U-Bahn in Berlin-Spandau: Geheimnisse der U7 – Blick in den Untergrund

Der Bahnhof Rathaus Spandau der U-Bahnlinie U7. Eine Tour führte durch die Unterwelt verschiedener Bahnhöfe. Was der Architekt mit der Gestaltung ausdrücken wollte.
Britta Meyer- Die Tour "Unterirdisch gut nach Spandau" erkundet die U-Bahnhöfe der U7.
- Architekt Rainer G. Rümmler gestaltete die Bahnhöfe mit Bezug zur Umgebung.
- Bahnhöfe wie Siemensdamm und Haselhorst haben einzigartige Designs und Geschichte.
- Kritiker bemängelten die Gestaltung des Bahnhofs Paulsternstraße, der dennoch denkmalgeschützt ist.
- Die Tour endet am Bahnhof Rathaus Spandau mit einer festlichen Halle.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
„Wie könne es denn sein, dass hier so etwas Rotes steht? Sei der Architekt vielleicht gar Kommunist?“ Dr. Verena Pfeiffer-Kloss muss selbst lachen, als sie diese Anekdote erzählt. Gemeint ist der Eingangspavillon des U-Bahnhofs Fehrbelliner Platz. Zugetragen hat sich die Situation 1971. Die leuchtend rote Fassade sorgte damals für Empörung. Pfeiffer kennt viele solcher Anekdoten über die U-Bahnhöfe in Spandau.
Zu hören war die Anekdote auf ihrer Tour „Unterirdisch gut nach Spandau“, die Anfang Dezember im Rahmen der Ausstellung „100 Jahre Museum Spandau“ stattfand. Der Ausgangspunkt, der Fehrbelliner Platz, war sieben Jahre lang der Endbahnhof der U7, bevor die Linie in Richtung Westen verlängert wurde.
Mit der U7 baute ein Architekt sich seinen eigenen Arbeitsweg
Verena Pfeiffer-Kloss, Expertin für Stadt- und Architekturwissenschaft, und der Stadthistoriker Dominik Draheim führten ihre Gäste unter die Oberfläche der Bezirke. In Spandau standen Stationen an den Bahnhöfen Siemensdamm, Paulsternstraße, Haselhorst und Rathaus Spandau auf dem Programm.
Die futuristisch gestalteten Bahnhöfe der U7 sind Pendlern ein alltäglicher Anblick. Wie auch der rote Eingangspavillon am Fehrbelliner Platz wurden sie als zusammenhängendes, konzeptuelles Projekt von dem Architekten Rainer G. Rümmler designt.
„Rümmler war während der Zeit des Projekts als Leiter der Hochbauabteilung der Senatsverwaltung am Fehrbelliner Platz angestellt. Er selbst wohnte in Spandau und hatte kein Auto, er hat sich also seinen eigenen Weg zur Arbeit gebaut“, erklärte Verena Pfeiffer-Kloss den Tourgästen.
Er gestaltete jeden der U-Bahnhöfe mit individuellem Bezug auf seine direkte Umgebung. Die 1980 eröffnete Spandauer Station Siemensdamm liegt unter den Gebäuden der Firma Siemens. Rümmler ließ sich eigens aus München Fotos von Produktskizzen aus den Betriebsarchiven zuschicken. Diese arbeitete er dann in die Wandgestaltung ein.

Künstlerisch veränderte Produktskizzen aus den Archiven von Siemens zieren die Wände des U7-Bahnhofs Siemensdamm in Spandau.
Britta MeyerDer U-Bahnhof Siemensdamm hat überirdische Belüftungsanlagen, da er während des kalten Krieges auch als Zivilschutzanlage angelegt wurde. Im Falle eines Angriffs sollte er als Bunker dienen.
Kritiker waren keine Fans vom Bahnhof Paulsternstraße
Der Bahnhof Paulsternstraße beeindruckt mit dem Mosaik einer nächtlichen Naturlandschaft. Diese farbenfrohe Gestaltung stieß den Kritikern ihrer Zeit übel auf. Zu opulent und kitschig nannten viele Rümmlers stilistische Wahl.
„Das hier stelle ich nicht unter Denkmalschutz“, soll der Denkmalpfleger bei Eröffnung des Bahnhofs 1984 sogar gesagt haben, so Verena Pfeiffer-Kloss. Die Geschichte sollte ihn ignorieren: Die Station Paulsternstraße ist ebenso denkmalgeschützt, wie die anderen Bahnhöfe auch.

Die bunt gestaltete Wand des U7-Bahnhofs Paulsternstraße, rechts mit einer Libelle anstatt des Rümmler-Pfeils.
Britta MeyerRümmler bediente sich für seine Inspiration an der Ortsgeschichte. Um die 200 Jahre in der Vergangenheit erstreckte sich dort ein Feuchtwiesengebiet mit Wäldern, Schilf und Gras. Er setzte dies mit Sternen am dunklen Nachthimmel über einer Graslandschaft voller Blumen um. Die Sterne sollen auf den namentlichen Paulstern hinweisen.
An den Ein- und Ausgängen seiner Bahnhöfe befindet sich als Rümmlers Markenzeichen immer eine Variante des sogenannten „Rümmler-Pfeils“, der je nach Fahrtrichtung der Bahn nach links oder nach rechts zeigt. Hier wurde der Pfeil zu zwei Libellen, die hinein- und hinausfliegen.
Gestaltung vom Bahnhof Haselhorst erinnert an Fabrikhalle
Im Industriegebiet des U-Bahnhofs Haselhorst wollte Rümmler bei den Fahrgästen Assoziationen an eine Fabrikhalle wecken. Unregelmäßig schimmerndes Metall und klare Linien dominieren das Bild seiner Wände.
Ursprünglich war dieser Bahnhof mit Leuchtstoffröhren ausgestattet, die auch nach oben strahlten - so wurde an der Decke ein Lichtfächer erzeugt, der den Eindruck erweckte, in einer Fabrik mit sich kreuzenden Lichtquellen zu stehen. Inzwischen ist der Bahnhof einheitlich beleuchtet, wodurch Rümmlers Designeffekt verloren geht.

Die metallisch schimmernden Wände des U-Bahnhofs Haselhorst erinnert an die Werkzeugindustrie, die hier einmal an der Oberfläche stand.
Britta MeyerDie Führung endete am Schlusspunkt der U7: dem Rathaus Spandau. Die für einen U-Bahnhof ungewöhnlich große Halle mit vier Gleisen erlaubte es Rümmler, einen festlichen Effekt zu erzeugen, indem er die von Siemens eigens für Bahnhöfe hergestellten Lampen so anordnete, dass sie an einen Ballsaal erinnern. Der Fußboden soll dem des Rathauses gleichen.
Die beiden ungenutzten Gleise waren Anfang des 20. Jahrhunderts einmal dafür gedacht, die Linie der U2 von Ruhleben bis nach Spandau laufen zu lassen. Der Bezirk wollte, dass die U2 am Rathaus Spandau vorbeifahren, die Stadt Berlin jedoch wollte sie lieber an Spandau vorbei nach Potsdam verlängern. Da sie sich nie einig wurden, endet die U2 bis heute in Ruhleben.

Dr. Verena Pfeiffer-Kloss und Dominik Draheim an der Endstation ihrer Tour, dem U-Bahnhof Rathaus Spandau.
Britta MeyerDort endete die Tour durch Rainer G. Rümmlers U-Bahnhöfe der U7. Er hat in ganz Berlin das Bild des Verkehrs geprägt. In fast jeden Bezirk finden sich U- und S-Bahnhöfe aus seiner Arbeit. Wer täglich mit der U7 zur Arbeit oder zur Schule unterwegs ist, der hat beim Warten auf den Zug bereits oft seine Designs betrachtet.


