Piwodda bei Hart aber fair
: Gartzer Bürgermeister: „Na klar, arbeite ich mit AfD zusammen“

Es ist Wahlkampf und kaum eine Partei ist im Amt Gartz bei Schwedt präsent. Die Menschen verlieren Vertrauen, so der Gartzer Bürgermeister Luca Piwodda im TV bei "Hart aber fair". Was er noch in der ARD-Sendung gesagt hat.
Von
Thorsten Pifan
Gartz
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piwodda

Luca Piwodda möchte eine neue Kultur der Beteiligung und des Miteinanders in Gartz etablieren. Als jüngster Bürgermeister in Gartz hat dazu nun die Chance.

Thorsten Pifan

„Na klar, arbeite ich mit der AfD zusammen“, sagt Luca Piwodda offen im Abendprogramm von Das Erste bei Hart aber fair. Luca Piwodda ist Bürgermeister in Gartz bei Schwedt (Uckermark). In der Stadtverordnetenversammlung sei ein AfD-Politiker, der gerade den Stadtbrunnen repariert. „Das hat er auch schon gemacht, bevor er für die AfD kandidierte, da kann ich ihm doch jetzt nicht sagen: Du machst nicht mehr mit.“

Den ARD-Zuschauern schildert der jüngste Bürgermeister aus dem äußersten Nordosten Brandenburgs die Situation in der Uckermark. In Gartz seien die Parteien kaum noch präsent. Es gebe keine funktionierenden Ortsvereine und Ortsverbände mehr – außer den Strukturen der AfD. Um diese Lücke zu schließen, hat Piwodda seine eigene Partei gegründet, die Freiparlamentarische Allianz.

Im Rededuell mit Katrin Göring-Eckardt und Wolfgang Bosbach

Ist die Demokratie in Deutschland in Gefahr? Über diese Frage diskutiert Luca Piwodda am Montagabend (26.8.) bei Louis Klamroth in der Sendung „Hart aber fair“. Dort muss er sich mit Katrin Göring-Eckardt von Bündnis 90/Die Grünen, Wolfgang Bosbach (CDU) und Sebastian Fiedler (SPD) auseinandersetzen.

Klar, dass die Parteienvertreter dem jungen Bürgermeister mächtig Gegenwind entgegen pusten. Doch Piwodda weiß auch anzugreifen. „Jetzt reden wir schon wieder nur über die AfD, anstatt einmal Lösungen anzubieten“, kritisiert er und erklärt, dass im Kreistag der Uckermark Entscheidungen gefällt werden müssen über den ÖPNV und darüber, ob die Menschen im ländlichen Raum abgehängt sind – oder eben nicht.

Manche Menschen auf dem Land warten darauf, dass Städter vorbeikommen

Katrin Göring-Eckardt greift das Stichwort sofort dankbar auf. Sie verweist auf die hohen Kosten, die mit einem Ausbau von Bus- und Bahnverbindungen einhergehen. Sie spricht auch davon, dass die Menschen auf dem Land vielleicht gar nicht in die Stadt wollen, sondern darauf warten, dass die Städter sich in den Bus setzen, um auf das Land zu fahren. Eine Lösung liefert die Politikerin jedoch nicht, ihr Beitrag endet in der Forderung, dass künftig alle besser zusammenarbeiten sollten.

Luca Piwodda spricht in diesem Zusammenhang von einem Vertrauensverlust in die Parteien. In seiner Heimat gebe es in der Stadtverordnetenversammlung ganz bewusst keine Fraktionen. „Wir suchen die Lösungen gemeinsam“, sagt er. Das funktioniert in der Stadt Gartz. Auch im Amtsausschuss gibt es keine Fraktionen. Dort haben Piwodda und seine Mitstreiter gerade einen Abwahl-Antrag gegen den Amtsdirektor auf den Weg gebracht. Sie wollen einen echten Neuanfang – auch im Amt, sagen sie.

Die Grenzen der politischen Unabhängigkeit sind schnell erreicht

An die Grenzen kommt Piwodda aber schon im Kreistag der Uckermark. Dort ist er als Einzelkandidat eingezogen und bildet mit der CDU und der Bauernpartei eine Fraktion. Wenn dort über den ÖPNV diskutiert wird, spielen schon wieder regionale Interessen und am Ende auch Parteizugehörigkeit eine Rolle. So hat das Amt Gartz zwei der begehrten Haltepunkte auf der Bahnstrecke zwischen Berlin und Stettin sicher. Nun möchte auch die Stadt Schwedt Haltepunkt sein und wirft ihr ganzes Gewicht aus dem SPD-regierten Rathaus ins Rennen, um Gartz einen der Haltepunkte abzujagen.

An dieser Stelle scheint es wieder sinnvoll, auch die Strukturen von Parteien in der Hinterhand zu haben. Denn damit lassen sich auf Landesebene und auch auf Bundesebene immer noch besser Türen öffnen und offene Ohren finden. Und auch vom SPD-Bundestagsabgeordneten Sebastian Fiedler weht Piwodda Gegenwind entgegen. „In den Parteien haben wir so viele unterschiedliche Konzepte, dass wir für jedes Problem eine Lösung haben“, sagt er selbstbewusst.

Die AfD ist nicht die einzige Alternative

Doch im ländlichen Raum sind SPD, CDU und auch Bündnis 90/Die Grünen eben kaum noch präsent, wie nicht nur Luca Piwodda, sondern auch Lena Grundmann betonen. Sie ist in Thüringen Aktivistin und Initiatorin des Bündnisses „Dorfliebe für alle“. Ihre Ziele sind ähnlich wie die von Luca Piwodda und seiner Partei. Sie wollen Ansprechpartner für die Menschen der Region sein, sie wollen etwas bewegen, positiv wirken. Lena Grundmann fasst es zusammen und spricht es aus: „Die AfD ist nicht die einzige Alternative.“