Die Stimmung schwankt: Insbesondere in der Uckermark gärt es und die Unzufriedenheit mit der Regierung wegen ihres Umgangs mit den Wirtschaftssanktionen gegen den Aggressor Russland wächst. Rund ein halbes Jahr liegt es inzwischen zurück, dass die russische Armee in das Nachbarland Ukraine eingefallen ist. Seitdem sterben dort täglich Menschen.
Dabei ist das Phänomen der immer mehr schwankenden Stimmung längst nicht nur an den Stammtischen zu hören und in den sozialen Medien – womöglich auch durch Propaganda-Influencer geschürt – zu lesen. Aus der Kreishandwerkerschaft haben sich die Obermeisterinnen und Obermeister zusammengetan und einen offenen Brief verfasst.

Autoren gegen mit den Regierenden hart ins Gericht

Darin gehen die Autoren hart mit Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD), Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Bündnis 90/Die Grünen) und Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) ins Gericht. Im Fazit glauben sie nicht an die Wirksamkeit der Wirtschaftssanktionen gegen Russland und fordern den Einsatz von Diplomatie seitens der deutschen Regierung statt Waffenlieferungen in die Ukraine.
Unterzeichner sind beispielsweise Kreishandwerksmeister Klaus Schreiber aus Angermünde oder die Obermeisterin der Friseur-Innung Silvia Schütz, die ihren Salon in Schwedt betreibt. Insgesamt trägt das Schreiben elf Unterschriften der Obermeisterinnen und Obermeister der KfZ-Innung, der Bäcker-Innung, der Elektro-Innung, der Tischler-Innung, der SHK-Innung, der Metallbauer-Innung, der Bau-Innung, der Dachdecker-Innung und der Innung der Maler und Lackierer.

Verkauft Russland über Indien weiter Öl in die EU?

Dabei gehen die Handwerker auch auf Thesen ein, die davon ausgehen, dass die EU und damit auch Deutschland weniger russisches Öl importiert, dafür aber andere Länder vermehrt in Russland einkaufen, um das Öl dann auch gleich weiterzuverkaufen – zum Beispiel in die EU. Indien gilt als solch ein Kandidat. Laut einem Faktencheck des Mitteldeutschen Rundfunks, der sich auf eine finnische Studie bezieht, sei es zumindest möglich, dass an diesen Thesen, die unter anderem die Linken-Politikerin Sahra Wagenknecht verbreitet, auch etwas dran ist.
„Wir sehen die Gefahr, dass der soziale Frieden in unserem Land geopfert wird für die Durchsetzung einer ideologisierten ambitionierten Energiepolitik“, schreiben die Obermeisterinnen und Obermeister und greifen damit selbst zur politischen Argumentation, die sich gegen den Bündnisgrünen Wirtschaftsminister wendet.

Handwerker fühlen sich übergangen

Die Handwerker fühlen sich im Zuge der politischen Maßnahmen übergangen. Denn im Fokus stünden allenfalls die großen Betriebe im Land, während die Handwerksbetriebe – oft familiär – innovativ, regional aber genauso systemrelevant seien. Denn das Handwerk verlagere keine Arbeitsplätze ins Ausland, im Handwerk arbeiteten die Menschen, die in den Regionen Teil der Netzwerke sind. Sie mahnen: „Wenn Sie in die funktionierenden Netzwerke eingreifen, zerstören Sie den sozialen Frieden.“
Mit den Sanktionen – wie dem Öl-Embargo, das die Uckermark mit der PCK-Raffinerie ungleich härter treffen wird als jede andere Region in Deutschland – vernichte die Regierung aber gleichzeitig die Grundlage, aus der die Leistungsträger das Geld erwirtschaften, dass der Staat jetzt dringend benötigt, um die Konsequenzen aus den Sanktionen abzufangen.

Handwerker fordern ein Zurück zur Sachlichkeit

Das Schreiben der Handwerker mündet in einer Forderung: „Wir fordern von Ihnen ein Zurück zur Sachlichkeit, ein Zurück zum Zuhören. Verlassen Sie die Bühne politischer Spielchen.“ Denn, so das Fazit der Unterzeichner: „Militärische Streitigkeiten und Wirtschaftskriege haben immer Verlierer.“