Bürgermeisterwahl Glienicke 2025
: Unter der Gürtellinie? Das sagen die Kandidaten

In Glienicke wird im Wahlkampf um das Amt des Bürgermeisters teilweise mit harten Bandagen gekämpft. Das sagen die Kandidaten zur aktuellen Stimmung im Ort.
Von
Jürgen Liebezeit
Glienicke
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„Schlagen, um loszulassen“ - Wenn Boxen zur Therapie wird: Luise Schmidt (Name geaendert) beim Boxtraining in den Raeumen der Boxtherapeutin Petra Kowalkowski n Lehrte bei Hannover (Foto vom 19.06.2025). Schmidt trifft mit ihren Boxhandschuhen gezielt die Platte an der Wand - und ploetzlich kann sie sagen, was lange ungesagt blieb. Beim therapeutischen Boxen kaempfen die Teilnehmer nicht gegen Gegner, sondern um die eigene psychische Staerke. (Siehe epd-Feature vom 17.07.2025)

Schlagabtausch bei der Bürgermeisterwahl in Glienicke (Symbolbild). Im Wahlkampf gehen die Kontrahenten auch mal wenig zimperlich miteinander um, manchmal ist das auch „unter der Gürtellinie“. Doch wie sehen die Kandidaten das selbst?

Jens Schulze/epd
  • Wahlkampf 2025 in Glienicke: Sechs Kandidaten kämpfen um das Bürgermeisteramt.
  • Diskussionen teils hitzig, Vorwürfe von Angriffen „unter der Gürtellinie“.
  • Kandidaten äußern unterschiedliche Stimmungen: von Kritik bis Zuversicht.
  • Amtsinhaber Oberlack tritt nach 15 Jahren altersbedingt nicht erneut an.
  • Wahl am 21. September, Stichwahl möglich am 12. Oktober – fast 10.000 Wahlberechtigte.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Trotz der Sommerferien hat der Wahlkampf in Glienicke an Fahrt aufgenommen. Alle sechs Kandidaten suchen die Nähe zum Wahlvolk und präsentieren sich an ihren Ständen. Auch im Internet sind die meisten Kandidaten aktiv. Einige nehmen dabei kein Blatt vor dem Mund und landen dann auch mal unterhalb der Gürtellinie. Das führt zu Kritik.

Wir haben deshalb im Vorfeld der Wahl am 21. September 2025 direkt bei Mario Eberhardt (Einzelbewerber), Michael Breier (Einzelbewerber), Uwe Klein (SPD), Lydia Neilson (B90/Grüne), André Spannemann (AfD) und Arno Steguweit (CDU) nachgefragt, wie sie die aktuelle Stimmung im Bürgermeisterwahlkampf in Glienicke empfinden.

Alle sechs Befragten haben 600 Zeichen Platz für ihre Antwort bekommen. Daran haben sich alle gehalten. Die schriftlichen Antworten veröffentlichen wir nacheinander in alphabetischer Reihenfolge der Nachnamen.

Wahlkampf in Glienicke: Das sagen die Einzelbewerber

Mario Eberhardt (Einzelbewerber):  Die Stimmung ist aus meiner Sicht von Angst geprägt, das Gewohnte zu verlieren. Wohl wissend, dass die Zeit für Veränderung längst gekommen ist. Man kommt sich vor wie in der DDR. Die Einheitsparteien rufen gemeinsame Kandidaten auf, um Veränderung zu verhindern, damit es weiter so geht wie bisher auch auf kommunaler Ebene. Es wurden noch schnell Kandidaten etabliert, die kurz zuvor noch in Parteien aktiv waren. Das alles aus einer imaginären Angst vor der Zukunft. Ich bin von Hause aus neutral und unpolitisch unterwegs gewesen und bleibe das auch.

Michael Breier (Einzelbewerber): Das Verhalten mancher Konkurrenten und Bürger mir gegenüber bewerte ich überwiegend positiv. Natürlich gibt es Meinungsverschiedenheiten, besonders zu einzelnen Kandidaten. Im Wahlkampf kann der Ton manchmal rau werden, und es werden gelegentlich Unwahrheiten verbreitet. Wichtig ist jedoch, sich selbst und seiner Linie treu zu bleiben – dafür stehe ich und für jede Stimme, die ich erhalte.

Wahlkampf in Glienicke: So denken die Kandidaten der Parteien

Uwe Klein (SPD): Mein Eindruck ist, dass viele Menschen durch die vorangegangenen Wahlen politikmüde und wenig interessiert sind. Vielleicht auch, weil hier in Glienicke die Welt soweit „in Ordnung“ scheint. In persönlichen Gesprächen fällt die Unkenntnis über Aufgaben des Bürgermeisters und die Rolle der ehrenamtlichen Arbeit von Kommunalpolitikerinnen und -politikern auf. Das macht viele Menschen, leider auch auf lokaler Ebene, anfällig für Desinformation und Stimmungsmache. Das finde ich erschreckend. Es ist wichtig, das Verständnis für politische Zusammenhänge und den respektvollen Umgang zu fördern.

Lydia Neilson (B90/Grüne): Insgesamt recht gut. Ich habe viel Haustürwahlkampf betrieben und wurde von den Einwohnerinnen und Einwohnern sehr freundlich aufgenommen. Selbst bei Ablehnung war es nie übergriffig. Dass sich Mitbewerber ab und zu persönlich angreifen, finde ich schade. Ich bin noch neu in der Kommunalpolitik, daher gibt es (noch) keine Ressentiments. Ich will mit allen politischen Akteuren im Ort eine gute, belastbare Arbeitsbeziehung. Die AfD nehme ich davon aus; eine Zusammenarbeit ist mit meiner demokratischen Haltung nicht vereinbar, auch wenn ihr Vertreter mir gegenüber bisher stets fair war.

Amtsinhaber Oberlack tritt zur Wahl in Glienicke nicht mehr an

Bürgermeisterwahl in Glienicke: fünf Männer und eine Frau wolle die Verwaltung im Rathaus von Glienicke führen: (obere Reihe v.l.n.r.) Arno Stugeweit (CDU), Uwe Klein (SPD),Michael Breier (Einzelbewerber), Lydia Neilson (B90/Grüne),  André Spannemann (AfD) und Mario Eberhardt (Einzelbewerber).

Bürgermeisterwahl in Glienicke: fünf Männer und eine Frau wollen künftig die Verwaltung im Rathaus von Glienicke führen: (obere Reihe v.l.n.r.) Arno Steguweit (CDU, Foto: Jürgen Liebezeit), Uwe Klein (SPD, Foto: Jürgen Liebezeit), Michael Breier (Einzelbewerber, Foto: Jürgen Liebezeit), Lydia Neilson (B90/Grüne, Foto: Maren Schulz Photography), André Spannemann (AfD, Foto: Hardy Ruß/Fotocenter Frohnau) und Mario Eberhardt (Einzelbewerber, Foto: Lara Eberhardt) (Rest v.l.n.r.). Sie investieren unterschiedlich viel Geld in ihren Wahlkampf.

Kollage: Jürgen Liebezeit

André Spannemann (AfD):  Die Stimmung ist gut, trotz der Hetze gegen meine Person und die Themen, die ich vertrete. Mittlerweile habe ich mich daran gewöhnt! Denn die Gespräche mit den Bürgern geben mir Kraft und Zuversicht. Glienicke ist im Kern eine entspannte Gemeinde, in der politische Vielfalt akzeptiert und respektiert wird – wenn auch nicht von allen! Das zeigen leider die Beschmierungen meiner Plakate. Doch solche Aktionen bestärken mich nur darin, weiter offen und im Dialog für unsere Gemeinde einzutreten. Akzeptanz erhalte ich aus allen Generationsgruppen!

Arno Steguweit (CDU): Die Stimmung im Wahlkampf ist lebendig, viele Glienickerinnen und Glienicker suchen das Gespräch, bringen Ideen ein und stellen konstruktive Fragen. Das macht Freude und ich schätze es sehr. Leider gibt es von einzelnen Mitbewerbern auch unsachliche oder persönlich gefärbte Angriffe. Ich setze dem bewusst einen anderen Stil entgegen: sachlich, transparent und lösungsorientiert. Ziel ist es, gemeinsam über die besten Ideen für ein starkes, sicheres und zukunftsfähiges Glienicke zu sprechen. Die starke Resonanz auf meine Webseite ist mir ebenfalls eine sehr gute Bestätigung für meine Kandidatur.

Fragen und Antworten zur Bürgermeisterwahl 2025 in Glienicke

Bislang sind folgende zwei Fragen, die wir allen Kandidaten zur Bürgermeisterwahl 2025 gestellt haben, beantwortet worden:

19. August 2025: So viel investieren die Kandidaten in Wahlkampf

21. August 2025: Visionen für 2030 – davon träumen die Kandidaten

Amtsinhaber Dr. Oberlack tritt aus Altergründen nicht mehr an. Seine Amtszeit endet im Februar 2026. Er ist seit 2010 im Amt und setzte sich im Oktober 2017 in einer Stichwahl gegen Uwe Klein (SPD) deutlich durch.

In Glienicke sind am 21. September fast 10.000 Einwohner wahlberechtigt. Eine mögliche Stichwahl findet am 12. Oktober statt. In dieser Woche ist mit dem Versand der beantragten Briefwahlunterlagen begonnen worden. Die Briefwahl kann nach dem Erhalt der Wahlbenachrichtigungen auch persönlich im Einwohnermeldeamt (Neues Rathaus, Haus 21) zu den regulären Sprechzeiten beantragt werden.

Parallel zur Wahl in Glienicke finden in Oberhavel auch Bürgermeisterwahlen in Hennigsdorf und Velten statt. Eine Woche später dürfen die Einwohner von Oranienburg am 27. September ins Wahllokal.