Der Name der Kindereinrichtung am Bruno-Baum-Ring hat sich aus DDR-Zeiten erhalten. Auf der Stadtseite www.rathenow.de ist protokolliert, was Vertreterinnen der Kita „Jenny Marx“ im letzten Bildungsausschuss dazu ausführten, warum die Einrichtung nicht mehr nach der Ehefrau von Karl Marx (1818-1883) benannt sein sollte. Kita und Kitaausschuss plädieren für den ambitionierten Namen „Weltentdecker“.
Zur Begründung erklärte Leiterin Janine Meißner, „dass der bisherige Name keinen Zusammenhang mit Pädagogik herstellt. Auch die Kinder sollen sich mit dem Namen der Kita identifizieren können, was derzeit nicht gegeben ist.“ So steht es im Protokoll der Sitzung, die bereits am 27. September stattfand.

Schon immer „Jenny Marx“

Zweifel an der Sinnhaftigkeit kamen im Ausschuss auf. Es gab gegenteilige Meinungen. Etwa der Stadtverordnete Andreas Gensicke (CDU) warf ein, dass die Kita schon immer „Jenny Marx“ hieß und dieses für die Rathenower auch eine gewachsene Struktur bedeuten würde. Diesen Namen ersatzlos zu streichen, bedürfe wichtigerer Argumentation. Mit den Stimmen von fünf Ausschussmitgliedern wurde die Angelegenheit vertagt. Ein Mitglied stimmte dagegen, es gab zudem eine Enthaltung.

Stadtverordnetenversammlung abschließend zuständig

Jörg Zietemann, Stellvertreter des Bürgermeisters, hatte zuvor vorgeschlagen auch den Kompromissvorschlag „Jenny Marx – die Weltentdecker“ in der Kita zu besprechen und die Vorlage in den Bildungsausschuss im Dezember einzubringen und hiernach eine Entscheidung zu treffen, damit diese zur Abstimmung in die Stadtverordetenversammlung gegeben werden kann. Diese ist dafür zuständig, das von der Kita angestoßene Verfahren abzuschließen, worauf Bürgeramtsleiter Reinbern Erben aufmerksam gemacht hatte.

Auch Kita in Osterburg und Krippe in Barleben weiter nach Jenny Marx benannt

Zu DDR-Zeiten war Jenny Marx ein überaus beliebter Name für Kindereinrichtungen. Neben der Kindertagesstätte in Rathenow sind auch eine Kita in Osterburg (Landkreis Stendal) und eine Krippe in Barleben (Landkreis Börde) weiter nach der Frau benannt. Jenny Marx (geborene von Westphalen) wurde 1814 in Salzwedel (Landkreis Salzwedel) geboren. Das Geburtshaus und die Straße, in dem es steht, sind ebenso nach Jenny Marx benannt.

Nur drei von sieben Kindern des Ehepaares Marx erreichten das Erwachsenenalter

Bekannt wurde die Frau als diejenige, die zahlreichen Entbehrungen zum Trotz immer zu ihrem Gatten hielt und ihn bei seinen Veröffentlichungen unterstützte. Pädagogisch durchaus wertvoll kann ihre Lebensgeschichte sein, da diese belegt, wie dankbar heutige Menschen für ihren Lebensstandard in Deutschland sein könnten. Jenny Marx hatte sieben Kindern das Leben geschenkt, von denen nur drei das Erwachsenenalter erreichten. Teilweise lebte die Familie von der berühmten Hand im Mund.

Das Jahr 1848 in Rathenow

Das 1848 von Karl Marx veröffentlichte Kommunistische Manifest, das mit am Anfang der internationalen Arbeiterbewegung stand, wäre ohne die ideelle, materielle und tatkräftige Unterstützung der Ehefrau wohl nie zustande gekommen. Über die Lage des Jahres 1848 in Rathenow heißt es: „Die sozialen Missstände müssen himmelschreiend gewesen sein. Um die existenzielle Not der Arbeiter zu lindern, fordert der demokratische Bürgermeister Fischer von den Stadtverordneten eine besondere Einkommensteuer. Bürger mit einem jährlichen Einkommen ab 30 Reichstaler sollen sie zahlen. Die Mehrheit der Ratsherren lehnt das natürlich ab.“. So schreibt es Dieter Seeger in seinen Ausführungen über die „Rathenower Arbeiterbewebung“. Online hier zu finden.

Eine andere Kita in Rathenow nach Olga Benario benannt

Jenny Marx erkrankte 1860  an den Pocken. 1880 wurde Krebs bei ihr diagnostiziert. Nach langem leiden starb sie 1881. Am 2. Dezember 2021 jährt sich der Todestag zum 140. Mal. Indessen jährt sich 2022 die Ermordung einer anderen Kita-Namenspatin zum 80. Mal. Nach der deutschen Kommunistin und Extremistin Olga Benario (1908-1942) ist in Rathenow die Kindertagesstätte in der Saarstraße benannt.