Schloss Boitzenburg
: Historisches Juwel der Uckermark und einstiges NVA-Erholungsheim

Das märchenhaft anmutende Schloss im uckermärkischen Boitzenburg erzählt von einer Jahrhunderte dauernden Ära der Umgestaltungen und Erneuerungen.
Von
Oliver Voigt
Boitzenburg
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  • Von der Wasserseite bietet sich der Blick auf das „Neuschloss“ mit Sommerterrasse.

    Von der Wasserseite bietet sich der Blick auf das „Neuschloss“ mit Sommerterrasse.

    Oliver Voigt
  • Die wertvolle Bücherbestand der Bibliothek ging verloren, heute sind Konzerte im Bibliotheksflügel zu erleben.

    Die wertvolle Bücherbestand der Bibliothek ging verloren, heute sind Konzerte im Bibliotheksflügel zu erleben.

    Oliver Voigt
  • Blick in eines der Jugendzimmer im Altschloss.

    Blick in eines der Jugendzimmer im Altschloss.

    Oliver Voigt
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Inmitten der malerischen Seen und Wälder liegt eines der schönsten und faszinierendsten Schlösser in Brandenburg – das Schloss Boitzenburg. Es fügt sich harmonisch in die einzigartige Landschaft der Uckermark ein und beeindruckt durch seine Schönheit und majestätische Ausstrahlung.

Die einst prächtige Parkanlage, um 1840 gestaltet von Peter Joseph Lenné, verleiht dem Schlossbild eine besondere Anmut und ihre erhaltenen Überreste laden noch heute zu romantischen Spaziergängen und gemütlichem Verweilen ein.

Adelssitz mit wechselvoller Geschichte

Heute ist das Schloss Boitzenburg ein Anziehungspunkt für Besucher aus nah und fern. Dank aufwendiger Restaurierung ist das Schloss wieder für die Öffentlichkeit zugänglich und dient als Hotel. Nicht nur das Schloss selbst, sondern auch die Umgebung von Boitzenburg zeugt von den Spuren vergangener Schlossherren und erzählt die wechselvolle Geschichte im Glanz vergangener Jahrhunderte.

Es zählt zu den größten Adelsschlössern der Mark, das Schloss Boitzenburg. Um 1276 findet Burg Boitzenburg erstmals urkundliche Erwähnung. Dietrich von Kerkow findet sich als erster Lehnsherr in den Überlieferungen. Es folgten mehrere Besitzerwechsel.

Schloss Boitzenburg liegt auf einer Halbinsel. Im 18. Jahrhundert entstand durch Anbauten eine barocke Dreiflügelanlage, Ende des 19. Jahrhunderts erfolgte der letztmalige Umbau im Neo-Renaissance-Stil.

Oliver Voigt

Guter Tausch für die Familie von Arnim

Burg Boitzenburg diente abwechselnd den Landvögten der Uckermark als Sitz, auch schon im 15. Jahrhundert den Rittern von Arnim. Endgültig in Besitz der Familie von Arnim ging die Burg 1528 über, als Hans VIII. von Arnim, brandenburgischer Rat und Landvogt der Uckermark, sein Schloss Zehdenick gegen die Boitzenburg eintauschte.

Eine Ära der Umgestaltungen, Erweiterungen und Erneuerungen bricht an. In seiner heutigen Pracht und Größe vereint das Schloss die künstlerischen Epochen der vergangenen 500 Jahre und spiegelt das Ergebnis der vielfältigen Geschmäcker der Familie von Arnim wider. Mehr als 500 Jahre, bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges, diente es als ihr Zuhause.

Aus der Burg wird ein Schloss

Hans VIII. von Arnim kann zweifellos als der Erbauer des älteren Schlossteils, der als „Oberhaus“ bezeichnet wird, betrachtet werden. Die strukturierte Bauweise des Hauses lässt zudem vermuten, dass es sich hierbei um einen vollständigen Neubau handelte. Allerdings deuten die schiefwinklige Form und die beeindruckende Dicke der Mauern des angrenzenden Zwischenbaus darauf hin, dass möglicherweise im unteren Teil noch Überreste einer mittelalterlichen Burg vorhanden waren. Auch die erhöhte Lage der Schlosshöfe ist heute ein Indiz, dass die ehemalige Wallanlage, die das Haus einst umgab, vermutlich nach dem Ende des 17. Jahrhunderts abgetragen wurde.

Das Mobiliar für das gräflichen Speisezimmer ließ Dietlof von Arnim um 1912 in Norwegen anfertigen.

Oliver Voigt

Plünderungen im Dreißigjährigen Krieg

Während des Dreißigjährigen Krieges von 1618 bis 1648 wurde das Schloss Boitzenburg sowohl von den Dänen geplündert als auch mehrfach von den Schweden überfallen. Allerdings erlitt es weniger Schäden durch diese Angriffe als vielmehr aufgrund mangelnder Instandhaltung durch den Besitzer.

Im 18. Jahrhundert wurde das Unterhaus von Georg Dietloff von Arnim zu einer barocken Dreiflügelanlage umgestaltet. Im 19. Jahrhundert erfuhr das Schloss zwei weitere größere Umbauten: Von 1838 bis 1842 wurde es durch Friedrich August Stüler im neugotischen Stil erweitert. Von 1881 bis 1884 wurde das Schloss abermals komplett umgebaut und der Renaissance angenähert. In dieser Form hat es sich im Wesentlichen bis heute erhalten.

Vielseitige Nutzung nach Enteignung

Ende des Zweiten Weltkriegs änderte sich die Nutzung drastisch. Es wurde Hilfskrankenhaus, Flüchtlingslager und Kindergarten, bis Mitte 1949 das Schloss zur Polizeischule wurde. Die hatte nicht lange Bestand. Ein Feuer am 12. Dezember 1949 verursachte verheerende Schäden. Neben dem vollständig vernichteten Dachstuhl des Neuschlosses wurde auch die Decke des Rittersaals von Trümmerteilen durchschlagen.

Auch der Seigerturm wurde stark beschädigt. Turmhelm und Glocke waren unwiederbringlich verloren und wurden nie wieder ersetzt. Große Teile der Innenausstattung waren durch Löschwasserschäden unbrauchbar geworden. Noch im Februar 1950 wurden die Polizeischüler nach Löbau in Sachsen verlegt.

Nationale Volksarmee wird zum Schutzschirm

Im Gegensatz zahlreicher Schlösser und Herrenhäuser blieb Schloss Boitzenburg in den Nachkriegsjahren und DDR-Zeiten zumindest aus bauhistorischer Sicht erhalten. Ausgerechnet die Nutzung als Erholungsheim der Nationalen Volksarmee von 1956 bis zur Wende war dafür maßgebend. Das endgültige Aus für das Militärerholungswesen erfolgte erst 1991 mit der Kündigung des verbliebenen Personals.

Anschließend geriet es in die Vermögensmasse der Treuhandanstalt. Im Jahr 1998 erwarb ein Hamburger Investor das Schloss zu einem symbolischen Preis von einer Mark. Er verwandelte es in ein Kinder- und Jugendhotel im Jugendherbergsstil mit 350 Betten, das sich besonders an Schulklassen und Familien richten sollte.

An der Ausrichtung als Hotel hat sich bis heute nichts geändert. Auch als Hochzeitslocation mit entsprechenden Übernachtungsangeboten hat sich das Schloss über die Kreisgrenzen hinweg einen Namen gemacht. Wöchentliche Führungen stoßen auf reges Interesse und sollten vorsorglich angemeldet werden. Sie bieten zumindest einen kleinen Einblick in verschiedene Bereiche des Schlosses. Besonders erwähnenswert ist das sehr gut erhaltene Speiseraum, der um 1912 eingerichtet, beeindruckende Holzarbeiten am Mobiliar zeigt.

Die umfangreichen Deckenreliefs im Jagdzimmer enstanden zur Zeit des Dreißigjähriger Krieges.

Oliver Voigt

Staunende Besucher garantieren auch die Mitte des Dreißigjährigen Krieges gefertigten Deckenreliefs im Jagdzimmer, die Hans-Georg von Arnim, Feldmarschall und Vertrauter Wallensteins, fertigen ließ und noch heute zu den bemerkenswerten Beispielen norddeutscher Stuckateurkunst zählen.

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