Archäologie in Berlin: Schatz aus 13. Jahrhundert entdeckt – was steckt dahinter?

Archäologen legen am Molkenmarkt in Berlin-Mitte einen alten Brunnen frei. Auf dem Grabungsfeld gegenüber vom Roten Rathaus wurde auch der neueste Schatz entdeckt.
Jens Kalaene/dpa- Archäologen entdecken Münzschatz aus dem 13. Jahrhundert am Molkenmarkt in Berlin-Mitte.
- Fünfeinhalb Denare zeigen märkischen Adler und Markgrafen – wichtige Hinweise auf mittelalterlichen Handel.
- Weitere Funde: Seidenband aus dem 15. Jahrhundert, Kinderschuh und Wollstrumpf aus Latrinen.
- „Petri Berlin“-Museum zeigt Fundstücke, darunter Berlins älteste Kirche und Holzstraße.
- Führungen über die Ausgrabungsstelle bieten Einblicke in Berlins Geschichte – Anmeldung erforderlich.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Mehr als 700.000 historische Funde haben Archäologen bei Grabungen am Molkenmarkt in Berlin-Mitte schon geborgen. „Sie geben Einblicke in die Vergangenheit Berlins“, sagt Stadtentwicklungssenator Christian Gaebler (SPD). Mit den Experten des Landesdenkmalamtes hatte er am Mittwoch (6. August 2025) auf die Riesenbaustelle zwischen dem Roten Rathaus und dem Klosterviertel eingeladen, um einen neue „Sensationsfund“ vorzustellen.
Es handelt sich um einen Münzschatz aus dem 13. Jahrhundert. Die Handvoll Silbertaler wurde von den Archäologen neben der Grabungsfläche in einer Vitrine ausgestellt. „Es sind zwar nur fünfeinhalb Münzen, aber ab einer Zahl von fünf Stück spricht man in der Archäologie von einem Münzschatz“, erklärt Eberhard Völker, wissenschaftlicher Leiter der Ausgrabungen.
Schatz in Berlin – Münzen zeigen märkischen Adler
Um genauer zu sein, handele es sich um Denare. Sie sind zwar nur Fingerkuppen groß, aber wer genau hinsieht, kann die Markgrafen Otto der Vierte und Otto der Fünfte sowie Türme auf den Prägungen erkennen. „Auf der Rückseite kann man schon den brandenburgischen Adler sehen“, sagt Völker.
Die Münzen aus Silberblech wiegen pro Stück nicht mal ein Gramm und können nicht viel wert gewesen sein. „Vielleicht konnte man mit ihnen ein Laib Brot kaufen“, vermutet der Grabungsleiter. Doch was damals massentauglich war, ist heute für die Geschichts-Experten eine absolute Seltenheit. „Bei den Grabungen um 2010 am Roten Rathaus wurden insgesamt rund 1500 Münzen gefunden, dabei waren nur sechs aus dem 13. Jahrhundert“, berichtet der Experte.
Was die Münzen über die Geschichte von Berlin aussagen
Für ihn sind die Münzen vor allem Hinweis darauf, dass damals in Berlin ordentlich Handel betrieben wurde. „Das Konsumverhalten hatte sich seit der Gründung um 1200 gesteigert, die Güter mussten bezahlt werden“, berichtet Völker.
Dass es schon im Spätmittelalter in Berlin Exotisches zu kaufen gab, belegt ein weiterer Fund. Völker zeigt auf ein Seidenband aus dem 15. Jahrhundert. „Das war damals ein seltenes Material, das ausschließlich in China hergestellt wurde und vermutlich als Fixierung für ein Gewand oder Vorhang verwendet wurde.“

Diese mittelalterlichen Denare aus dem 13. Jahrhundert wurden bei Grabungen am Molkenmarkt in Berlin entdeckt. Ein Fund ab fünf Münzen gilt bei Archäologen als „Münzschatz“.
Jens Kalaene/dpaDas wiederum besagt, dass in der Berliner Mitte schon damals gut betuchte Leute lebten. Viele der „Wohlstandszeichen“ wurden in einstigen Latrinen und Brunnen geborgen. Denn sobald Toiletten außer Betrieb gesetzt wurden, hätten die Ur-Berliner diese als Müllschlucker benutzt. Die Funde aus den Latrinen seien oft besonders gut erhalten, weil sie durch die feuchte, sauerstoffarme Umgebung und die Konservierungseigenschaften der Fäkalien geschützt worden seien.
So können die Archäologen des Landesdenkmalamtes sogar immer wieder organische Materialien wie Holz, Textilien, Knochen bergen. In Vitrinen an den Grabungsstellen sind ein Kinderschuh aus Leder sowie ein Wollstrumpf ausgestellt, die die Experten in einer um 1450 stillgelegten Latrine gefunden haben und restaurieren konnten.
Mehrere interessante Funde in den letzten Monaten in Berlin
Zu der kleinen erlesenen Auswahl an herausragenden Funden aus den vergangenen Monaten gehören aber auch eine Knochenflöte aus dem 14. Jahrhundert sowie Murmeln aus gebrannter Keramik aus dem 17. Jahrhundert.

Unten links im Bild wird ein Kinderschuh aus dem Mittelalter im Original gezeigt, den die Experten des Landesdenkmalamtes in einer Latrine in Berlin-Mitte gefunden und restauriert haben.
Maria NeuendorffWer mehr Fundstücke sehen und etwas über ihre Ursprünge erfahren will, kann an regelmäßigen Führungen teilnehmen oder das „Petri Berlin“ besuchen. Das neue interaktive Archäologie-Museum mit Werkstatt, in dem die Fundstücke teilweise unter den Augen der Besucher aufpoliert werden, hat Ende Juni am Spittelmarkt eröffnet.
Im Keller, in dem die freigelegten Reste Berlins ältester Kirche zu sehen sind, haben auch die Knochen der ältesten Berliner ihre letzte Ruhestätte gefunden, die schon 2007 bei Grabungen auf dem alten Kirchplatz der Petrikirche entdeckt wurden. Für die Wissenschaft waren sie ebenfalls so ein Sensationsfund wie die älteste Straße Berlins aus Holzbohlen (2022) oder die Heiligenfiguren und ein japanisches Wakizashi Schwert aus dem 17. Jahrhundert (2024).
Die 22.000 Quadratmeter große Ausgrabungsstelle am Molkenmarkt gibt es seit 2019. Sie ist entstanden, weil auf dem Gebiet städtische Wohnungen gebaut werden. Dazu wird die Grunerstraße (B1) umgebaut und das zu DDR-Zeiten etwas überdimensioniert geratene Quartier auf seine kleinteilige Gliederung zurückgebaut.
Denn das Viertel am Molkenmarkt war vor dem Zweiten Weltkrieg von der typischen „Berliner Mischung“ geprägt. „Mit dem Ausbau im 19. Jahrhundert sind in die Untergeschosse der Bürgerhäuser auch Apotheken, Schnapsbrennereien, Lederwarenhändler und Tischler eingezogen“, weiß Völker aus den Funden.
Neue Wohnungen mit „archäologischen Fenstern“
Ein paar der künftigen Wohnhäuser sollen archäologische Fenster erhalten, die öffentlich zugänglich sein werden und die Schichten der Stadtgeschichte zeigen. Einen Eindruck, wie das aussehen kann, bekommt man auf einem weiteren Grabungsfeld. Zwischen märkischem Sand ragen Feldsteine und Ziegelwerk hervor, manche sind von Bränden oder Feuerstellen noch nach Jahrhunderten angekohlt.

Eberhard Völker ist wissenschaftlicher Leiter der Ausgrabungen am Molkenmarkt in Berlin.
Maria NeuendorffDas Hauptaugenmerk liegt hier momentan auf dem ab 1715 erbauten Kornmesserschen Waisenhaus. Der Name geht auf Joachim Friedrich Kornmesser zurück, der von 1709 bis 1715 Bürgermeister von Berlin war und dessen Erbe in die Stiftung für das Waisenhaus überging. Anfang des 20. Jahrhunderts befand sich auf dem Gelände das Königliche Leihamt, nach der Monarchie dann bis Ende des Zweiten Weltkrieges das städtische Leihamt.
Zwischen den alten Mauern aus verschiedenen Zeitschichten sieht man eine Archäologin kniend die Steine abpinseln. „Sie dringt schon in tiefere Schichten vor“, erklärt Völker. „Das geht zurück bis in die Steinzeit.“
Der Molkenmarkt gilt als größte Innenstadtgrabung Deutschlands. Ab 2026 müssen noch rund 5000 Quadratmeter per Hand umgebuddelt und durchgesiebt werden. Dabei wird es sicher noch mehr „Sensationsfunde“ geben.
Kostenlose Führungen
Das Landesdenkmalamt Berlin bietet Führungen für maximal 15 Personen über die laufenden Ausgrabungen auf dem Molkenmarkt in Berlin-Mitte an.
Sie finden in der Regel freitags um 14 Uhr statt, können aber bei schlechtem Wetter ausfallen. Treffpunkt ist der Baustelleneingang an der Parochialstraße/Ecke Jüdenstraße, wenige Fußminuten vom U-Bahnhof Klosterstraße entfernt.
Es ist eine Anmeldung per E-Mail unter Molkenmarkt@lda.berlin.de erforderlich, genauso wie festes Schuhwerk. Das Mindestalter für Teilnehmer beträgt sechs Jahre. Foto- und Filmaufnahmen sind nicht erlaubt.



