  • Jährlich organisiert der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge eine Gedenkveranstaltung zur Einbettung weiterer Opfer.
  • Russische Vertreter sind dieses Jahr nicht eingeladen, die Veranstaltung am 30. April bleibt offen für unangemeldete Gäste.
  • Sicherheitsvorkehrungen wurden getroffen, rechtsextreme Vereinnahmung in der Vergangenheit.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Bei der Kesselschlacht von Halbe vor 80 Jahren kamen über 60.000 Menschen ums Leben. 24.000 davon liegen auf dem Waldfriedhof in Halbe (Dahme-Spreewald). Immer wieder werden die Überreste von deutschen und sowjetischen Soldaten, sowie Zivilisten im Umkreis gefunden. Der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge veranstaltet dort jedes Jahr ein Gedenken, bei dem weitere Tote eingebettet werden. In diesem Jahr werden 100 Opfer des Zweiten Weltkriegs eine Ruhestätte auf dem Waldfriedhof finden.

Der Landesgeschäftsführer vom Volksbund, Oliver Breithaupt, steckt mitten in den Vorbereitungen. Trotzdem findet er die Zeit für ein Telefongespräch. Er rechne mit hunderten Gästen auf der diesjährigen Gedenkveranstaltung, sagt er. Sie findet am 30. April statt. Es wird eine Andacht geben, Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) hält die Gedenkrede und die Landtagspräsidentin Ulrike Liedtke übernimmt das Totengedenken.

Debatte um die Einladung russischer Vertreter bei Gedenken

Das Auswärtige Amt hatte kürzlich empfohlen, keine russischen Vertreter zu Veranstaltungen bezüglich des Kriegsendes vor 80 Jahren einzuladen. Medien berichten, dass die Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten nach eigenen Angaben plant, Vertreter der russischen und belarussischen Botschaft auszuladen. Und wie geht man in Halbe mit dem Thema um?

„Russische Vertreter sind nicht eingeladen, da es ja um die Einbettung deutscher Kriegstoter geht“, sagt Oliver Breithaupt. Früher sei es zu gegenseitigen Einladungen gekommen. „Das hat sich ab 2022 aufgrund der gesamtpolitischen Lage und des bestehenden Krieges zwischen Russland und der Ukraine geändert“, sagt Breithaupt. „Somit sehen wir nicht die Notwendigkeit die russische Botschaft ausdrücklich einzuladen, wenn wir deutsche Soldaten einbetten.“

Ausgeladen würden sie aber auch nicht. Falls russische Vertreter auftauchten, wären diese Gäste, die nicht im offiziellen Ablauf vorgesehen seien, deren Anwesenheit aber kein Problem darstelle, so Breithaupt.

Russlands Botschafter in Berlin, Sergej Netschajew, hatte an einem Gedenken an die Schlacht auf den Seelower Höhen vor 80 Jahren teilgenommen. Er war nicht eingeladen, Vertreter von Stadt und Landkreis begrüßten ihn aber freundlich. Der ukrainische Botschafter kritisierte dies.

Botschafter Sergej Netschajew kritisiert den Ausschluss

Zum 8. Mai wird der Volksbund Deutscher Kriegsgräberfürsorge keine eigene Veranstaltung durchführen. Breithaupt betont, dass jedes Jahr eine Einbettung stattfindet und die Veranstaltung nicht nur anlässlich der 80 Jahre Kriegsende durchgeführt wird.

Die Pressestelle der russischen Botschaft teilt auf Anfrage mit, dass eine Teilnahme ihrer Diplomaten an der Gedenkveranstaltung in Halbe nicht vorgesehen ist. Dazu schickt ein Sprecher eine allgemeine Stellungnahme von Botschafter Sergej Netschajew zur aktuellen Debatte.

Darin heißt es: „Entschieden weisen wir die Versuche zurück, uns eine ‚propagandistische Instrumentalisierung‘ der Gedenkveranstaltungen vorzuwerfen.“ Die Erinnerung an den an die Opfer des Sowjetvolkes hingen nicht von der aktuellen politischen Agenda ab. Netschajew bezeichnet seinerseits den Ausschluss russischer und belarussischer Vertreter vom gemeinsamen Erinnern und als Instrumentalisierung. Er kritisiert außerdem Anspielungen auf einen möglichen gewaltsamen Verweis von Vertretern auf solchen Veranstaltungen.

Die Ruhestätte der Soldaten auf dem Waldfriedhof in Halbe, das südlich von Berlin liegt, ist in der Vergangenheit von Rechtsextremen für Propagandazwecke vereinnahmt worden. Für die Veranstaltung seien „normale Sicherheitsvorkehrungen“ für eine Großveranstaltung wie diese eingeleitet worden, sagt Oliver Breithaupt. Welche Gesinnung die Besucher haben, könne er nicht sagen. „Aber wir gehen bei einer Trauerfeier nicht von politischen Vorkommnissen aus“, sagt Breithaupt. „Das wäre nur peinlich und schädlich für alle Beteiligten von links bis ganz rechts außen.“

Auch eine Sprecherin der Polizei sagt, dass man zwar darauf schaue, aber kein großes Polizeiaufgebot nötig wäre.