Wohnen in Berlin-Spandau
: Kaum noch Freiraum – so eng wird in Kladow gebaut

Auf dem ehemaligen Gelände der General-Steinhof-Kaserne in Kladow, einem Ortsteil von Berlin-Spandau, sollen 390 neue Wohnungen entstehen. Warum die Bewohner bangen.
Von
Jessica Neumayer
Spandau
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Parkviertel Kladow, Altgebäude der General Steinhof Kaserne

Die großen Wiesen im Parkviertel im Spandauer Ortsteil Kladow werden zukünftig stark verkleinert. Knapp 400 neue Wohnungen sollen in den nächsten Jahren zwischen den bestehenden Gebäuden in Berlin gebaut werden.

Jessica Neumayer
  • Auf dem Gelände der General-Steinhof-Kaserne in Berlin-Kladow entstehen 390 neue Wohnungen.
  • Die Freiflächen werden reduziert, um der Wohnungsnot in Spandau entgegenzuwirken.
  • Die Neubauten passen sich optisch dem Viertel an, meist zweigeschossig mit Staffelgeschoss.
  • Anwohner haben Vorschläge zur Freiraumgestaltung eingereicht, bevorzugen Natur und Spielplätze.
  • Baubeginn ist 2026, die ersten Bewohner ziehen 2029 ein.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Wer derzeit in der Siedlung auf dem ehemaligen Gelände der General-Steinhof-Kaserne in Kladow  wohnt, hat viel Platz um sein Wohngebäude. Noch. Der Blick aus dem Fenster könnte zukünftig nicht mehr über freie Wiese schweifen, sondern ins Wohnzimmer des Nachbarn. Die landeseigene Wohnungsgesellschaft Degewo plant, auf ihren Grundstücken weitere Gebäude zu bauen. Bisherige Freiflächen fallen weg. Wie die Lebensqualität der Anwohner im Berlin-Spandauer Ortsteil weiterhin erhalten bleiben soll.

Als die Wohnsiedlung am Kladower Damm in den 1960er Jahren gebaut wurde, konnte großzügig geplant werden. Es gab genug Platz. „Diese Tatsache hat sich in den letzten Jahren mit dem enormen Wachstum von Berlin geändert“, schreibt die Degewo in einer Broschüre zur Bauplanung. Um der Wohnungsnot in Spandau entgegenzuwirken, muss die Siedlung erweitert werden.

Wohnungsbau in Spandau – Degewo plant Erweiterung

Das sogenannte Parkviertel auf dem historischen Gelände im Spandauer Süden bestand einst nur aus den Gebäuden rund um die General-Steinhoff-Kaserne. Seit 2020 wird das Gelände Stück für Stück bebaut.

Häuser in der Parkviertelallee in Berlin-Spandau, Ortsteil Kladow. Die Häuser sind Teil des Parkviertels, das auf dem Gelände der ehemaligen General-Steinhoff-Kaserne erbaut wird.

Rund um die Parkviertelallee im Spandauer Ortsteil Kladow wird in den nächsten Jahren viel gebaut. Über 20 neue Gebäude sollen zusätzlich zu den bestehenden Miethäusern entstehen. Die Neubauten sollen überwiegend zweigeschossig sein, um sich optisch dem Viertel anzupassen.

Jessica Neumayer

Auf einer Fläche von rund 58.000 Quadratmetern sollen insgesamt 790 Wohnungen verschiedener Wohnungsunternehmen entstehen. 2024 wurde das Quartier Christoph-Kolumbus fertiggestellt – ein Wohnprojekt für ältere Menschen und Beschäftigte im öffentlichen Dienst. Ebenso entstehen im Viertel auch Eigentumswohnungen für Paare ohne Kinder.

Auch über 100 Wohnungen der Parkviertel Kladow GmbH & Co. KG bieten im Viertel Wohnraum für alle Menschen, die sich einen Mietpreis von 22 Euro pro Quadratmeter leisten können. Auf den zwei Grundstücken der Degewo sollen 390 neue Wohnungen gebaut werden.

Mehr Wohnungen und engere Freiflächen im Parkviertel

Die Siedlung Degewo-Nord liegt zwischen der Amberbaumallee und der Straße „An den Parkbäumen“ sowie an der Straße „Am Waldkiefernweg“.  Zu den neun dort vorhandenen Gebäuden sollen neunzehn weitere Gebäude unterschiedlicher Größe hinzukommen.

Der überwiegende Teil der neuen Häuser wird zweigeschossig sein, mit einem zurückversetzten kleineren Geschoss – einem sogenannten Staffelgeschoss. Ein oder zwei weitere Gebäude werden mit drei Geschossen errichtet.

Mit dieser Bauweise sollen die neuen Gebäude an die schon vorhandenen Wohnhäuser angepasst werden. Insgesamt fünf Parkplatzflächen müssen den Neubauten weichen. Zentral im Wohnblock werden weiterhin zehn Parzellen für Gärten eingeplant.

Neubauten, Mietergärten und Parkplatzmangel im Fokus

Auf der zweiten Fläche der Degewo liegt die „Siedlung Degewo-Süd“, zwischen Parkviertelallee und Eisbeerenweg. Dort sollen neben den 29 bestehenden Gebäuden fünf weitere Häuser mit jeweils drei Geschossen und Staffelgeschoss gebaut werden.

Vier Parkflächen werden durch Neubauten ersetzt. Um einem Parkplatzmangel entgegenzuwirken, wird eine Mobilitätsstation mit Quartiersgarage am Siedlungseingang nahe des Kladower Damms, gegenüber der Klinik Havelhöhe, geplant.

Auch in diesem Gebäudeblock sind auf drei Flächen weiterhin 16 Gartenparzellen geplant. Die Degewo versucht, die Anwohnerinnen und Anwohner bei der Freiflächengestaltung mit einzubeziehen.

Neubau in Kladow bedeutet Veränderung für Mieter

„Der Zuzug bedeutet oft auch Veränderung. Wir möchten diese Veränderung positiv aufgreifen, indem wir die wohnungsnahen Freiflächen neu gestalten und so attraktive Aufenthaltsmöglichkeiten für alle Altersgruppen schaffen“, schreibt die Degewo.

Bei einer Veranstaltung im September 2024 vor Ort und online auf der Webseite der Degewo konnten bis zum 5. November 2024 Vorschläge zur Gestaltung der Siedlungen eingereicht werden. Bei den über 150 eingegangenen Hinweisen zur Freiraumgestaltung sticht mit einer Mehrheit heraus, dass sich die Anwohnerinnen und Anwohner weiterhin viel Natur wünschen.

Beteiligung der Nachbarschaft – Vorschläge und Wünsche

Neben Wildblumenwiesen werden auch Igelverstecke, Insektenhotels und Nistkästen genannt. Auch die Pflanzung von Obstbäumen oder bestehende Laubbäume zu erhalten, steht auf dem Wunschzettel mancher Mieter weit oben.

Weitere Wünsche beziehen sich auf Platz für Sport- und Spielangebote. Dabei gibt es Vorschläge für Spielplätze, Kleinkinderspielplätze, aber auch Begegnungs- und Sportflächen mit entsprechenden Geräten. Ebenso genannt werden genügend Sitzgelegenheiten abseits von möglicherweise lauten Spielflächen.

Manch ein Mieter würde sich auch über einen Trimm-dich-Pfad, ein „Balancierweg“, eine Hundewiese oder eine BMX-Strecke freuen. Auch auf das fehlende Angebot für Jugendliche wird hingewiesen, für die ein Spielplatz nach einer längeren Bauphase nicht mehr nötig wäre.

Zeitplan für den Baubeginn und Einzug

Noch im November 2024 soll es eine Ergebnisausstellung aus der Beteiligung der Nachbarschaft vor Ort geben. Anschließend wird der Auftrag für ein Generalunternehmen ausgeschrieben, das 2025 die Planung übernehmen soll. Ob und wie die Wünsche der Anwohner und Anwohnerinnen auf den dann kleineren freien Flächen berücksichtigt werden können, wird sich zeigen.

Der Baubeginn ist laut Degewo für 2026 geplant. Voraussichtlich sollen 2029 die ersten neuen Nachbarinnen und Nachbarn einziehen können.