Flughafen BER: Das plant der Bauer auf Deutschlands größter Agri-PV-Anlage

Sven Geelhaar vom Landgut Geelhaar in Chorin bei Eberswalde wird die Agri-PV-Anlage direkt am Flughafen BER bewirtschaften. Nur ein Getreide darf er dort nicht anbauen.
Till Eichenauer- Am BER entstand eine 76-Hektar-Agri-PV-Anlage, die Ackerbau unter Solarmodulen erlaubt.
- Bewirtschaftung: Sven Geelhaar aus Chorin setzt auf Bioland-Standards und startet mit Winterroggen.
- Mais ist verboten, um Vogelschläge zu vermeiden – Soja, Kohl, Kartoffeln und Erbsen sind geplant.
- Solarpaneele stehen 3,5 Meter hoch und schwenken nach der Sonne, was bis zu 25 Prozent mehr Strom bringt.
- Die Anlage versorgt laut Betreiber etwa 16.500 Haushalte und läuft wissenschaftlich begleitet als Pilot.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Jeder, der am Berliner BER landet, wird in Zukunft die große dunkle Fläche südlich des Flughafens sehen. Auf rund 76 Hektar Fläche wurde hier im vergangenen Jahr eine Solaranlage gebaut – auf einer Fläche, doppelt so groß, wie die des Flughafengebäude direkt nebenan. Das Besondere: Die Solaranlage nimmt nicht, wie oft kritisiert, der Landwirtschaft die Flächen weg. Unter den Solarpanelen soll Ackerbau betrieben werden.
Dafür zuständig, dass die Fläche im Ortsteil Selchow nicht zu einer Solarwüste wird, ist Sven Geelhaar. Der Landwirt aus Chorin bei Eberswalde bewirtschaftet dort mit seinem Familienbetrieb rund 250 Hektar Ackerland, Wiesen und Wälder. Nun wagt er das Experiment am Flughafen, 70 Kilometer südlich von seinem Hof im Landkreis Barnim.
„Das ist Neuland – das ist eine Pionierarbeit in dieser Größenordnung“, sagt Geelhaar. Tatsächlich ist die Anlage in Schönefeld laut Bauherr Elysium Solar das größte Photovoltaik-Projekt mit Ackerbau in ganz Deutschland.
Soja unter Solarpanelen am Flughafen BER
Wie Landwirtschaft unter den Sonnensegeln funktioniert, muss Sven Geelhaar also noch in der Praxis herausfinden. „In zwei Wochen machen wir die erste Aussaat. Als erste Kultur ist Winterroggen geplant“, so der Barnimer Landwirt. In Zukunft können aber ganz unterschiedliche Feldfrüchte dort angebaut werden. Auch heimisches Soja will Geelhaar ausprobieren. Alles, was er anbaut, hat zudem den hohen Bioland-Standard.
Nur Mais darf südlich des Flughafens BER nicht angebaut werden, das hatte schon 2021 das Landgericht in Cottbus entschieden. Der Grund: Mais könnte große Vogelschwärme wie Gänse und Kraniche anlocken. Dadurch steige das Risiko von Vogelschlag und somit die Gefahr für den Flugbetrieb.
Gut für die Umwelt soll nicht nur der Biolandbau, sondern auch die Solaranlage sein: Die verbauten 74.064 Solarmodule können laut Betreiber jährlich etwa 16.500 Haushalte mit CO2‑neutralem Solarstrom versorgen. Klar ist aber auch: Die Solaranlagen verbrauchen gewissermaßen Sonnenlicht. Sie werfen Schatten und die Pflanzen darunter bekommen weniger Licht.
Landwirt Geelhaar hofft aber auf Vorteile durch die Solar-Dächer über seinem Acker: „Wir haben auch Kulturen, die den Halbschatten ganz gerne mögen. Etwa Kohl, Kartoffeln oder Erbsen.“ Zudem sollen die Solarpaneele die Pflanzen vor Starkregen schützen. Das größte Problem in der Region sei aber die Trockenheit, so Geelhaar: „Wir hatten in diesem Jahr 240 Liter pro Quadratmeter weniger verfügbares Wasser für die Vegetation.“ Die Teilbeschattung könne dem Mikroklima helfen und ein Austrocknen des Bodens verhindern.
Solaranlage am Flughafen BER über drei Meter hoch in der Luft
Damit der Landwirt den Solar-Acker am BER mit seinen Traktoren befahren kann, genügt die Agri-PV-Anlage in Schönefeld besonderen Ansprüchen. Die Solarpaneele wurden in den vergangenen elf Monaten auf dreieinhalb Meter hohen Ständern angebracht. Der Abstand zwischen den Ständern beträgt etwa elf Meter. Dies ermöglicht eine Arbeitsbreite für den Landwirt von neun Metern.
Der Vorteil der modernen Landwirtschaft: Vieles läuft automatisch. Die Traktoren fahren satellitengestützt die schnurgeraden Reihen mit den Solaranlagen entlang. „Sie brauchen für den normalen Ackerbau in dieser Größenordnung nur eine Person“, sagt Landwirt Geelhaar. Für die benötigten Maschinen vor Ort ist derzeit eine Halle im Bau.

Ein Traktor vom Landgut Geelhaar in Chorin arbeitet testweise schon mal mit einer Scheibenegge in der Agri-PV-Anlage in Schönefeld am Flughafen BER.
Till EichenauerDirekt unter den Modulen wird ein etwa eineinhalb Meter breiter Blühstreifen mit einer Mischung aus heimischen Gräsern, angelegt. Laut Geelhaar helfen die so angelockten Bienen beim Bestäuben der Pflanzen: „Wir sind Biolandwirte, wir sind darauf angewiesen“, so der Landwirt.
Ob das Pilotprojekt am BER schlussendlich die gewünschten Ergebnisse liefert, wird sich zeigen. Wissenschaftlich eng begleitet wird die Anlage vom Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung und der Technischen Universität Dresden. Die Hoffnung ist, dass die Doppelnutzung aus Solarpark und Acker bald in ganz Deutschland Schule macht.
30 Jahre Laufzeit für Agri-PV-Anlage in Schönefeld
Damit das Projekt erfolgreich ist, muss es aber auch wirtschaftlich sein und die hohen Investitionen in den kommenden 30 Jahren wieder einspielen. Und das ist in diesem Fall aber im Wesentlichen von der Stromerzeugung der Anlage abhängig. Damit diese möglichst effektiv ist und vor allem in den Morgen- und Abendstunden Strom produzieren, schwenken sich die Solarpaneele über den Tag mit der Sonne von Osten nach Westen. Damit können bis zu 25 Prozent mehr Strom erzeugt werden, so das verantwortliche Bauunternehmen Goldbeck Solar.
Neben den Investoren soll aber auch Schönefeld an der Anlage etwas verdienen. Nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz bekommt die Gemeinde für die 48 Megawatt installierte Leistung etwa 96.000 Euro pro Jahr vom Betreiber.

