Currywurst in Berlin: Wie Curry36 Kult wurde und welche Promis die Wurst lieben

Lutz Michael Stenschke hat vor 45 Jahren „Curry36“ in Berlin gegründet. Angefangen hat alles mit einem Holzwagen in Kreuzberg. Heute betreibt der 69-Jährige vier Filialen, in denen die beliebte Currywurst verkauft wird.
@mehnert paris_Chantal Pagel- Curry36 in Berlin-Kreuzberg verkauft seit 45 Jahren Kult-Currywurst – heute mit vier Filialen.
- Gründer Stenschke spendet zum Jubiläum 4500 Euro an Berliner Hilfsprojekte.
- Wurst aus Bio-Schweinefleisch und vegane Varianten im Angebot; Qualität als Erfolgsgeheimnis.
- Tom Hanks und andere Promis schwärmen von Curry36; bekannt aus Reiseführern und TV.
- Preis für Currywurst: 2,90 Euro in Kreuzberg, 3,30 Euro am Bahnhof Zoo; Catering und Supermarktverkauf.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Mit oder ohne Darm, und bei Bedarf inzwischen auch vegan: Die Wurst von Curry36 in Berlin ist Kult und liegt bei Alt wie Jung auch nach Jahrzehnten im Trend. Und das, obwohl sie heute (15.1.) schon 45 Jahre alt wird.
Das 30-jährige Jubiläum feierte der Berliner Familienbetrieb am Kreuzberger Mehringdamm mit einem großen Hoffest. Der damalige Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit und andere Promis nestelten die Berliner Spezialität mit kleinen Plastikspießen aus den Pappschalen.
Den 45. Geburtstag will der Gründer Lutz Michael Stenschke ruhiger angehen. „Irgendwie ist gerade nicht die richtige Zeit, um große Feste zu feiern“, findet der 69-Jährige. Wenn Krisen herrschten, will er den Geburtstag lieber zum Anlass nehmen, um zu helfen. So will er 4500 Euro an den Berliner Kältebus spenden.
Bei Curry36 in Berlin gibt es Currywurst bis fünf Uhr nachts
Noch einmal die gleiche Summe will Stenschke der Berliner Arche geben, die sich seit über dreißig Jahren für finanziell benachteiligte Kinder engagiert. „Die leisten aus meiner Sicht eine sehr gute und wichtige Arbeit“, findet der Gastronom.
Aus seinem mit besonderer Malerei und Fotokunst geschmückten Büro in einer ehemaligen Altbauwohnung gleich über dem Imbiss sieht er täglich auf den Mehringdamm. Dass dort Tag und Nacht Trubel herrscht, ist zum Teil auf seine berühmte Bude zurückzuführen, die fast in jedem Reiseführer auftaucht.
„Eigentlich haben wir nie zu“, sagt Stenschke. Die Currywurst wird bis 5 Uhr in der Nacht verkauft. Die Mitarbeiter der Frühschicht kommen schon um 7 Uhr, um Vorbereitungen zu treffen. Ab 9 Uhr gehen dann wieder die ersten Würste, Bouletten und Pommes über den Tresen.
Was viele gar nicht wissen: Das Fleisch kommt von Bio-Schweinen. „Wir haben uns kurzzeitig zertifizieren lassen.“ Doch Kontrollen und Bürokratie seien schnell zu aufwendig geworden. „Da haben wir das Zertifikat lieber wieder freiwillig abgegeben.“
Currywurst von Curry36 kommt von Havelländer Bio-Schweinen
Die Kunden aber bekämen weiterhin die Würste in Bio-Qualität, allerdings unter dem Namen „Curry vom Havelländer Apfelschwein“. „Nur mit Premiumprodukten hat man auch langfristig Erfolg“, glaubt der Unternehmenschef.
Das Geheimnis einer guten Currywurst seien aber nicht nur die guten Zutaten, sondern auch die richtige Zubereitung, erklärt der Experte. Der Bratvorgang spiele eine entscheidende Rolle. „Man muss der Wurst bei schwacher Hitze ein wenig Zeit geben, sich zu entfalten“, erklärt der Fachmann.

Currywurst mit Pommes gilt in Berlin inzwischen als kulinarisches Kulturgut.
Rolf Vennenbernd/dpaAn belebten Tagen habe man deshalb unten auf dem Rost 100 bis 150 Würste zu liegen. So geht es auch trotz des berühmten großen Andrangs am Mehringdamm recht zügig voran. „Ich gehöre nicht zu den Imbissbetreibern, die lange Schlangen als Marketinginstrument benutzen“, betont Stenschke.
Zur Imbisskette ist der gelernte Automobilkaufmann durch die eigene Liebe zur Currywurst gekommen. Die aß er als junger Mann am liebsten in der Markthalle Moabit. Als die Betreiberin dort aus Altersgründen aufhören musste, übernahm er ihre Bude.
Kult-Currywurst in Berlin aus dem Holzwagen
Für die Übernahme des einstigen Holzwagens am Mehringdamm zahlten er und seine Frau 1981 gerade mal 15.000 DM an den Vorbesitzer. Der Name des Kult-Imbisses sei zufällig entstanden. „Wir überlegten damals lange, was wir darüberschreiben sollten“.
Nach ein paar Tagen sei der Reklamebauer schon genervt gewesen und habe gefragt: „Was verkaufen Sie denn?“ Curry, antwortete Stenschke. „Na, dann schreiben Sie doch Curry drüber“, habe der Reklamebauer gesagt. Stenschke ließ wenigstens noch eine hübsche Wurst dazu designen.
Mit dem Entwurf ging es zum Mann beim Bauamt. „Weil wir mit Leuchtreklame die Hausnummer 36 verdeckten, schlug der vor, die Zahl einfach mit auf die Leuchtreklame zu schreiben“, berichtet Stenschke „Weil die Hausnummer aber laut Regularien auch nach Ladenschluss zu leuchten hatte, haben wir dafür dann sogar eine separate Leitung gelegt.“
„Wir haben eigentlich nie behauptet, Curry 36 zu sein“, sagt Stenschke rückblickend. Doch die Leute im Kiez hätten den Namen schnell geprägt. „Überhaupt haben wir in den ersten 25 bis 30 Jahren nichts dafür getan, dass wir bekannt werden.“ Doch seine Frau, die an vorderster Front stand, wurde schnell zum Gesicht von Curry 36. „Sie hat das ganz witzig gemacht.“
Welcher US-Promi von der Currywurst aus Berlin schwärmt
So kamen an den langen Stehtischen schnell Menschen aus allen Gesellschaftsschichten zusammen. Journalisten verfassten über den kultigen Hotspot im Herzen von Kreuzberg Zeitungsreportagen. Es folgten TV-Berichte. Dazu kamen immer wieder Prominente. US-Schauspieler Tom Hanks schwärmte in einem Interview, dass er gerne in Berlin eine Wohnung beziehen würde, in der Nähe von Curry 36.
„Der muss tatsächlich mal ein paar Abende bei uns gegessen haben“, sagt Stenschke. Auch Politiker seien eigentlich alle mal da gewesen, von Helmut Kohl über Gerhard Schröder bis Michael Müller, der auf dem Weg vom Roten Rathaus nach Hause nach Tempelhof, regelmäßig an der Bude Halt gemacht hätte.

In Kreuzberg in Berlin fing alles an: Wegen des kalten Wetters ist der Andrang bei Curry36 in der Jubiläumswoche am Vormittag derzeit nicht so groß wie sonst. An milderen Tagen kommt es häufig zu Schlangen vor dem Kult-Imbiss am Mehringdamm.
Maria NeuendorffEinen großen Schub habe auch die Wiedervereinigung gebracht. „In den ersten Tagen nach der Wendenacht haben die uns buchstäblich umgerannt“, erinnert sich Stenschke. „Wir kamen einfach nicht hinterher. Ich habe den Leuten gesagt: Hey wartet, die Wurst ist noch gar nicht durch‘. Das war denen ganz egal.“
Kurz nach der Wende machte die Spielhalle hinter dem Imbisswagen dicht. Das Ehepaar nutzte die Gelegenheit, die Räume auszubauen und vom Wagen ins Haus zu ziehen. Aus anfangs 500 bis 600 verkauften Currywürsten am Tag ist inzwischen eine vierstellige Verkaufszahl an den vier Standorten geworden.
Erste Currywurst von Herta Heuwer
Auch das Büro gleich über der mit zig Aufklebern bepflasterten Tordurchfahrt ist in den vergangenen Jahren auf 300 Quadratmeter angewachsen.
Mehrfach war auch die Nichte von Herta Heuwer (1913 -1999) zu Gast. Die Berlinerin gilt als Erfinderin der Wurstspezialität. Die süßlich-scharfe Soße hatte sich die Imbissbetreiberin aus Berlin-Charlottenburg selbst ausgedacht. 1959 ließ sich Herta Heuwer ihre streng geheim gehaltene Soße namens Chillup – eine Mischung aus den Begriffen Chili und Ketchup – patentieren.
„Ihre Nichte wollte uns die Marke gerne übertragen. Sie wollte nicht einmal Geld dafür“, berichtet Stenschke. Doch Chillup kennt heute kaum noch jemand, und wir haben ja schon eine eigene starke Marke, erklärt der Chef fast entschuldigend, warum er dankend ablehnen musste.
Obwohl es mehrere beliebte wie traditionsreiche Currywurst-Buden wie Konnopke (Prenzlauer Berg) oder „Zur Bratpfanne“ (Steglitz) gibt, ist Curry36 der Marktführer in Berlin.
Das kostet die Kult-Currywurst von Curry36 in Berlin
Die Preise sind moderat geblieben, auch wenn es Unterschiede an den Standorten gibt. 2,90 Euro kostet die Currywurst in Kreuzberg, 3,30 Euro am Bahnhof Zoo. „Den Umsatz machen wir mit der Masse“, erklärt Stenschke.
Auch am Hauptbahnhof und an der Warschauer Straße gibt es Filialen. Aus einst fünf Mitarbeitern im Jahr 1981 wurden 75. Dazu gehört Curry36 heute zum Catering großer Veranstaltungen. Die Wurst und den originalen Ketchup aus einer besonderen Gewürzmischung und 87 Prozent reinem Tomatenmark bekommt man zudem in ausgewählten Supermärkten.
Vor ein paar Jahren hat sich Stenschke entschlossen, zusätzlich vegane Currywurst anzubieten. „Auch wenn ich selbst davon kein Fan bin, so verstehe ich doch, wenn Menschen aus Tierwohlgründen auf Fleisch verzichten wollen.“
Die vegane Variante sei im Kreuzberger Stammhaus inzwischen die drittbeliebteste Order und liege damit noch vor Currybouletten und Bratwürsten.
Currywurst als Lebenswerk
Stenschke und seine Frau stehen schon lange nicht mehr selbst mit der Zange hinter dem Tresen. Auch die erwachsene Tochter ist anderweitig voll ausgelastet. „Sie ist Tierärztin und will das auch bleiben“, sagt er mit Blick auf einen Generationswechsel. Den Laden einfach verkaufen will er nicht. „Das ist schließlich mein Lebenswerk.“
Das 50-jährige Jubiläum will er wieder feiern. „Ich werde auf jeden Fall noch ein paar Jahre weitermachen. Ich fühle mich fit und es macht mir auch nach 45 Jahren noch Spaß“, sagt Stenschke. „Meine Frau wäre wahrscheinlich auch genervt, wenn ich plötzlich nur zu Hause wäre.“




