Burg Greiffenberg bei Angermünde
: Ruine gewinnt Baukultur-Wettbewerb in Brandenburg

Die Preisträger im Baukultur-Wettbewerb 2025 stehen fest. Angermünde räumt gleich mehrere Preise ab. Wie die Jury entschied und was die Gewinner auszeichnet.
Von
Daniela Windolff
Angermünde
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Burg Greiffenberg: Die Reste der mittelalterlichen Burg bei Angermünde wurden restauriert und einer Sehenswürdigkeit und Stätte für Kultur nutzbar gemacht. Der Rundturm ist begehbar und bietet auf der Aussichtsplattform einen Rundumblick über Burg, Greiffenberg und Landschaft der Uckermark.

Burg Greiffenberg: Die Reste der mittelalterlichen Burg bei Angermünde wurden restauriert und einer Sehenswürdigkeit und Stätte für Kultur nutzbar gemacht. Der Rundturm ist begehbar und bietet auf der Aussichtsplattform einen Rundumblick über Burg, Greiffenberg und Landschaft der Uckermark.

Daniela Windolff
  • Die Burgruine Greiffenberg bei Angermünde gewinnt 2025 den Baukultur-Wettbewerb in der Kategorie Freiraum.
  • Sanierung durch den Förderverein Denkmalpflege Günterberg machte die Burg zu einem Kultur- und Tourismusort.
  • Modernisierte Anlage mit begehbarem Turm, Bühne und barrierefreien Einrichtungen seit 2024 zugänglich.
  • Jury lobt die Verbindung von Denkmalschutz, Landschaftsbezug und innovativer Nutzung der Ruine.
  • Weitere Sieger: Kirche Dobberzin (Ideen), Töpferhaus Balow (Sonderpreis), Seminarhaus VERN e.V. (Anerkennung).

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Eine Ruine aus dem Mittelalter, jahrhundertelang verwaist und verfallen, gewinnt 2025 ausgerechnet einen Preis für Architektur und Baukultur. Die Burg Greiffenberg bei Angermünde wurde im Baukulturwettbewerb als Sieger in der Kategorie Freiraum ausgezeichnet. Doch was steckt dahinter?

Der Wettbewerb, der vor über 10 Jahren im Unesco-Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin ins Leben gerufen und nun zum 5. Mal ausgetragen wurde, will regionaltypische Baukultur und nachhaltiges Bauen in ländlichen Regionen würdigen und fördern. Ein Perspektivwechsel von gesichtslosen Einheitsbauweisen zu architektonischen Visitenkarten einer Region.

Wettbewerb startete einst in Angermünde

Beispielhafte Projekte von privaten oder öffentlichen Bauherren sollen zugleich Anregungen und für private und öffentliche Bauherren, Architekten, Planer und Kommunen geben und das Bewusstsein schärfen, was regionaltypisches Bauen als Identifikation einer Landschaft bedeutet.

Dabei geht es nicht nur um traditionelle Bauweisen historischer Architektur und Gebäudeformen, wie Fachwerkhäuser oder Feldsteinscheunen, sondern auch um Bewahrung charakteristischer Bauformen bei Neubau, handwerkliche Qualität, um den Erhalt typischer Dorfstrukturen, um Harmonie in der Kulturlandschaft und Natur, zum Beispiel Bauerngärten, Pflasterstraßen, Alleen oder Parkanlagen.

Deshalb wertet der Baukultur-Wettbewerb in fünf Kategorien: Bestandssanierung, Neubau, Ortsbild, Freiraumgestaltung und Ideen.

25 Bauherren kamen in den Wettbewerb

Für den Baukultur-Wettbewerb 2025 kamen 25 Bewerbungen aus der Region des Biosphärenreservates Schorfheide-Chorin in die Bewertung, vom Tinyhouse im alten Pferdestall bis zur Umgestaltung eines DDR-Plattenbaus zu einem Mehrgenerationenhaus. Und eben auch die Sanierung einer Burgruine zu einem neuen kulturellen und touristischen Veranstaltungsort.

Burgruine Greiffenberg bei Angermünnde: Hier finden seit der Eröffnung 2024 Veranstaltungen, wie Mittelalterfest und Konzerte, statt.

Burgruine Greiffenberg bei Angermünnde: Hier finden seit der Eröffnung 2024 Veranstaltungen, wie Mittelalterfest und Konzerte, statt.

Daniela Windolff

Die Burg Greiffenberg im gleichnamigen Ortsteil von Angermünde hat eine bedeutende Geschichte, die für die Entwicklung der Region und die Entstehung der Stadt Greiffenberg eine herausragende Rolle spielte. Doch von der einst stattlichen Burganlage blieb nach vielen Wirren, Kriegen, Plünderungen und Vernachlässigung schließlich nicht viel mehr übrig, als ein Haufen verfallener Mauer-und Turmreste.

Förderverein Denkmalpflege Günterberg engagiert sich für Rettung der Ruine

Bis der ortsansässige ehrenamtliche Förderverein Denkmalpflege Günterberg den kulturhistorischen Wert dieses vergessenen Kleinods erkannte und sich viele Jahre lang für den Erhalt, die Restaurierung und Nutzung der Burgruine engagierte. Mühsam, hartnäckig und erfolgreich. Planung und Betreuung übernahm das Angermünder Architektur- und Planungsbüro Martin Krassuski.

2024 wurde zum ersten Mal seit Jahrhunderten der historische Burghof wieder öffentlich zugänglich. Restauriertes Eingangsportal, begehbarer Aussichtsturm, Sitzplätze, Bühne samt Technik und behindertengerechte Sanitäranlagen machen die Burgruine heute zu einer einzigartigen Kulisse für Kulturveranstaltungen, von Führungen, Konzerten bis zu Mittelalterfesten, oder einem Ausflugsort für romantische Spaziergänge.

Das würdigte die Jury des diesjährigen Baukulturwettbewerbs und kürte die Burgruine Greiffenberg als Sieger in der Kategorie Freiraum. Ihre Begründung: „Die subtile Sanierung und Erhaltung der Burgruine Greiffenberg verbindet denkmalpflegerische Präzision mit einem feinen Gespür für Landschaft und Geschichte.“

Jury kürte Burg zum Preisträger in der Kategorie Freiraum

Durch die „Einbindung in das Orts- und Landschaftsbild, den Erhalt des wertvollen Baumbestands und die Wiederherstellung historischer Blickbeziehungen“ sei ein Ort entstanden, der Vergangenheit und Gegenwart eindrucksvoll verknüpft.

Anerkennung zollt die Jury auch der innovativen Bauweise der Sicherungsmaßnahmen sowie dem modernen Nutzungskonzept. In Greiffenberg wurde „aus einer Ruine ein lebendiger, baukultureller Ort, der Identität stiftet, Geschichte erlebbar macht und der Region neue kulturelle Impulse verleiht“, begründet die Fachjury ihre Entscheidung.

Fachjury aus Experten wählte die Preisträger

Diese Jury setzte sich zusammen aus Vertretern des Ministeriums für Infrastruktur und Landesplanung, der Architektenkammer Brandenburg, der Baukammer Berlin, der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde, Energieberatung, dem Landkreis Barnim und der Verwaltung sowie dem Kuratorium des Biosphärenreservates Schorfheide Chorin. Sie hatte im Vorfeld auch alle Bewerber vor Ort besucht. Die Preisverleihung fand am 29. November 2025 in Eberswalde statt.

Zu den Preisträgern aus Angermünde gehört auch die Kirche Dobberzin in der Kategorie Ideen. Die Dorfkirche soll zu einem Archiv- und Forschungsort mit Bibliothek und Lesesaal entwickelt werden. Auch das Töpferhaus Balow in Greiffenberg wurde mit einem Sonderpreis belohnt.  Das Ensemble der letzten Töpferei wurde in seiner ursprünglichen Form wieder hergestellt und erlebbar gemacht. Das sanierte Seminarhaus des VERN e.V. in Greiffenberg erhielt eine Anerkennung.

Preisträger Wettbewerb Baukultur 2026

Kategorie Bestand
1. Preis Marowski-Haus Oderberg (Märkisch Oderland)
2. Gutshaus Battin (Uckermark)

Kategorie Ortsbild
1. Preis: Gutshaus Friedenfelde/Gerswalde (Uckermark)
2. Atelierhaus am See, Friedrichswalde (Barnim)

Kategorie Freiraum
1. Preis: Burgruine Greiffenberg/Angermünde (Uckermark)

Kategorie Neubau
1. Preis: Strohhaus Dahmsdorf/Müncheberg (Märkisch-Oderland)
2. Bürgerhaus Prötzel/Harnekop (Märkisch-Oderland)

Kategorie Ideen
1. Preis Dorfkirche Crussow/Angermünde (Uckermark)'
2. Wohnblock Potzlow (Uckermark)

Sonderpreis
Töpferhaus Balow Greiffenberg/Angermünde (Uckermark)
Feldsteinhaus Carolinenthal (Uckermark)

Anerkennung
Seminarhaus VERN e.V. Greiffenberg/Angermünde (Uckermark)
Tinyhouse im Pferdestall Wichmannsdorf (Uckermark)
Stallgebäude Jakobshagen (Uckermark)
Ehemaliger Stall Schorfheide/Eichhorst (Barnim)
Naturhaus Schorfheide/Klansdorf (Barnim)