S-Bahn in Berlin
: Neuer Starttermin für City-Strecke S15 steht fest

Die S15 verbindet erstmals den Berliner Norden mit dem Hauptbahnhof. Doch weil sich die Eröffnung immer wieder verzögert, sind inzwischen schon Neubauten nötig.
Von
Maria Neuendorff
Berlin
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Blick auf den neuen unterirdischen Bahnsteig am Hauptbahnhof in Berlin, an dem künftig die S15 halten soll.

Blick auf den neuen unterirdischen Bahnsteig am Hauptbahnhof in Berlin, an dem künftig die S15 halten soll.

DB AG/Szafranski
  • Die S15 verbindet den Berliner Norden mit dem Hauptbahnhof und startet im kommenden Frühjahr.
  • Der Bau der S21 soll Nord- und Südring verbinden, die Fertigstellung dauert noch mindestens ein Jahrzehnt.
  • Verzögerungen durch Bodenverhältnisse, Pandemiefolgen und geänderte Abnahme-Regeln verzögern die Projekte.
  • Der 600-Millionen-Euro-Plan umfasst auch einen neuen Bahnhof an der Perleberger Brücke für die Europacity.
  • Der unterirdische Bahnsteig der S15 am Hauptbahnhof ist eine Übergangslösung, bis der Nord-Süd-Tunnel fertig ist.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Der Bahnsteig für die neue S-Bahn-Linie S15 am Hauptbahnhof ist fertig. Die Sitzbänke sind noch von Planen bedeckt. Der nagelneue Aufgang ist mit rotweißem Flatterband abgesperrt. Bald werden hier die Züge der neuen Linie15 – auch City-S-Bahn genannt - einfahren.

Nach jahrelangen Verzögerungen soll sie nun laut Bahn im kommenden Frühjahr endlich in Betrieb gehen. „Dann wird die Linie S15 im Pendelbetrieb zwischen den Bahnhöfen Gesundbrunnen und Berlin Hauptbahnhof im Zehn-Minuten-Takt verkehren“, sagt ein Bahn-Sprecher auf Anfrage.

Der neue, rund vier Kilometer lange Streckenabschnitt zwischen dem Nordring und dem Hauptbahnhof ist dabei nur ein Teil des Gesamtprojekts „S21 Berlin“. Mit der neuen Nord-Süd-Verbindung will die S-Bahn die stark frequentierten Linien 1 und 2 und vor allem das Nadelöhr am Bahnhof Friedrichstraße entlasten.

S-Bahn-Linie 21 verbindet Nord- und Südring

Mit der S21 wären das erste Mal in der Geschichte Berlins der Nordring und der Südring durch eine Diagonale verbunden. Die Züge sollen vom Nordring (S-Bahnhöfe Wedding/Westhafen) über den Hauptbahnhof, Potsdamer Platz und die Yorckstraße bis zum Südkreuz fahren. Bis das so weit ist, wird aber mindestens noch ein Jahrzehnt ins Land gehen.

Eigentlich sollte der erste Abschnitt, also die S15, schon im Jahr 2017 fertig sein. Als Gründe für die Verzögerungen nannte die Bahn in der Vergangenheit schwierige Bodenverhältnisse und die Corona-Pandemie. Als ein weiterer Eröffnungstermin im Dezember 2023 verschoben wurde, war von „Engpässe bei der Material- und Personalverfügbarkeit“ die Rede. Unter anderem habe sich die Anlieferung einer Trafostation sowie einer Netzersatzanlage für die Notstromversorgung verzögert, hieß es damals.

Im Sommer dieses Jahres wurde dann auch die Eröffnung Ende 2025 abgesagt. Die Gründe dafür seien vielseitig, heißt es von der Deutschen Bahn als Mutterkonzern der Berliner S-Bahn. „Der Zulassungs- und Abnahmeprozess betriebsnotwendiger Anlagen wie zum Beispiel für eine Netzersatzanlage konnte leider nicht rechtzeitig final abgeschlossen werden“, erklärt der Bahn-Sprecher.

S-Bahn in Berlin fehlen die Bau-Prüfer

Genauer gesagt: Weil sich die Eröffnung der neuen Strecke immer wieder verzögert, haben sich inzwischen bei bereits abgeschlossenen Baumaßnahmen die Regelwerke für die Abnahme geändert. „Das betraf beispielsweise Deckenverkleidungen, aber auch die Entrauchungsanlage. Die Technik musste dann nachgerüstet oder sogar neu gebaut werden“, so der Sprecher.

Auch ein Engpass an Prüferinnen und Prüfern habe zu weiteren Verzögerungen geführt. Mittlerweile sei aber die neue S-Bahn-Strecke im ersten Bauabschnitt weitgehend betriebsbereit, die Signaltechnik in Betrieb und auch der neue Interimsbahnhof am Hauptbahnhof Berlin nahezu fertig. „Aktuell werden noch Abnahmen und letzte Prüfungen durchgeführt“, so der Bahn-Sprecher.

Für den 2. sowie den 3. Bauabschnitt der S21 hält sich die Bahn mit Eröffnungsterminen zurück. „Für den zweiten Bauabschnitt sind Planfeststellungsunterlagen eingereicht. Aktuell werden unter anderem Einwendungen geprüft.“

Man gehe derzeit davon aus, dass das Planfeststellungsverfahren 2026 abgeschlossen sein könnte. Für den dritten Bauabschnitt laufen Grundlagenermittlung und Vorplanung. Dabei soll unter anderem der Bahnhof Gleisdreieck mit seinen drei U-Bahnlinien an das S-Bahn-Netz angeschlossen werden. „Hier finden enge Abstimmungen mit dem Land Berlin und den Bezirken statt“, informiert der Sprecher.

Neuer S-Bahnhof in der Europacity

Im Rahmen des 600-Millionen-Euro-Projekts soll auch ein neuer S-Bahnhof an der Perleberger Brücke entstehen, um das neue Europaviertel nördlich vom Hauptbahnhof an die S-Bahn anzubinden. An dieser Stelle soll sich die Strecke dann zudem gabeln und einen Strang Richtung Jungfernheide – Gartenfeld bereithalten, wo die Siemensbahn bis 2029 reaktiviert wird. Für den neuen Bahnhof laufe aber nicht einmal das Planfeststellungsverfahren, betont der Bahn-Sprecher.

Apropos neuer Halt: der fertige neue unterirdische Bahnsteig der S15 am Hauptbahnhof, dessen Aufzug direkt zur Tramstation auf die Invalidenstraße führt, ist übrigens nur eine Übergangslösung. Der eigentliche Bahnhof wird im neuen Nord-Süd-Tunnel der S21 liegen, der aber auch erst gebaut werden muss. Der Bau des Interimsbahnhofs sei laut Bahn nötig gewesen, um die „vorzeitige Inbetriebnahme der ersten Teilstrecke S15“ zu ermöglichen.

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