Bei Clown Celly lohnt es sich, hinter die Maskerade zu blicken. Denn in dem 1978 geborenen Marcel Böttger steckt mehr drin als nur eine professionelle Ulknudel. Seit 2008 ist er ein Stadtverordneter. Bis Ende 2021 hatte er ein Die-Linke-Parteibuch. Nun ist er Mitglied von „Die Partei“. Grund zum Wechsel bot insbesondere die Chance, von der Partei als Kandidat ins Rennen um die wichtigste kommunale Amt geschickt zu werden.
Bürgermeister Ronald Seeger (CDU) nimmt am 31. Mai 2022 seinen Abschied. Rathenow wählt am 6. März. Der Name Marcel Böttger wird auf den Stimmzetteln stehen. Die Linke hat Diana Golze nominiert.

Dienst an der Waffe, inklusive Auslandseinsatz im Kosovo

In der Vita des Die-Partei-Kandidaten stehen zunächst die Zeit an der Bürgel-Schule in Rathenow, ehrenamtliche Betreuungstätigkeit im damaligen Jugendzentrum in der Wilhelm-Külz-Straße und eine 1999 bis 2001 erfolgte Ausbildung zum Kfz-Mechaniker. Durchaus überraschend wirkt, was Böttger im Anschluss für das Vaterland tat. Bei der Bundeswehr leistete er 23 Monate lang Dienst an der Waffe, inklusive Auslandseinsatz im Kosovo. 2006 machte er sich als Clown Celly und DJ selbstständig. Böttger ist ledig und hat einen fünfjährigen Sohn.

Broterwerb durch Einsatz bei Spargelernte

Da auch Clowns und Musikunterhaltern durch Corona-Eindämmungsmaßnahmen die Existenzgrundlage zeitweise dauerhaft entzogen war, beteiligte sich Böttger 2021 an der Spargelernte. Seit 1. Dezember 2021 ist er Betreuungskraft im Pflege- und Wohnzentrum „Am Fontanepark“. In dem Monat erfolgte der Wechsel ins vergleichsweise kleine Lager von „Die Partei“.

Jetzt soll es eigene Fraktion geben

An der Spitze des havelländischen Kreisverbands agiert seit Mai 2021 der Rathenower Christian Rieck. Bis dato war er alleiniges Partei-Mitglied in der Stadtverordnetenversammlung. Da eine Fraktion mehr als ein Mitglied haben muss, wäre Rieck nach seiner 2019 erfolgten Wahl fraktionslos geblieben, hätte er nicht mit den Linken eine Kooperation vereinbart.
Bislang bildeten Linke und Partei eine Fraktion, so wie übrigens auch im havelländischen Kreistag. In der SVV soll sich das nun ändern. Denn Rieck und Böttger wollen fortan eine eigene Fraktion bilden.

Aufzeigen, was schief läuft in Rathenow

Die Partei-Bürgermeister-Kandidatur begründet Rieck damit, dass man im Wahlkampf deutlich machen will, mit welchen politischen Schwerpunkten Böttger als möglicher Bürgermeister die Stadtentwicklung anders voranbringen würde. „Unser Ziel ist es, auch aufzuzeigen, was in der Stadtpolitik aus unserer Sicht schief läuft“, so Rieck. „Wir wollen neue politische Ansätze in die Diskussion einbringen, die sich von den anderen Kandidaten unterscheiden.“