Kiosk in Berlin-Spandau: Sleiman El-Kerdi – die Kiezgröße vom Westerwaldplatz

Sleiman El-Kerdi vor seinem Kiosk am Westerwaldplatz in Berlin-Spandau. Der 35-Jährige spricht über seinen Werdegang, die Sicherheit im Falkenhagener Feld und seine Pläne.
Kai Wielert- Sleiman El-Kerdi, bekannt als Kioskbesitzer und "Kiezbürgermeister" aus Berlin-Spandau, setzt sich für die Sicherheit und Sauberkeit im Falkenhagener Feld ein.
- 2024 erhielt er die goldene Spandauer Ehrennadel für sein Engagement.
- Er organisiert Aktionen wie "Kehrenbürger" und kämpft für bessere Beleuchtung und Sanierung im Kiez.
- El-Kerdi wünscht sich eine bessere Durchmischung der Bevölkerung und plant Neubauten für junge Leute und Senioren.
- Ein Sicherheitsdienst wird ab Februar 2024 im Falkenhagener Feld eingesetzt.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Wenn Sleiman El-Kerdi erst einmal anfängt, über seinen Kiez in Berlin-Spandau zu sprechen, gibt es wenig, was ihn stoppen kann. Seit seiner Geburt lebt er im Falkenhagener Feld. 2018 übernahm er den Kiosk am Westerwaldplatz. Als „Kiezbürgermeister“, wie ihn einige hier nennen, tut er vieles, um seine Heimat sicher und sauber zu halten. Das brachte ihm sogar einen Preis ein.
Sleiman El-Kerdi wurde vor 35 Jahren im Waldkrankenhaus Spandau geboren. Seine Eltern sind in den 1970er-Jahren von Libanon nach Deutschland gezogen, kurz vor seiner Geburt dann weiter in die Westerwaldstraße im Ortsteil Falkenhagener Feld. Seither hat sich El-Kerdi nicht weit aus der Hochhaussiedlung wegbewegt.
Sleiman El-Kerdi – der Mann vom Westerwaldplatz in Berlin-Spandau
„Wenn ich über Heimat rede, dann meine ich genau diesen Fleck hier.“ Vor wenigen Jahren ist er mit seiner Familie nur ein paar Straßen weiter in die Zeppelinstraße gezogen. Doch das war ihm einfach zu weit weg. Mittlerweile wohnt er wieder in der Westerwaldstraße – dort, wo er aufgewachsen ist und wo heute sein Kiosk steht.
Im Kiez kennt ihn jeder. „Meine Frau wundert sich immer, wie viele Leute uns beim Einkaufen oder Spaziergehen ansprechen.“ Bevor er nach der Ausbildung zum IT-Systemelektroniker den Kiosk übernommen hat, war ihm gar nicht bewusst, wie sehr er rund um den Westerwaldplatz vernetzt ist. „Die ehemalige beste Freundin meiner Mutter, die mir das Fahrradfahren beigebracht hat, kommt jetzt immer noch in meinen Kiosk.“ Auch alte Schulkameraden treffe er immer wieder, „und mittlerweile sogar die Kinder der Schulkameraden“.
Angst vor Zuständen wie in Heerstraße Nord in Berlin-Spandau
2024 wurde Sleiman El-Kerdi eine besondere Ehre zuteil. Er erhielt die goldende Spandauer Ehrennadel. Als „Kiezgröße, Kommunenkönig und Kolonieversteher“ wurde er in der Laudatio bezeichnet. „Sein Engagement lebt von Leidenschaft, Liebe zu seinem Kiez und einem Gefühl des möglich machens.“ Sleiman El-Kerdi wird als rastlos bezeichnet, sei randvoll mit Ideen, irgendwie positiv verrückt und mit einer Kiezverbundenheit ausgestattet.
Wenngleich El-Kerdi seinen Kiez liebt, gibt es Probleme. Besonders macht ihm die Sicherheit auf den Straßen Sorgen. „Ich will hier keine Zustände wie in der Heerstraße Nord.“ Dort traue man sich nicht mal als Mann nachts alleine auf die Straße, geschweige denn als Frau.
Eine Baustelle sei die Beleuchtung. Nicht selten fallen Straßenlaternen aus, an anderer Stelle stehen erst gar keine. Am Westerwaldplatz sorgt der Kiosk für die Beleuchtung: „Ich lasse nachts das Licht draußen an“, erzählt der 35-Jährige. „Mir ist es wichtig, dass die Leute sich hier sicher fühlen.“ Aktuell ist er auch mit anderen ansässigen Akteuren im Gespräch, damit sie es ihm gleichtun.
Um das Problem der Laternen zu lösen, greift er auch gerne mal selbst zum Telefon. „Wenn ich eine defekte Laterne sehe, bin ich der Erste, der die App der Stromnetze Berlin öffnet und die meldet.“ Wenn er keine Antwort bekommt, schickt er die Beschwerdemail gleich hinterher, das ist ihm wichtig.
Herzensprojekt von El-Kerdi im Falkenhagener Feld in Berlin-Spandau
Ein weiteres Herzensprojekt für den Kioskbesitzer ist die Sauberkeit in seinem Kiez. „Spätestens zu Feierabend sind meine Mitarbeiter oder meine Neffen dazu angehalten, vor dem Laden sauber zu halten. Ich hasse es, wenn Müll auf der Straße liegt.“ Auch wenn er privat unterwegs ist, sammelt er jede herumliegende Plastiktüte auf.
Um diese Einstellung an die nächste Generation weiterzureichen, organisierte El-Kerdi etwa im Mai gemeinsam mit der berlinovo und anderen lokalen Akteuren die „Kehrenbürger“-Aktion. „Da haben hier fast 500 Schüler mitgeholfen, Müll aufzusammeln.“ Mitgemacht hat unter anderem seine alte Grundschule, die auch Westerwaldplatz liegt.

Das Falkenhagener Feld in Berlin-Spandau soll in den kommenden Jahren aufgewertet werden. Das plant die Eigentümergesellschaft berlinovo. Dabei werden wohl einige Parkplätze wegfallen.
Kai WielertNeben seiner Arbeit im Kiosk und als IT-Sachbearbeiter bei der Telekom engagiert sich der Spandauer ehrenamtlich im Mieterbeirat der berlinovo. Das Unternehmen hat 2021 einen Teil des Bestandes der Deutschen Wohnen im Ortsteil übernommen. Mit dem neuen Eigentümer liefe es besser. „Es ist nicht alles perfekt, aber zumindest haben wir jetzt eine Vermietung, die uns zuhört.“
Eine positive Sache folgt daraus bereits im kommenden Jahr: „Ab Februar wird für mindestens ein Jahr ein Sicherheitsdienst durchs Falkenhagener Feld gehen.“ Das betreffe über 2800 Wohnungen und werde „nicht wenig Geld kosten“.
Hochhaussiedlung in Berlin-Spandau soll saniert werden
Die berlinovo plant aber auch in Zukunft Großes in El-Kerdis Heimat. Die überwiegend aus den 1960er-Jahren stammenden Bestandsgebäude sollen grundlegend saniert werden. Zusätzlich sind auch Neubauten mit kleineren Wohnungen für junge Menschen und Senioren geplant.
Laut El-Kerdi wolle die berlinovo alten Menschen, die in zu großen Wohnungen wohnen, den Umzug in die neuen Gebäude ermöglichen. Die Bestandsgebäude sollen dann nach der Sanierung für Familien zur Verfügung stehen.
Grundsätzlich hält der Kioskbesitzer die Idee für gut: „Die Neubauten sehen wir als Mieterbeirat aber auch ein bisschen kritisch, weil dafür zum Teil Parkplätze verschwinden.“ Das sei am Rande eines Randbezirkes nicht realistisch; viele seien im Falkenhagener Feld aufs Auto angewiesen.
Solange die öffentlichen Verkehrsmittel nicht massiv ausgebaut würden, müsse man auch mit Parkplätzen planen.
Wunsch nach besserer Durchmischung im Falkenhagener Feld
Eine Sache ist ihm persönlich bei dem Projekt sowie dem ganzen Falkenhagener Feld wichtig: die Bevölkerungsstruktur. „Wir brauchen eine bessere Durchmischung.“ Er habe letztens von einem Anwohner gehört, dass er sich nicht bewerben soll, „weil er von der Vermietung gehört hat, dass er zu viel verdient für so eine Wohnung hier“. Das sei ein Schlag ins Gesicht. Er wünscht sich mehr Wohnungen für Besserverdienende, um seinen Kiez aufzuwerten.
Dadurch könnten sich aus seiner Sicht Probleme wie die Sauberkeit und die Sicherheit in seinem Kiez verbessern. Auch kämen so vielleicht mehr Leute von außerhalb zum Westerwaldplatz. El-Kerdi: „Wir hatten vor Kurzem einen Promoter hier für eine Tabakaktion.“ Nach drei Tagen habe der zu ihm gesagt: „Ey, ich hab' hier gerade zum dritten Mal dieselbe Frau angesprochen.“ Die Aktion habe er abbrechen müssen, „weil hier immer dieselben Gesichter herumschwirren“.
Auch geschäftlich erhofft sich El-Kerdi dadurch Vorteile. Neben dem Laden am Westerwaldplatz gehört ihm auch ein Kiosk im Center am Juliusturm. „Da sehen wir alles, von armen bis reichen Familien.“ So etwas wünsche er sich auch für seinen Kiez. „Ich bin ja auch Geschäftsmann und brauche hier Kaufkraft.“ Und mit mehr Geld bei den Bewohnern erhofft er sich auch ein schöneres Umfeld: „Ich möchte, dass es meine Tochter und meine zukünftigen Kinder hier schön und gemütlich haben.“




