Achenbach in Königs Wusterhausen
: Roboter im Krankenhaus – Grund, Angst zu haben?

Seit einigen Monaten ist ein Teleroboter im Klinikum Dahme-Spreewald Achenbach Krankenhaus von Königs Wusterhausen im Einsatz. Ob er selbst Diagnosen stellt und Ärzte und Ärztinnen in Zukunft ablöst.
Von
Marlene Wetzel
Königs Wusterhausen
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Teleroboter Eric ist im Achenbach Krankenhaus von Königs Wusterhausen bei Visiten dabei, so groß wie ein Mensch und auf vier Rädern unterwegs. Eine neue Form von Roboter-Arzt?

Leonie Lehmann
  • Im Achenbach-Krankenhaus in Königs Wusterhausen fährt Teleroboter Eric bei Visiten mit.
  • Eric überträgt Bild und Ton in Echtzeit an zugeschaltete Fachärzte – kein „Roboterarzt“.
  • Ärztinnen steuern Kameras, sprechen mit dem Team und beurteilen Befunde aus der Ferne.
  • Vorteil: schnelle fachärztliche Einschätzung, wichtig für Intensivmedizin und ländliche Regionen.
  • Einschränkung bleibt die fehlende körperliche Untersuchung, Verantwortung liegt bei Ärztinnen.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Das Achenbach-Krankenhaus von Königs Wusterhausen hat einen neuen Mitarbeiter: Eric, einen Teleroboter in Lebensgröße eines Menschen, der die behandelnden Ärzte bei der Visite begleitet.

„Es kommt vor, dass Patientinnen und Patienten, Angehörige oder auch Mitarbeitende dem Telemedizin-Roboter beim ersten Kontakt mit einer gewissen Skepsis begegnen“, erzählt Dr. Adriane Kalsow, Chefärztin der Anästhesiologie und Intensivmedizin. Diese Zurückhaltung entstehe häufig dadurch, dass Roboter mit Science-Fiction oder künstlicher Intelligenz verbunden würden. Manche Menschen würden außerdem befürchten, dass der Roboter eigenständig medizinische Entscheidungen treffen oder den Arzt ersetzen würde.

Doch vor Eric muss Kalsow zufolge niemand Angst haben – im Gegenteil. Die Chefärztin erklärt, was es mit Eric auf sich hat.

Eric weniger Roboterarzt, mehr Videokonferenzsystem

Eric sei vielmehr ein großes, fahrbares Videokonferenzsystem für Ärztinnen und Ärzte als ein „Roboterarzt“, beginnt Dr. Kalsow ihre Erläuterung. Ausgestattet mit Kameras, Mikrofonen und Lautsprechern übertrage er bei Untersuchungen Bild und Ton in Echtzeit an einen zugeschalteten Arzt oder eine Ärztin.

Gerade in kleineren Krankenhäusern oder außerhalb der regulären Dienstzeiten würden nicht immer alle Fachdisziplinen unmittelbar vor Ort zur Verfügung stehen. Der Teleroboter trage dazu bei, diese Versorgungslücke zu schließen: Erfahrene Spezialistinnen und Spezialisten könnten unabhängig von ihrem Standort kurzfristig in die Behandlung eingebunden werden. Dabei steuern sie die Kamera selbst und können sich einzelne Untersuchungsergebnisse aus verschiedenen Blickwinkeln zeigen lassen, so Kalsow.

Aber nicht nur das, mit Eric könnten sie sich auch virtuell auf der Station bewegen, mit dem Behandlungsteam sprechen und medizinische Befunde, Laborwerte oder Röntgenbilder gemeinsam beurteilen, fährt Kalsow fort. Eric fungiere dabei gewissermaßen als „Augen, Ohren und Stimme“ der zugeschalteten Ärztin oder des zugeschalteten Arztes. Der Roboter führe die Visite also nicht selbst durch und treffe auch keine medizinischen Entscheidungen. Deshalb könne er auch keine Diagnose- oder Therapiefehler verursachen.

Eric ist eine wichtige Unterstützung in der Intensivmedizin

Von diesem Konzept profitieren alle Beteiligten, so Dr. Kalsow. Patientinnen und Patienten erhielten schneller eine fachärztliche Einschätzung und könnten bei Bedarf frühzeitig in ein hochspezialisiertes Zentrum verlegt werden – das sei gerade in der Intensivmedizin wichtig. Gleichzeitig werde das Behandlungsteam vor Ort durch die zusätzliche Expertise unterstützt.

Eric soll dazu beitragen, medizinisches Fachwissen dorthin zu bringen, wo es gebraucht werde – ohne dass Patientinnen und Patienten oder Ärztinnen und Ärzte zunächst weite Wege zurücklegen müssten. Gerade in ländlichen Regionen und vor dem Hintergrund des zunehmenden Fachkräftemangels biete die Telemedizin die Chance, die medizinische Versorgung weiter zu verbessern und vorhandene Ressourcen effizienter zu nutzen.

Dr. med. Adriane Kalsow, Chefärztin für Anästhesiologie und Intensivmedizin im Achenbach Krankenhaus von Königs Wusterhausen, kennt sich mit Teleroboter Eric gut aus.

Dr. med. Adriane Kalsow, Chefärztin für Anästhesiologie und Intensivmedizin im Achenbach Krankenhaus von Königs Wusterhausen, kennt sich mit Teleroboter Eric gut aus.

Rasche Fotografie

Manko von Eric sei, dass die zugeschalteten Ärztinnen und Ärzte die Patientinnen und Patienten nicht selbst körperlich untersuchen könnten. „Sie können ihn weder abtasten noch Gerüche wahrnehmen. Ihre Beurteilung erfolgt auf Grundlage der übertragenen Bild- und Toninformationen sowie der erhobenen Befunde.“

Klingt nach Zukunft, aber ist es das auch? Aus ihrer Sicht, sei die eigentliche Frage nicht, ob künftig mehr Roboter eingesetzt werden, sondern wo, sagt Dr. Kalsow. Roboter könnten in Zukunft noch mehr monotone, körperlich belastende oder logistische Aufgaben im Krankenhaus übernehmen, um Ärztinnen, Ärzte und Pflegekräfte zu entlasten. Schon heute würden im Medizinbereich zahlreiche Roboter eingesetzt, wie Operationsroboter, die die Bewegungen der Operateurin oder des Operateurs in besonders präzise Bewegungen der Instrumente übersetzen und so bestimmte Eingriffe unterstützen.

Ein weiterer Grund für die zunehmende Bedeutung von Robotern im medizinischen Bereich sei, dass die Betreuung im häuslichen Umfeld weiter an Bedeutung gewinnen werde. Gesundheitsdaten wie Blutdruck, Herzrhythmus, Sauerstoffsättigung oder Blutzucker ließen sich zuverlässig auch zu Hause überwachen. Dabei werde auch KI  eine immer wichtigere Rolle übernehmen. Die Verantwortung für Diagnostik und Therapie bleibe jedoch uneingeschränkt bei der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt.