B179 in Königs Wusterhausen
: Diese Kreuzung macht den Schulweg zur Lebensgefahr

Hunderte Kinder müssen jeden Tag über die B179 in Zeesen (Königs Wusterhausen). Die rote Fußgängerampel wird von Autofahrern ignoriert. Eltern fürchten um ihre Kinder und kämpfen für einen Umbau.
Von
Till Eichenauer
Königs Wusterhausen
Jetzt in der App anhören
Kristina Glathe, Jaqueline Mehlhorn, Martin Knop und Cindy Graff an der Kreuzung in Zeesen, Ortsteil von Königs Wusterhausen

Kristina Glathe, Jaqueline Mehlhorn, Martin Knop und Cindy Graff an der Kreuzung über die B179 in Zeesen, Ortsteil von Königs Wusterhausen. Die Eltern sind enttäuscht, dass nichts passiert.

Till Eichenauer
  • In Zeesen wird die B179-Kreuzung zum Risiko: Autos ignorieren oft die rote Ampel.
  • Eltern fordern eine Vier-Seiten-Ampel, die Petition sammelte 428 Unterschriften.
  • Behörden planen die Anlage, doch der Realisierungszeitraum ist nicht benennbar.
  • Bahnübergang und Rückstau verschärfen die Lage – 15 Unfälle in fünf Jahren.
  • Stadt und Landkreis verweisen auf den Landesbetrieb, der die Planungsunterlagen erarbeitet.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Donnerstagmorgen (17.9.) um 7.30 Uhr ist Dauerstress an einer Kreuzung im Süden von Königs Wusterhausen. In der Dämmerung braust ein Auto nach dem anderen über die B179, die hier Karl-Liebknecht-Straße heißt. Dazu Lkws und Busse, nur kurz unterbrochen von Radfahrern – meist Kindern und Jugendlichen –, die an der Fußgängerampel über die viel befahrene Straße müssen.

An der Stelle, wo die August-Bebel-Straße und der Weidendamm auf die Karl-Liebknecht-Straße treffen, wird der Ortsteil Zeesen in etwa in der Mitte geteilt. Vor allem morgens zwischen 7 und 8 Uhr wird die Kreuzung zum gefährlichen Nadelöhr. „Die Schule geht um 7.45 Uhr los, dazu kommt der Berufsverkehr“, erklärt Kristina Glathe. Aktuell regelt die Kreuzung nur eine Fußgängerampel, was die Verkehrsführung zur „Katastrophe“ macht, so die Mutter aus Zeesen.

Denn an der Kreuzung geht es etwa zur Grundschule in Zeesen, die im aktuellen Schuljahr 526 Schülerinnen und Schüler besuchen. Kristina Glathe schätzt also, dass etwa die Hälfte der 6- bis 12-Jährigen jeden Morgen über die Kreuzung und über die parallel verlaufenden Schienen der Regionalbahn muss. Viele mit dem Fahrrad. Dazu kommen drei Kitas im näheren Umkreis mit hunderten Kleinkindern.

Bahnübergang in Zeesen ist zusätzliche Gefahr an der B179

„Viele Eltern bringen ihre Kinder mit dem Auto auf die andere Seite der Gleise zur Schule und Kita, und das merkt man hier natürlich zusätzlich“, erklärt Jaqueline Mehlhorn, ebenfalls Mutter im Stadtteil. Als die Schranke am Weidendamm gegen halb 8 Uhr früh schließt, staut sich der Verkehr zurück vom Bahnübergang bis auf die Kreuzung an der Karl-Liebknecht-Straße.

Wie fast jeden Morgen sorgt der Rückstau laut den Eltern für noch mehr unübersichtliche Situationen und zusätzlichen Stress an der Kreuzung. Ein Bus muss einmal halb auf der B179 halten. Gleichzeitig biegen immer wieder große Lkws auf die August-Bebel-Straße zum großen Klärwerk und den Geflügelmastanlagen im Westen von Zeesen.

Ein VW fährt an der Fußgängerampel in Zeesen, Ortsteil von Königs Wusterhausen über eine Ampel an der Schulkinder warten.

Eins von vier Autos, die an diesem Morgen in Zeesen bei Rot über die Fußgängerampel fahren. An der Stelle an der die Kinder warten, müssen alle Radler in Richtung Königs Wusterhausen die Straßenseite wechseln, weil dort der Radweg endet und gegenüber weitergeht.

Till Eichenauer

In all dem Durcheinander auf der Straße fahren innerhalb von 30 Minuten vier Autos über die rote Fußgängerampel, an der Schulkinder warten. Besonders beim Abbiegen auf die Karl-Liebknecht-Straße. Laut Jaqueline Mehlhorn und den drei anderen Eltern, die im Morgengrauen an die Karl-Liebknecht-Straße gekommen sind, ist das der morgendliche Normalzustand – den sie aber nicht länger akzeptieren wollen.

Deshalb haben sie eine Unterschriftensammlung gestartet. Die Forderung: eine Vier-Seiten-Ampel an der B179 und das noch im Jahr 2027. Laut Petition sei die Fußgängerampel an der Stelle unzureichend. „Man könnte den Druck einfach rausnehmen, wenn die Kreuzung an allen vier Seiten reguliert ist“, so Initiatorin Kristina Glathe.

Petition für Vier-Seiten-Ampel in Zeesen ist erfolgreich

Und tatsächlich ist eine solche Ampel mit Signalen an allen vier Seiten von den Behörden längst geplant. Nur passiert laut den Eltern in Zeesen seit Jahren nichts: „Die Kreuzung ist schon lange im Fokus und beschäftigt Generationen von Eltern“, sagt Kristina Glathe. Jetzt dürfe es zu keiner weiteren Verzögerung in der Planung und Umsetzung kommen und man wolle endlich einen konkreten Zeitplan. Die Petition haben in den ersten zwei Wochen seit Start schon 428 Menschen unterschrieben, davon 264 Bürgerinnen und Bürger aus Zeesen.

Auf die Frage, wann es also losgeht mit dem Bau der Ampel, verweist der Landkreis Dahme-Spreewald auf die Stadt Königs Wusterhausen. Die Stadt Königs Wusterhausen wiederum benennt den Landesbetrieb Straßenwesen Brandenburg als zuständig für die Bundesstraße, betont aber, dass man selbst den Bau der Ampel, vor allem mit Blick auf die Sicherheit der Schülerinnen und Schüler in Zeesen, unterstütze.

Der Landesbetrieb Straßenwesen antwortet auf die Frage, ob grundsätzlich weiterhin der Wille besteht, an diesem Standort eine 4-Seiten-Ampelanlage umzusetzen, mit einem schlichten „Ja“. Zum Planungsstand der Ampel gibt die Behörde folgendes bekannt: „In der aktuellen Planungsphase werden verkehrstechnische Unterlagen erarbeitet, die für die weitere Planung sowie spätere Genehmigung der Lichtzeichenanlage notwendig sind.“

Schulkinder sind in Gefahr, Eltern sind frustriert

Eine besondere Herausforderung sei dabei die Nähe zu einer Bahnstrecke und die daraus resultierenden Sicherheitsanforderungen. Daher könne „ein Realisierungszeitraum derzeit noch nicht verlässlich benannt werden“, so der Sprecher des Landesbetriebes.

„Es muss erst was passieren, bevor etwas unternommen wird.“
Martin Knop
Vater aus Zeesen

Allein die Machbarkeitsstudie, die bestätigt, dass die Vier-Seiten-Ampel an dieser Stelle gebraucht werde, hat laut den Eltern drei Jahre gedauert. „Ich habe die Befürchtung, dass die Umsetzung noch einmal ein Vielfaches länger dauert“, sagt Martin Knop und sorgt sich um die weiterbestehende Gefahrenstelle auf dem Schulweg seiner Kinder. „Es wird ja oft gesagt: Es muss erst was passieren, bevor etwas unternommen wird. Und das wollen wir auf gar keinen Fall“, so der Vater aus Zeesen.

15 Verkehrsunfälle an der Kreuzung in fünf Jahren

„Wenn Grundschüler eine grüne Ampel sehen, kommen die überhaupt nicht auf die Idee, dass da trotzdem ein Auto rüberfahren könnte“, sagt die junge Mutter Cindy Graff aus Zeesen. Tatsächlich gab es in der Vergangenheit immer wieder teils schwere Unfälle. Laut der zuständigen Polizeidirektion gab es in den vergangenen fünf Jahren 15 Verkehrsunfälle, davon fünf mit Verletzten und einen Unfall mit Todesfolge. Dabei hatte 2022 laut Polizei-Sprecher Sascha Erler ein 89-jähriger Radfahrer die Vorfahrt missachtet und war im Kreuzungsbereich von einem Auto erfasst worden.

Laut den Eltern wäre ein Umbau der Kreuzung mit einer Vier-Seiten-Ampel auch deshalb längst überfällig, weil der Verkehr massiv zugenommen hat. Zeesen, der größte Ortsteil von Königs Wusterhausen, ist in den vergangenen Jahrzehnten stark gewachsen und hat mittlerweile über 6000 Einwohner.

Seit über fünf Jahren versuche man, etwas an der Situation zu ändern, so Martin Knop. „Aber wahrscheinlich sind unsere Kinder schon aus der Grundschule raus, bis hier etwas passiert“, so der Vater. Trotzdem wollen die vier Eltern aus Zeesen weiter für ihre Ampel kämpfen.