Brandenburg verschärft seine Corona-Regeln angesichts steigender Ansteckungen - vor allem auch im Nachbarland Berlin.
Ab Sonntag gilt eine Maskenpflicht nicht nur in öffentlichen Bussen und Bahnen und im Einzelhandel, sondern auch in Bürogebäuden, aber erst ab einem bestimmten regionalen Grenzwert für neue Infektionen. Das kündigte Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) am Dienstag in Potsdam an. Auch Obergrenzen für private Feiern werden verschärft.

„Es ist nicht Zeit für Lockerungen“

Wenn es in einem Landkreis oder einer kreisfreien Stadt mehr als 35 neue Ansteckungen pro 100 000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen gibt, soll Mund-Nasen-Schutz in Büro- und Verwaltungsgebäuden gelten, wenn man nicht am festen Platz ist und der Mindestabstand von 1,50 Metern nicht eingehalten werden kann. „Die Zahlen steigen, sie steigen leider auch in Deutschland und es ist jetzt nicht die Zeit für Lockerungen“, sagte Woidke. Es werde im Herbst nicht einfacher.
Wenn der regionale Wert von 35 neuen Infektionen pro 100 000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen überschritten wird, sollen nur noch 50 Menschen an Feiern in öffentlichen oder angemieteten Räumen teilnehmen können. Für zuhause in Wohnung oder Garten liegt die Obergrenze bei 25 Menschen.

„Wir sind voll in einer neuen Welle“

„Wir sind voll in einer neuen Welle“, sagte Gesundheitsministerin Ursula Nonnemacher (Grüne) nach der Kabinettsitzung. Es gebe keine Hotspots, das Geschehen sei „diffus über das ganze Land verteilt“.
Mit den aktuellen Daten von 49 Neuinfizierten innerhalb von 24 Stunden und derzeit 382 Akut-Erkrankten sei man wieder auf dem Niveau vom 23. April. Es sei nur eine Frage der Zeit, bis es wieder Todesfälle gebe.
Die Ministerin verwies auch darauf, dass das bislang von größeren Ausbrüchen verschonte Mecklenburg-Vorpommern zuletzt 73 neue Fälle gemeldet habe.

Zahl der Corona-Fälle im Klinikum Bad Saarow steigt auf 38

Nonnemacher berichtete, dass die Zahl der Infizierten im Klinikum Bad Saarow auf 38 gestiegen sei. Kliniken mit wegen der Pandemie abgemeldeten Notaufnahmen würden innerhalb regionaler Netzwerke von anderen Krankenhäusern Hilfe bekommen, um die Rettungszeiten in Notfällen einhalten zu können.
In Cottbus seien sieben Schüler und eine Lehrkraft an einer an das Krankenhaus angeschlossenen Pflegeschule infiziert. In einem Güterverteilzentrum im Havelland gebe es zwölf neue Fälle und an den allgemeinbildenden Schulen über das Land verteilt insgesamt sieben.

Verschärfte Regeln für Feiern und Partys

Wenn der regionale Wert von 35 neuen Infektionen pro 100 000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen überschritten wird, sollen nur noch 50 Menschen an Feiern in öffentlichen oder angemieteten Räumen teilnehmen können. Für zuhause in Wohnung oder Garten liegt die Obergrenze bei 25 Menschen.

Maskenpflicht für Gaststätten verschärft

Die Maskenpflicht wird auch für Gaststätten verschärft. Sie gilt dort ab Sonntag bei Überschreitung des obigen Grenzwertes für Beschäftigte mit Gästekontakt sowie für Gäste, die nicht am Tisch sitzen - auch für geschlossene Gesellschaften.

Kinos, Theater und Konzerte

Kinos, Theater und Konzerthäuser können vom Mindestabstand von 1,50 Meter auf bis zu einen Meter abweichen, wenn während der ganzen Vorstellung Maske getragen wird und Hygieneregeln eingehalten werden.

Bußgeld bei Falschangaben

Wer persönliche Angaben in Cafés oder Restaurants zur Nachverfolgung von Kontakten falsch angibt, muss künftig mit einem Bußgeld zwischen 50 und 250 Euro rechnen. In Brandenburg lag die Zahl neuer Ansteckungen der vergangenen sieben Tage auf 100 000 Einwohner am Dienstag bei fast 10, in Berlin am Montag bei 41,5.

Alle Berliner sind willkommen, wenn sie sich an die Regeln halten

Das Infektionsgeschehen in Berlin beobachte man sehr genau. Maßnahmen gegen Bewohner einzelner Bezirke lehne man jedoch ab und betrachte Berlin als Einheit, betonte Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD). Berlinerinnen und Berliner aus allen Bezirken seien in den Herbstferien in Brandenburg willkommen, wenn sie sich an die geltenden Regeln halten. Ein Beherbergungsverbot gibt es erst, wenn die kritische Marke von 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner der vergangenen sieben Tage für ganz Berlin überschritten wird. (mit dpa)