Bildung in Angermünde
: Musikschule Angermünde gewinnt Bundespreis für Tanz-Projekt

Die „Best Practice“-Auszeichnung vom Bündnis „Kultur macht stark“ geht 2025 nach Angermünde. Was die Jury begeistert und warum Kinder davon profitieren.
Von
Daniela Windolff
Angermünde
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Das Tanzprojekt HardBeat-we will rock you der Uckermärkischen Musik- und Kunstschule Angermünde begeistert Kinder und Jugendliche. Jetzt wurde es mit dem Bundespreis "Kultur macht stark" ausgezeichnet.

Das Tanzprojekt „HardBeat“ der Uckermärkischen Musik- und Kunstschule Angermünde begeistert nicht nur Kinder und Jugendliche, sondern auch die Jury des Förderprogramms "Kultur macht stark". 2025 wird es mit dem Bundespreis ausgezeichnet.

Paul Schwuchow
  • Die Musikschule Angermünde erhält 2025 den Bundespreis „Best Practice“ für ihr Tanzprojekt „HardBeat“.
  • Die Schule ermöglicht Kindern aus sozialschwachen Familien Zugang zu Musik- und Tanzunterricht.
  • Mit vielfältigen Angeboten wie Hip Hop, Ballett, Chören und internationalen Projekten begeistert sie.
  • Die Schule verbindet musische Bildung mit sozialer Arbeit und fördert Gemeinschaft und Selbstbewusstsein.
  • Der Trägerverein meistert finanzielle Herausforderungen, um Bildung für alle zu sichern.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Ballett, Klavierunterricht, Gesangsstunden, das ist für viele Kinder unerreichbar. Einkommen, Bildung und Herkunft der Eltern sind oft eine unüberwindbare Hürde. Ist musische Bildung ein Luxus für Reiche und Eliten?

Dass es anders geht, zeigt Angermünde. In der uckermärkischen Kleinstadt liegen das Einkommensniveau und die soziale Struktur zwar eher unter dem Durchschnitt, und doch genießt hier rein statistisch gesehen jedes dritte Kind außerschulisch Musik- oder Tanzunterricht.

Das ermöglicht die Uckermärkische Musik- und Kunstschule „Friedrich Wilhelm von Redern“, die sich von einem kleinen Verein zu einer erfolgreichen staatlich anerkannten Musikschule mit überregionaler Ausstrahlung entwickelt hat. Ihr Credo: Musische Bildung für alle.

Musikschule Angermünde wurde schon mehrfach ausgezeichnet

Durch Förderung, Stipendien, zahlreiche Gruppen-Angebote und auch internationale Projekte ermöglicht sie vielen Kindern und Jugendlichen Zugang zu vielfältigen Angeboten. Für ihr herausragendes soziales und kulturelles Engagement und die interkulturelle Kinder- und Jugendarbeit wurde die Angermünder Musikschule bereits mehrfach ausgezeichnet. Jetzt steht erneut eine hohe Ehrung bevor.

Der Verband deutscher Musikschulen (VdM) zeichnet im Rahmen des Projektes „Kultur macht stark. Bündnisse für Bildung“ und des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) finanzierten Förderprogramms „MusikLeben3“ herausragende Initiativen aus, die Kindern unabhängig von Herkunft, Bildung und Einkommen der Familien Zugang und Teilhabe an musischer Bildung ermöglichen.

Die Jury hat die Uckermärkische Musik- und Kunstschule Angermünde mit dem neuen Tanzprojekt „Hard Beat - we will rock you!“ für den Bundespreis „Best Practice“ ausgewählt, also als bestes Praxisbeispiel.

Zu den Auswahlkriterien gehörten die „Innovationskraft, Vorbildcharakter, Qualität der Umsetzung, hohe Nachfrage, Erreichen der Zielgruppe sowie die kulturelle Breitenwirkung und die sehr nachhaltige Netzwerkbildung“, begründet Projektreferentin Jasmin Dorner die Entscheidung der Jury. Die Prämierung findet am 6. November 2025 in Dortmund statt.

Musikschule Angermünde bietet Tanz für Kinder

Doch wer und was steckt dahinter? Kurz gesagt: Tanzlehrerin Christina Gressmann und rund 100 Kinder und Jugendliche, darunter viele aus sogenannten sozialschwachen Familien.

Die Vielfalt der Tanzangebote der Musikschule reicht von Hip Hop, Dance Workout, Freestyle über kreativer Kindertanz bis zum klassischen Ballett. Tanzen sei dabei ein Mittel, auch ohne Worte Gefühle, Sehnsüchte und ein Lebensgefühl auszudrücken und Zusammengehörigkeit und Wertschätzung zu erleben, betont Musikschulleiterin Dorothea Janowski. So entstehe eine positive Gruppendynamik, die nicht nur stimmungsvolle Tanzshows hervorbringt, sondern Kindern auch Zuwendung und Erfolgserlebnisse bietet und ihr Selbstbewusstsein nährt.

Tanzen für die Seele: Tanzlehrerin Christin Gressmann (Mitte) von der Uckermärkischen Musik- und Kunstschule Angermünde begeistert Kinder und Jugendliche.

Tanzen für die Seele: Tanzlehrerin Christin Gressmann (Mitte) von der Uckermärkischen Musik- und Kunstschule Angermünde begeistert Kinder und Jugendliche.

Rico Klünner

Das erfährt Tanzpädagogin Christina Gressmann immer wieder in ihrer Arbeit mit Kindern in vielseitigen Projekten und Angeboten. Das reicht vom mehrtägigen Tanzcamps, z.B. an der Ostsee und in Boitzenburg, für die teilnehmenden Kinder kostenlos, über viele öffentliche Tanzauftritte, Tanzgalas mit Tanzgruppen aus der Uckermark und Barnim, die erstmalige Teilnahme an der Meisterschaft „Hey!CDC“ in Potsdam bis zur Tanz-Performance „Stärker als Gewalt“.

Tanzen als Ausdruck von Gefühlen und Erleben von sozialer Gemeinschaft, das ermöglicht die Uckermärkische Musik- und Kunstschule Angermünde Kindern und Jugendlichen in verschiedenen Projekten, One Billion Rising als weltweite Bewegung gegen Gewalt am Frauen und Mädchen ist nur eines davon.

Tanzen als Ausdruck von Gefühlen und Erleben von sozialer Gemeinschaft, das ermöglicht die Uckermärkische Musik- und Kunstschule Angermünde Kindern und Jugendlichen in verschiedenen Projekten, One Billion Rising als weltweite Bewegung gegen Gewalt am Frauen und Mädchen ist nur eines davon.

Daniela Windolff

Damit zeigen die Tanzgruppen der Musikschule jedes Jahr in der weltweiten Protestbewegung „One Billion Rising“ Gesicht gegen Missbrauch und Gewalt an Kindern und Frauen. Christina Gressmann hatte diese Aktion vor über 10 Jahren erstmals in die Uckermark geholt.

Tanzen ist hier viel mehr als rhythmische Bewegung zur Musik. Es ist auch eine Form offener, kreativer Sozialarbeit und gesellschaftlicher Auseinandersetzung ohne bürokratische und ideologische Hürden, betont Musikschulleiterin Dorothea Janowski. Der Zugang sei für alle Kinder leicht, man brauche keine Notenkenntnisse, kein musikalisches Talent, nur Spaß am Rhythmus.

Tanz und Chor sind Markenzeichen der Musikschule Angermünde

Doch Tanzen ist nur ein Genre, mit dem die Uckermärkische Musik- und Kunstschule Kinder und Jugendliche begeistert und von der Straße - oder heute eher vom Bildschirm - wegholt. Ein großer Bereich und wie das Tanzen ein Markenzeichen der Einrichtung, sind die Chöre. Hier können schon die ganz Kleinen ab 4 Jahre im Spatzenchor gemeinsamen spielerisch singen und in Kinder-, Jugend- und sogar den Kammerchor hineinwachsen. Oft wird so auch Interesse für ein Instrument geweckt.

Dorothea Janowski, Leiterin der Uckermärkischen Musik- und Kunstschule Angermünde, hier bei einem Adventskonzert 2021, sprach vor der Stadtverordnetenversammlung. Bekommt die Musikschule einen neuen Fördervertrag?

In den Startlöchern: Dorothea Janowski, Leiterin der Uckermärkischen Musik- und Kunstschule Angermünde, lädt am ersten Advent zum traditionellen Weihnachtskonzert mit Chören und Orchester in die Marienkirche ein.

Dorothea Janowski, Leiterin der Uckermärkischen Musik- und Kunstschule Angermünde, lädt am ersten Advent zum traditionellen Weihnachtskonzert mit Chören und Orchester in die Marienkirche ein.

Daniela Windolff

Gemeinsame öffentliche Konzerte aller Chöre und Instrumentalensembles gehören dazu und geben den Kindern Anerkennung. Höhepunkt ist das traditionelle Weihnachtskonzert am 1. Advent in der Marienkirche Angermünde. In diesem Jahr steht das anspruchsvolle Weihnachtsoratorium von Bach auf dem Programm, mit allen Chören und Orchester. Die Jüngsten sind 4 Jahre.

Insgesamt 14 Hauptfächer bietet die Musikschule an. Dazu Kurse, Ensembles, Musikalische Früherziehung und als Besonderheit eine Vielzahl internationaler Projekte und Begegnungen mit Kooperationspartnern.

Das Angebot für alle zu erhalten, ist ein ständiger Kampf ums Geld. Den kämpfen momentan alle Musikschulen in Deutschland. Denn die Voraussetzungen für eine Anerkennung und Förderung sind härter geworden. Alle Musikschulen in Brandenburg müssen 2025 die staatliche Anerkennung wiederholen als Voraussetzung für Landeszuschüsse.

Darüber hinaus zwingt das umstrittene Herrenberger Urteil viele Musikschulen finanziell in die Knie. Es verlangt statt Honorarverträge Festanstellungen für Musiklehrer.

Die Angermünder Musikschule hat diese Hürde gestemmt und sieht auch zuversichtlich der erneuten Anerkennung entgegen. Allerdings musste der Trägerverein Musikfreunde Angermünde e. V. die Gebühren erhöhen. Die Stadt Angermünde erhöhte parallel ihre Zuschüsse für die Musikschule. Hier hat man erkannt, was der Verein in der Kinder- und Jugendbildung, als Standortfaktor für Zuzug aber auch als Bereicherung des öffentlichen Kulturlebens leistet. Der Bundespreis 2025 bringt Angermünde nun erneut Anerkennung und die Musikschule als gutes Beispiel ins Gespräch.

Musikschule Angermünde in Zahlen

Anerkannte Musikschule des Landes Brandenburg, Träger Musikfreunde Angermünde e.V.
Rund 450 Schüler und 20 qualifizierte Lehrkräfte, davon 17 in Festanstellung.

Angebote: 14 Hauptfächer von Akkordeon über Klavier, Zupf- und Blechblasinsrumente, Streichinstrumente, Percussion bis Orgel.
10 Kursangebote, u. a. Tanz, Chor, Musikalische Früherziehung
Einzelunterricht, u.a. Gesang (Klassik, Pop, Musical), Theorie
Ensembles (Bläser Brass-Mixx, Percussion RundUmschlag, Streicherensemble, Blockflötenensemble, Inklusive Musik, Tanzensembles)
Begabtenförderung durch Stipendien, kostenfreie Zusatzstunden und Studienvorbereitung

Projekte und Konzerte: Adventskonzert mit Weihnachtsoratorium, Familienkonzerte, Benefizkonzerte „Musikschulen öffnen Kirchen, Tanzgala, deutsch-polnische Begegnungen und Konzerte in Stettin und Kulice.

Kontakt: Büro: Donnerstag 16 - 18 Uhr
Telefon: 03331 / 30 18 43 umks@musikschule-angermuende.de