Oldtimer in OPR: Von Wartburg bis Mercedes – die beliebtesten Modelle mit H-Kennzeichen

Auch im Kreis Ostprignitz-Ruppin sind Oldtimer ein vergnügliches Interessengebiet für Jung und Alt – wie hier in Neuruppin zu sehen.
Eckhard HandkeMit dem anbrechenden Herbst neigt sich die Oldtimer-Saison dem Ende zu. Denn viele Oldtimer-Besitzer holen ihre fahrbaren Schätze nur bei gutem Wetter aus der Garage – auch im Landkreis Ostprignitz-Ruppin. Oft wird aber gerade in der kälteren Jahreszeit geschraubt, was das Zeug hält. Denn ein Oldtimer kostet besonders in der Instandhaltung in der Regel Zeit, Geld oder beides.
Erkennbar sind historische Fahrzeuge im Straßenbild an ihren H-Kennzeichen. Um es tragen zu dürfen, muss das Fahrzeug mindestens 30 Jahre alt sein und sich weitestgehend im Originalzustand befinden.
Ganze 864 Autos, Motorräder, LKW und Landmaschinen im Landkreis Ostprignitz-Ruppin tragen dieses begehrte Siegel, das mit einem ermäßigten KFZ-Steuersatz von 191,73 Euro einhergeht. Eine Anfrage an die Zulassungsstelle des Kreises Ostprignitz-Ruppin hat nun gezeigt, welche die beliebtesten Modelle und Marken im Kreis sind.
Die hiesigen Oldtimerfreunde haben einen Favoriten, der noch aus den Zeiten des „real existierenden Sozialismus“ stammt, also aus der DDR – gemeint ist der Wartburg aus dem Automobilwerk Eisenach (AWE). 34 Exemplare mit H-Kennzeichen bevölkern die Straßen und Garagen zwischen Fehrbellin und Wittstock. Wer zu DDR-Zeiten einen ergattern konnte, war froh – fühlte er sich doch trotz seines bis 1988 verbauten Zweitaktmotors mit drei Zylindern und 50 PS deutlich weniger nach „Moped auf vier Rädern“ an, als der günstigere Trabant.

Der Wartburg aus dem Automobilwerk Eisenach (AWE) ist mit 34 H-Zulassungen der beliebteste Oldtimer im Landkreis Ostprignitz-Ruppin. Die meisten davon kommen wahrscheinlich zahmer daher als diese Motorsport-Version des 353.
Felix KroneSchließlich hat er vier Türen und fährt auch auf schlechten Straßen einigermaßen kommod. Doch mit der Verfügbarkeit westlicher Autos nach der Wende sank die Nachfrage nach Autos sozialistischer Bauart auf einen Tiefpunkt. Auch der ab 1988 im Wartburg 1.3 verbaute Viertakter von VW half nicht mehr – 1991 wurde der VEB Automobilwerk Eisenach von der Treuhand geschlossen.
Auf Platz zwei folgt mit 29 Zulassungen der VW Käfer. Er wurde bereits vor Kriegsbeginn im „Dritten Reich“ als „KDF-Wagen“ der Öffentlichkeit vorgestellt. Da das Werk in Wolfsburg alsbald auf den Bau von Militärfahrzeugen für den Einsatz im Zweiten Weltkrieg umgestellt wurde, folgte die Massenproduktion des auch als VW Typ1 bekannten Käfers erst nach Kriegsende – mit durchschlagendem Erfolg. Bis er 2002 vom VW Golf überholt wurde, galt der knuffige Hecktriebler mit 21,5 Millionen Exemplaren als das meistverkaufte Auto der Welt. Der letzte lief erst 2003 in Mexiko vom Band – und muss damit noch zehn Jahre auf den Oldtimer-Status warten.
Mercedes-Benz W124 ist der drittbeliebteste Oldtimer in OPR
Die Mercedes Baureihe 124 folgt mit 24 H-Zulassungen in Ostprignitz-Ruppin auf dem dritten Platz. Die Baureihe, die als erste die Bezeichnung E-Klasse trug, wurde von 1984 bis 1997 produziert und kam in einer erstaunlichen Modellvielfalt daher. Als Karosserievarianten wurden nicht nur Limousine und Kombi (bei Mercedes T-Modell genannt) angeboten, sondern auch ein Coupé und ab 1991 ein Cabrio. Darüber hinaus konnten die Staatsmänner dieser Welt eine Langversion ordern. Bei den Motoren reichte die Bandbreite vom 200D mit dem unverwüstlichen Saugdiesel mit 75 PS bis zum in Zusammenarbeit mit Porsche gebauten 500E mit V8-Motor und 326 PS.
Auf Platz vier folgt im Kreis mit 22 Exemplaren der Dauerbrenner von Volkswagen, der VW Golf. Dabei handelt es sich um Fahrzeuge aus den ersten drei Generationen des beliebten Wolfsburgers. Ab 2027 zählen dann auch die ersten Golf IV zu den Oldtimern. Knapp dahinter auf den Plätzen fünf und sechs folgen mit jeweils 21 Zulassungen der mondäne Mercedes SL-Roadster der Baureihe R107 und der VW Bus der ersten vier Generationen.

Ein VW Golf 2 im Rallye-Dress.
Felix KroneÜberraschenderweise kommt das DDR-Kultmobil aus Duroplast, der Trabant, in Ostprignitz-Ruppin mit 20 H-Zulassungen nur auf den siebten Platz in der Zulassungsstatistik historischer Fahrzeuge. In Märkisch-Oderland belegte der Zweitakt-Kleinwagen unangefochten den ersten Rang.

Das Kultauto aus der DDR schlechthin, der Trabant 601, kommt bei der Zulassungsstatistik der Oldtimer in Ostprignitz-Ruppin nur auf den siebten Platz.
Wilbert BeelitzAuf die Plätze acht bis zehn haben es kantige deutsche Kult-Youngtimer aus den Achtziger- und frühen Neunzigerjahren geschafft: Der BMW 3er der Baureihen E30 (1982–1994) und E36 (1990-2000), der Mercedes 190 (1982-1993) und die S-Klasse der Baureihe W126 (1979-1991) – ebenfalls von Mercedes. Besonders auffällig: Alle vertretenen Fahrzeuge wurden von deutschen Herstellern gebaut.
Mercedes-Benz gewinnt die „Markenwertung“ der Oldtimer
Mit 153 historischen Fahrzeugen ist Mercedes-Benz der beliebteste Hersteller von Oldtimern im Landkreis. Darunter befinden sich auch Lkw-Modelle, die beispielsweise bei Feuerwehren oft beliebt waren und zum Teil noch sind. Auf Platz zwei folgt Volkswagen mit 99 H-Kennzeichen-Trägern. Mit weitem Abstand kommt Ford mit 48 Zulassungen auf den dritten Platz. Neben DDR-Herstellern wie AWE, Barkas und Sachsenring können sich auch Opel und Fiat knapp in den Top 10 der Oldtimer-Hersteller in Ostprignitz-Ruppin platzieren. Hier die komplette Hersteller-Übersicht:
Große Ost-Nutzfahrzeug-Szene in OPR
Doch nicht nur historische Pkw scheinen es den Menschen in Ostprignitz-Ruppin angetan zu haben. Auch die Anzahl an H-Kennzeichen, die sich im Kreis an alten Nutzfahrzeugen findet, ist beachtlich. Mit 29 Zulassungen klarer Spitzenreiter bei den Nutzfahrzeugen ist der IFA W50. Der rustikale LKW aus der DDR lief von 1965 bis 1990 in kaum veränderter Form in Ludwigsfelde vom Band. Heute baut Mercedes-Benz dort Nutzfahrzeuge.
25 Mal sind Fortschritt ZT Traktoren aus der DDR im Kreis zugelassen und kommen damit auf den zweiten Platz. Die Landmaschinen wurden von 1967 bis 1990 im Traktorenwerk Schönebeck (Sachsen-Anhalt) hergestellt.
Die beliebtesten drei historischen Nutzfahrzeuge in Ostprignitz-Ruppin
Den dritten Platz bei den Nutzfahrzeugen belegt ein etwas skurriles Fahrzeug: Es handelt sich dabei um den K700, eine Zugmaschine aus der ehemaligen Sowjetunion, die einem Ungetüm gleicht. Sie ist zwölf Tonnen schwer und spuckt zuweilen schwarzen Rauch aus. Auf Geheiß der DDR-Führung wurde der von Kirowez in Leningrad gebaute schwere Traktor importiert und sollte die Erträge in der ostdeutschen Landwirtschaft steigern. Die Kraft des K700 ist enorm und braucht den Vergleich mit zeitgenössischen Panzern nicht scheuen, wie Videos bei YouTube belegen.




