Verkehr in Königs Wusterhausen: Stress durch E-Scooter, Alt und Jung gespalten

Ein flotter Schüler vor dem Friedrich-Schiller-Gymnasium in Königs Wusterhausen macht Tricks auf seinem E-Roller.
Till Eichenauer- In Königs Wusterhausen spalten E‑Scooter die Generationen – Jugendliche fahren, Ältere klagen.
- Seniorinnen berichten von rücksichtslosen Fahrten auf Gehwegen und fehlenden Klingelzeichen.
- Laut Statistik stieg die Zahl der Unfälle auf 16.496, 38 Menschen starben, viele Verunglückte waren unter 25.
- Polizeimeldungen nennen mehrere Unfälle in der Region, teils mit Verletzten und Verstößen.
- Regeln gelten klar: ab 14 Jahren, max. 20 km/h, Versicherungspflicht, Radwege nutzen, Gehwege tabu.
Die Zusammenfassung wurde von einer generativen künstlichen Intelligenz erstellt.
Vor dem Friedrich-Schiller-Gymnasium geht ein junger Mann auf seinem E-Roller lässig aufs Hinterrad. Fast die ganze Strecke bis zur Luckenwalder Straße macht er dieses kleine Kunststück. Das scheint vor der Schule Alltag zu sein – seine Mitschülerinnen und Mitschüler auf dem Gehweg sind wenig beeindruckt von der Vorführung.
Ganz anders zwei ältere Damen, die die Goethestraße mit ihren Rollatoren entlangkommen. „Die fahren ständig auf dem Gehweg, da müssen wir Platz machen. Man muss dann schon sehen, dass man schnell zur Seite kommt“, sagt eine der beiden. Sie ist 88 Jahre alt. „Die brausen so schnell vorbei – da kann man gar nicht reagieren – wie der Blitz“, ergänzt ihre 84‑jährige Freundin.
In den vergangenen zwei Wochen, während der Herbstferien, sei es ruhiger gewesen, jetzt gehe es wieder los, sagen die beiden Anwohnerinnen. Die Seniorinnen würden sich wünschen, dass die jungen Leute sich auf den fast geräuschlosen Elektrogütern wenigstens bemerkbar machen würden. „Sie melden sich auch nicht mit Hupe oder Klingel“, beschwert sich die ältere der beiden. „Gestern haben wir mal etwas gemeckert und gesagt, sie sollen klingeln. Aber die haben nichts geantwortet“, sagt sie noch und zieht dann weiter.
E-Scooter auch in Königs Wusterhausen immer beliebter
Waren in den vergangenen Jahren hauptsächlich die elektrischen Leihroller in Großstädten wie Berlin ein Thema in der Öffentlichkeit, sind mittlerweile vier von fünf Scootern in Privatbesitz. Laut dem Verband der Versicherungen waren in Deutschland im Sommer 2026 rund 1,36 Millionen der elektrischen Tretroller offiziell auf deutschen Straßen unterwegs. Bricht man diese Zahl auf Königs Wusterhausen runter, dürften in der Stadt etwa 600 der Gefährte unterwegs sein.

E-Scooter und Fahrräder vor dem Friedrich-Schiller-Gymnasium in Königs Wusterhausen. Auch wenn die Zahl der elektrischen Zweiräder steigt – die meisten Schülerinnen und Schüler fahren immer noch mit dem Rad zur Schule.
Till EichenauerUnd mit der steigenden Zahl an elektrischen Rollern steigt auch die Zahl der Unfälle. Das Bundesamt für Statistik hat deutschlandweit 16.496 E-Scooter-Unfälle mit Personenschaden gezählt. Das waren 38 Prozent mehr als im Vorjahr. Dabei kamen insgesamt 38 Menschen ums Leben. Mehr als die Hälfte der Verunglückten auf E-Scootern war jünger als 25 Jahre.
Und auch ein Blick in die regionalen Polizeimeldungen zeigt ein ähnliches Bild: Mittwochnachmittag, den 4. November, überquert ein E-Roller-Fahrer die Friedrich-Engels-Straße, ohne auf den fließenden Verkehr zu achten. Der 26‑Jährige kracht mit einem SUV zusammen und muss verletzt ins Krankenhaus. Am selben Nachmittag fährt ein 35‑Jähriger auf einem E-Roller unter Drogeneinfluss durch Bestensee. Am 18. Oktober fährt in Zeuthen ein 17-jähriger E-Scooter-Fahrer in ein Wohnmobil. Am 1. September stößt am Morgen ein 16-Jähriger in Eichwalde auf einem Elektroroller mit einem Auto zusammen und verletzt sich. Fast zeitgleich kollidiert eine E‑Roller-Fahrerin mit einem Radfahrer in Wildau – beide sind verletzt.
Ein Anwohner an der Goethestraße sieht jeden Tag die Schülerinnen und Schüler an seinem Garten vorbeifahren: „Das ist keine Frage der Menge, sondern die Frage des Verhaltens der Jugendlichen mit den Rollern“, sagt der Mann. Während er spricht, fahren vier Jugendliche auf drei E-Rollern vorbei. Zwei haben sich auf eines der Fahrzeuge gezwängt.

Zu zweit auf dem E-Roller auf dem Weg zur Schule. Anwohner beklagen sich, dass Jugendliche in Königs Wusterhausen sich nicht an die Verkehrsregeln halten würden.
Till Eichenauer„Die wissen, dass sie nicht zu zweit auf so einem Roller fahren dürfen. Interessiert die gar nicht“, sagt der Anwohner. Auch bezweifelt er, dass die jungen Leute überhaupt die Regeln im Straßenverkehr kennen würden: „Bei den Geschwindigkeiten, die manche fahren, bis zu 25 Kilometer in der Stunde, das ist haarig.“
E‑Scooter – das sind die Regeln
Mindestalter: E‑Scooter dürfen in Deutschland erst ab 14 Jahren gefahren werden.
Kein Führerschein nötig: Für zugelassene E‑Scooter ist grundsätzlich kein Führerschein erforderlich.
Versicherung ist Pflicht: Jeder E‑Scooter braucht eine Haftpflichtversicherung und eine gültige Versicherungsplakette.
Nur zugelassene E‑Scooter: Im Straßenverkehr sind ausschließlich E‑Scooter mit Betriebserlaubnis gestattet. E‑Scooter dürfen nicht schneller als 20 Kilometer in der Stunde fahren.
Radwege oder Fahrbahn benutzen: Gefahren werden muss in der Regel auf Radwegen, Radfahrstreifen oder Schutzstreifen. Nur wenn es die nicht gibt, darf man auf die Fahrbahn ausweichen.
Gehwege sind tabu: Das Fahren auf dem Gehweg und in der Fußgängerzone ist grundsätzlich verboten.
Alkohol und Handy: Wer betrunken fährt oder das Handy in der Hand benutzt, muss mit Bußgeldern, Punkten oder weiteren Strafen rechnen.
Auch wenn viele ältere Menschen in Königs Wusterhausen die E-Roller kritisch sehen – bei der Jugend werden die Fahrzeuge immer beliebter. Ein Jugendlicher, der mit seinem Scooter am Bahnhof Königs Wusterhausen wartet, erklärt, warum: „Es macht einfach mehr Spaß als Fahrradfahren.“ Die kleinen Räder beschleunigen mit über 1000 Watt Leistung oder etwas mehr als einem PS.
Ihm gefällt vor allem, dass die akkubetriebenen Fahrzeuge kleiner sind als Fahrräder. „Ich kann meinen Scooter einfach hier mit in den Zug nehmen und man muss nicht treten“, sagt der 15‑Jährige, der in Zeuthen wohnt, aber in Königs Wusterhausen zur Schule geht. Auf die Frage, ob der sich immer an die Verkehrsregeln halte, sagt er „na klar“ und lächelt.

