BVG in Berlin
: Fehlende Busspuren und neue XXL-Busse fordern Bezirke

Busspuren werden in Berlin teilweise wieder zurückgebaut, teils verzögert umgesetzt. Dabei sollen künftig 24 Meter lange Doppelgelenk-Busse fahren. Wie passt das zusammen?
Von
Maria Neuendorff
Berlin
Jetzt in der App anhören
In Berlin gibt es derzeit 121 Kilometern Busspuren. Das entspricht laut Senatsverwaltung einem Anteil von 2,3 Prozent am gesamten Straßennetz.

In Berlin gibt es derzeit 121 Kilometern Busspuren. Das entspricht laut Senatsverwaltung einem Anteil von 2,3 Prozent am gesamten Straßennetz. Doch einige Spuren werden wegrationalisiert, obwohl größere Busse im Anmarsch sind.

Jens Kalaene/dpa
  • Busspuren werden teils zurückgebaut, obwohl größere Doppelgelenkbusse geplant sind.
  • Rückbau u. a. Unter den Eichen und Otto-Braun-Straße – IGEB warnt vor Nachteilen.
  • Anordnungen für neue Spuren existieren, doch Bezirke verzögern oft die Umsetzung.
  • 24-Meter-Busse sollen auf stark nachgefragten Linien Kapazität um 30–40 % erhöhen.
  • BVG prüft Einsatz auf Korridoren wie M41, M44, M48/M85 – teils Umbauten nötig.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Auf der Bundesstraße B1 Richtung Zehlendorf stauen sich kurz nach dem Steglitzer Kreisel täglich die Autos. Seitdem auf der Straße Unter den Eichen am Botanischen Garten im Jahr 2022 ein Radstreifen mit Bussonderfahrstreifen eingerichtet wurde, haben die Autos auf der wichtigen Ausfallstraße in westlicher Richtung nur noch einen statt zwei Fahrstreifen zur Verfügung.

Die CDU-geführte Senatsverkehrsverwaltung will den Sonderfahrstreifen nun wieder zurückbauen. Der Fahrgastverband IGEB kritisiert diese Planungen scharf: „Mit einem Rückbau würde nicht nur der Radverkehr geschwächt, sondern zugleich auch der Busverkehr verschlechtert.“

Die Maßnahme sei ein besonders fatales Signal für die Stadt Berlin. „Wir sind besorgt, dass weitere Rückbauten folgen könnten“, sagt Christfried Tschepe, Vorsitzender des Berliner Fahrgastverbands IGEB.

Straßen in Berlin – Rückbau von Busspuren

Beseitigt wurde ebenfalls in Mitte die Busspur der Otto-Braun-Straße am Alexanderplatz. Auch der Busfahrstreifen auf der Otto-Suhr-Allee von Richard-Wagner-Straße bis Ernst-Reuter-Platz in Charlottenburg-Wilmersdorf wurde im Februar 2026 aufgehoben. Die Umsetzung durch den Bezirk stehe noch aus, heißt es von der Senatsverwaltung für Verkehr.

Die Verkehrsverwaltung ordnet zwar den Rückbau von Busspuren an, für die Umsetzung sind dann aber die Bezirke zuständig. Der Berliner Fahrgastverband fordert statt Rückbau den konsequenten Ausbau der Sonderfahrstreifenlösung. Gerade auf der Straße Unter den Eichen entstünde der heutige Engpass dadurch, dass der motorisierte Individualverkehr erst am Aus­gangspunkt des jetzigen Sonderfahrstreifens zusammengeführt wird, erklärt Tschepe.

„Durch eine klare und frühzeitige Fahrstreifenordnung ließe sich dieser Flaschenhalseffekt reduzieren“, glaubt der Verkehrsexperte.

Statt Angebote für einen sicheren und attraktiven Bus- und Radverkehr zurückzunehmen, bräuchte Berlin an den stark befahrenen Hauptverkehrsadern mehr Fahrstreifen für die umweltfreundlichen Verkehrsmittel. Doch der Ausbau liege eher auf Eis, obwohl sich die Rechtslage durch eine Änderung der Straßenverkehrsordnung bundesweit vor zwei Jahren zugunsten von neuen Busspuren erheblich verbessert habe.

Neue Busspuren in der Innenstadt von Berlin geplant

So wurden am Kurt-Schumacher-Damm in Reinickendorf neue Sonderfahrstreifen eingerichtet. Ein weiterer wurde am Kurt-Schumacher-Damm zwischen Heckerdamm und Bushaltestelle am U-Bahnhof Jakob-Kaiser-Platz angeordnet. Die Umsetzung durch den Bezirk stünde an diesem Abschnitt aber noch aus, erklärt Petra Nelken, Sprecherin der Verkehrsverwaltung.

Das Gleiche gilt für den angeordneten Streifen am Reichpietschufer zwischen der Tunnelausfahrt Tiergarten/Reichpietschufer und der Potsdamer Straße. Die Busspur an der Schillstraße (ebenfalls Tiergarten/Mitte) kann laut Nelken erst nach Ende einer Baustelle erfolgen. Und auch der neue Busfahrstreifen an der Clayallee zwischen Scharfestraße und Teltower Damm verzögere sich durch andere Baumaßnahmen.

„Das kennen wir seit Jahren, dass Sonderbusfahrstreifen zwar von der Senatsverwaltung angeordnet werden, die Bezirke aber sagen, sie hätten nicht genug Personal und Geld, diese umzusetzen“, berichtet Tschepe. „So wird der schwarze Peter immer hin- und hergeschoben, und die Busspuren bleiben auf der Strecke.“

Im Berliner Entwurf des Nahverkehrsplans 2026 bis 2028, der derzeit diskutiert wird, werden Busfahrstreifen als zentrales Instrument genannt, um die Pünktlichkeit der Busse zu sichern. Damit soll der ÖPNV beschleunigt werden, da Busse teilweise mit Geschwindigkeiten von unter 13 km/h verkehren.

24 Meter langer Doppelgelenkbus im Berliner Stadtverkehr

Im Entwurf des Senats wird zudem der Einsatz 24 Meter langer Doppelgelenkbusse für stark belastete Buslinien als eine Option genannt. Die normalen Berliner Gelenkbusse sind 18 Meter lang.

Die Verkehrsverwaltung bestätigt in einer Antwort auf eine Anfrage des Abgeordneten Rolf Wiedenhaupt (AfD) vom 13. April 2026, dass es Überlegungen gebe, diese neuen Doppelgelenkbusse sowohl in Spandau als auch im südwestlichen und südlichen Teil der Stadt zum Einsatz zu bringen.

Ein Doppelgelenkbus mit Hybridantrieb bei der Jenaer Verkehrsgesellschaft mbH der Schweizer Firma Carosserie Hess AG und der Düsseldorfer Firma Vossloh Kiepe GmbH wird mittels umweltschonender Kombination von Diesel- und Elektromotoren angetrieben. Der Bus ist fast 25 Meter lang.

Ein Doppelgelenkbus mit Hybridantrieb bei der Jenaer Verkehrsgesellschaft mbH wird mittels umweltschonender Kombination von Diesel- und Elektromotoren angetrieben.

Jan-Peter Kasper/dpa

„Dabei stehen insbesondere im dichten Takt verkehrende Linien mit steigender Nachfrage im Vordergrund“, erklärt Arne Herz von der Senatsverwaltung für Verkehr. Dazu zählten die Linien M32, M36 und M37/137 (Spandauer Raum), M48/M85 und M76 (süd-westlicher Bereich) sowie M41 und M44 (südlicher Bereich).

„Mit dem Einsatz von Doppelgelenkbussen kann bei gleichbleibender Fahrtenhäufigkeit die Fahrgastkapazität um circa 30 bis 40 Prozent gegenüber einem Gelenkbus gesteigert werden“, so Herz. Gegenüber der Nutzung von Doppeldeckern könne bei gleichbleibendem Takt die Fahrgastkapazität um circa 25 Prozent gesteigert werden.

Auch die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) bestätigen in der Antwort, dass der Einsatz der 24-Meter-Busse auf Linien entlang hochausgelasteter Korridore mit hoher Spitzenbelastung geprüft werde. Weil sie mehr Türen haben, könnten sie gerade auf Linien mit kurzen Haltestellenabständen und vielen aus- und einsteigenden Fahrgästen positive Effekte erzielen, heißt es von der BVG. Auch die Option auf ein zweites Multifunktionsabteil könne in Bezug auf Rollstuhlnutzer, Kinderwagen oder Gepäck für Entlastung sorgen.

Allerdings müssten für die XXL-Busse eventuell auch Haltestellen umgebaut und Werkstätten gebaut werden. Denn was die Antwort auf die parlamentarische Anfrage ebenfalls offenbart: Der Ausbau des Betriebshofes in Spandau wird nicht vor 2029 beendet sein.

Pendeln

Warum kommt die Bahn zu spät? Was bringt ein Tempolimit auf der Autobahn? Und wie sieht die perfekte Innenstadt für Radfahrer und Fußgänger aus? Wir berichten über Mobilität in unserer Region - und darüber hinaus.