Verkehr in Berlin-Spandau
: Bald Chaos im Parkviertel? Welche Ängste Anwohner haben

Mit bis zu 1100 Wohnungen wächst der Verkehrsdruck im Kladower Parkviertel in Berlin-Spandau. Anwohner befürchten einen Verkehrskollaps und Probleme beim Rettungsweg.
Von
Jessica Neumayer
Spandau
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Parkviertel in Kladow während einer Bauphase, enge Straßen machen das Durchkommen schwer

Im Parkviertel Kladow in Berlin-Spandau wurde viel gebaut. Mit der geplanten weiteren Verdichtung befürchten Anwohnerinnen und Anwohner jetzt ein Verkehrschaos. Auch bei den Rettungswegen könnte es zu Problemen kommen.

Susanne Di Modica
  • Im Parkviertel Kladow in Berlin-Spandau entstehen bis 2026 400 neue Wohnungen, was den Verkehrsdruck erhöht.
  • Anwohner befürchten Verkehrschaos und Probleme bei Rettungswegen aufgrund einer engen Hauptstraße.
  • Eine Bürgerinitiative hat eine Petition gegen die Bebauung gestartet.
  • Degewo betont die Notwendigkeit von bezahlbarem Wohnraum und plant Sicherheitsmaßnahmen.
  • Bürgermeister Wegner zeigt Verständnis, sieht aber wenig Handlungsspielraum.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Im Parkviertel im Berlin-Spandauer Ortsteil Kladow sollen bis 2026 weitere 400 Wohnungen entstehen – zusätzlich zu den 700 vorhandenen Wohneinheiten. Anwohner befürchten, dass nach der bisherigen Planung des landeseigenen Wohnungsunternehmens Degewo das Viertel kollabieren wird, vor allem hinsichtlich der Verkehrsplanung.

„Mir scheint, hier soll weiter rücksichtslos gebaut werden bis zum Verkehrskollaps“, schreibt Carolin Kochjohann an die Redaktion, um ihrem Kummer Luft zu machen. Die Anwohnerin verweist auf die Amberbaumallee – eine zirka 1,3 Kilometer lange, schmale Straße durch das Viertel –, die schon jetzt als Nadelöhr gilt.

Verkehrsprobleme durch mehr Wohnungen in Kladow

Derzeit gibt es nur eine Zufahrt ins Viertel. „Wer hinein oder hinaus will, muss schon sehr vorausschauend fahren, um rechtzeitig eine Lücke für den entgegenkommenden Verkehr zu finden“, teilt Kochjohann mit. Eine zweite Zufahrt wird seitens der Degewo noch durchdacht. Das Problem mit dem Nadelöhr sei damit aber nicht wirklich gelöst, so Kochjohann.

Mehr Wohnungen bedeuteten auch mehr Verkehr im Viertel. „Selbst wenn jeder neue Haushalt entsprechend der Planung der Degewo nur 0,7 PKW mit in die Siedlung brächte, wären das fast 300 weitere Autos“. Und für die fehle schlichtweg der Platz.

„Das Viertel ist für über 1000 Wohnungen nicht ausgelegt“, bekräftigt auch Susanne Di Modica. Sie ist Teil einer Bürgerinitiative, die den Bauplan kritisch betrachtet. Im September 2024 hat sie eine Petition gestartet. Damit will die Initiative auf die befürchtete Zerstörung der Natur und des Lebensraums vieler Tiere durch die Bebauung aufmerksam machen.

Degewo betont Notwendigkeit für bezahlbaren Wohnraum in Berlin

Die Degewo ist nicht alleine verantwortlich für die Bebauung des Parkviertels. Private Investoren haben ebenfalls Reihenhäuser, Miet- und Eigentumswohnungen auf dem ehemaligen Grund der General-Steinhoff-Kaserne gebaut. Durch die geplante Bebauung der Degewo wird die Anzahl der Wohnungen im Viertel auf zirka 1100 Wohneinheiten ansteigen.

„Wir werden mehr bezahlbaren Wohnraum für die Berlinerinnen und Berliner bieten können“, betont Stefan Weidelich, Sprecher der Degewo, die Notwendigkeit des Bauprojekts. „Wir sind nicht gegen die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum“, bestätigt auch Di Modica. Sie wünsche sich nur verantwortungsvolles Bauen in Hinsicht auf die Mieter und im Einklang mit der Natur.

Beim benötigten Wohnraum sind sich beide Parteien also einig. Mit einer Informationsveranstaltung im Sommer 2024 und Bürgerbeteiligungen im Herbst 2024 versuchte die Degewo, Sorgen und Ideen der Bürgerinnen und Bürger einzubeziehen. Bei der Umsetzung scheint es noch irgendwo zu hapern.

„Es entsteht der Eindruck, dass hier unter Anführung des kaum zu entkräftenden Arguments, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen, die Gefährdung vieler Menschen sowie eine deutliche Verschärfung der Verkehrssituation auf dem Kladower Damm billigend in Kauf genommen wird“, äußert Kochjohann ihre Bedenken.

Sorge um Rettungswege im Parkviertel Kladow in Berlin-Spandau

Anwohnerinnen und Anwohnern sind zudem besorgt über die Rettungswege. Es sei fraglich, ob der Zugang über das angrenzende Militärgelände möglich ist. Es sei unklar, ob Krankenwagen im Notfall durchkommen, fasst Kochjohann die Sorgen zusammen.

Degewo-Sprecher Weidelich verweist in der Hinsicht darauf, dass sich das Projekt noch in einer frühen Planungsphase befinde. „Die Sicherheit und die Wohnqualität für alle Bewohnerinnen und Bewohner stehe stets im Mittelpunkt.“

Der Sprecher erklärt, dass Sicherheitsbedenken unbegründet seien, da die Brandschutzmaßnahmen mit den Genehmigungsbehörden abgestimmt sind, die neuen Gebäude keine bestehenden Feuerwehrflächen beeinträchtigen und die Erreichbarkeit gemäß den Vorgaben der Berliner Feuerwehr gewährleistet bleibt.

„Von der Bundeswehr haben wir die Zusage, dass Rettungsfahrzeuge in begründeten Fällen über das Kasernengelände fahren dürfen“, teilt der Degewo-Sprecher mit. „Wir arbeiten derzeit an einer zukunftsfähigen Gesamtlösung für die Siedlung, die den Bedürfnissen bestmöglich Rechnung trägt.“

Bürgermeister Wegner zeigt Verständnis, aber wenig Hoffnung

Die Sorgen der Kladowerinnen und Kladower haben es derweil auch auf die Agenda des Regierenden Bürgermeisters Kai Wegner geschafft. Bei einer Veranstaltung im Falkenhagener Feld Ende November 2024 tat eine Bürgerin ihre Sorge kund. Sie forderte, dass Senat und Degewo die Nachverdichtung nochmal überprüfen.

Häuser in der Parkviertelallee in Berlin-Spandau, Ortsteil Kladow. Die Häuser sind Teil des Parkviertels, das auf dem Gelände der ehemaligen General-Steinhoff-Kaserne erbaut wird.

Das Parkviertel in Kladow kann bisher nur über eine Zufahrt, abgehend vom Kladower Damm, befahren werden. Zukünftig sollen knapp 300 Autos mehr die schmale Straße passieren. Anwohner empfinden es schon jetzt als schwierig, mit ihren Autos aneinander vorbeizukommen.

Jessica Neumayer

Die Belastung werde nicht nur innerhalb des Viertels wachsen, sondern auch Einfluss auf das Verkehrsgeschehen des Kladower Damms haben, sagte die Anwohnerin. Ebenso warf sie Bedenken zur Infrastruktur auf. Schon jetzt sei es kaum möglich, einen Schul- und Kitaplätze oder einen zeitnahen Termin beim Arzt zu bekommen.

Kai Wegner reagierte mit zustimmendem Nicken. Auch er fahre regelmäßig an dem Viertel vorbei und sei im Bilde. Er vermittelte den Anschein, die Sorgen der Bürgerin zu teilen. Zugleich machte er wenig Hoffnung. Das Bauvorhaben sei genehmigt und er könne nicht viel machen. Er bot ihr zumindest an, mit der Degewo Kontakt aufzunehmen.

Dies ist seitdem auch geschehen, bestätigt die Sprecherin des Berliner Senats auf Nachfrage. Das Ergebnis des Gesprächs und inwiefern sich an der aktuellen Planung bezüglich der Verkehrssituation im Quartier und drumherum etwas ändern könnte, wird vom Regierenden Bürgermeister jedoch nicht mitgeteilt.